Grüne Woche: Messestart mit Schelte für Minis...
Grüne Woche

Messestart mit Schelte für Minister


Messe Berlin
Die Grüne Woche hat heute in Berlin begonnen.
Die Grüne Woche hat heute in Berlin begonnen.

Berlin (abz). Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft kritisiert, Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) fehle der Mut, um die Verbraucher-Akzeptanz für den Kauf von Bio-Produkten zu erhöhen.

Bei der Auftaktpressekonferenz zur Internationalen Grünen Woche, die am heutigen Freitag begonnen hat, haben sowohl Bauernpräsident Joachim Rukwied als auch Christian von Boetticher, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), deutlich gemacht, dass sie so schnell keine Entspannung bei den Preisen erwarten. Von Boetticher betonte, die hohen Rohstoff- und vor allem Energiepreise blieben Haupttreiber für die Preise in der Lebensmittelwirtschaft: „Die Energiehochpreise sind noch gar nicht bei den Lebensmitteln zur Gänze eingepreist. Sie zwingen den deutschen Mittelstand in der Ernährungswirtschaft langsam in die Knie.

“Griff zur Billigware liegt im Trend

Er forderte von der Politik ein Gesamtkonzept zur Energiesicherheit. Von Boetticher: „Die Herausforderungen in der Ernährungsindustrie waren noch nie so groß wie in den Jahren 2022 und auch 2023.“ Aufgrund von Ernteausfällen in den USA sei die Lage schon vor dem Ukraine-Krieg angespannt gewesen. Hinzu seien die Lieferkettenproblematik in der Pandemie und der Krieg gekommen. Rukwied sagte, die Landwirtschaft wolle beitragen zu mehr Tierwohl, mehr Arten- und Klimaschutz, jedoch müssten die Rahmenbedingungen stimmen. Die finanzielle Förderung durch die Politik sei bei Weitem nicht ausreichend. Ihm bereite Sorge, dass der Griff zum Preiseinstiegssegment im Trend liege, Bioware bleibe zum Teil im Regal liegen.
Er sagte: „Wenn der Umbau der Landwirtschaft gelingen soll, muss auch der Griff zu höherwertigen Produkten erfolgen.“ Ob das von der Bundesregierung ausgerufene 30-Prozent-Bioziel erreicht werden könne, „hängt vom Einkaufsverhalten der Verbraucher ab“, so Rukwied. „Wenn die Nachfrage da ist, werden wir Bauern diese auch bedienen.“ Christian von Boetticher betonte, es brauche mehr Aufklärung über den Mehrwert von Bio.

„Bio vermeidet Folgeschäden“

Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) könne „stolz sein“, dass die deutsche Lebensmittelwirtschaft die Versorgung trotz vielfältiger Krisen in den vergangenen Jahren gewährleistet habe. Kritik am Minister kommt vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Immer noch sei ressourcenschädigendes Wirtschaftshandeln bestimmend. Verbandschefin Tina Andres forderte, die Mehrwertsteuer für Bio-Produkte zu streichen: Das Marktversagen bei der Nutzung von Umweltgütern lasse sich nur mit „wahren Preisen beseitigen“. Bio vermeide Folgeschäden. Zudem sollte eine Abgabe auf Pestizide und Stickstoffüberschüsse erhoben werden.

Andres: „Das bisherige Engagement von Cem Özdemir für die ökologische Transformation reicht nicht.“ Er tue nicht genug, es fehle an Mut, um das „hehre Ziel von 30 Prozent mehr Bio zu erreichen“. Bio wirke als Inflationspreisbremse, erklärte sie mit Verweis auf Zahlen des BÖLW: Die Preise für etliche Bio-Lebensmittel seien nach einer aktuellen Studie in den vergangenen Monaten deutlich weniger stark gestiegen als die Preise für konventionelle Produkte.

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