Ernährungs- & Warenkunde

Krank durch Butteraroma

Künstlicher Wirkstoff verursacht wohl Lungenkrankheit


Wien (ke). Diacetyl, ein Zusatzstoff künstlicher Butteraromen, hat nachweislich ernste und selbst tödliche Erkrankungen bei Arbeitnehmern verursacht, die diesem Stoff bei der Verarbeitung ausgesetzt waren. Es gibt eindeutige Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Diacetyl und der gefährlichen Lungenerkrankung „Bronchiolitis obliterans“, die heute in den USA allgemein auch als „Popcornarbeiterlunge“ bekannt ist.

Diacetyl ist der Hauptwirkstoff für das typische Butteraroma. Er kommt natürlicherweise in Äpfeln, Bohnen, Butter, Artischocken, schwarzen Johannisbeeren, Heidelbeeren, Blauschimmelkäse und Weizen vor. Bei einigen durch Mikroorganismen gesteuerten Prozessen entsteht es als Nebenprodukt. So können verschiedene Milchsäurebakterien und Hefepilze Diacetyl bilden und es kann als Fehlaroma im Verlauf der Bier- und Weinherstellung entstehen. Verfahrenstechnisch wird Diacetyl in der Regel mit Hilfe von nicht gentechnisch veränderten Milchsäurebakterien aus Zitronensäure oder Glukose gewonnen und als Aroma oder Butteraroma deklariert in verschiedenen Produkten eingesetzt; darunter auch in Margarine, Backwaren oder Popcorn sowie als Komponente in Aromamischungen.

Bei der Herstellung von Popcorn sei den zuständigen US-Behörden seit mehr als fünf Jahren bekannt, dass selbst kurzfristige Diacetyleinwirkungen die Lungenerkrankung „Bronchiolitis obliterans“ verursachen können – eine fortschreitende Erkrankung, die unheilbar ist und tödlich verläuft. Papiermasken, die als Schutzmittel verwendet werden, helfen nicht gegen die Folgen des Einatmens von Diacetyl. Die Internationale Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café- und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften (IUL) fordert deshalb staatliche Gesundheitsbehörden weltweit auf, dringende Maßnahmen zu treffen, um die Verwendung des chemischen Aromastoffs Diacetyl zu überwachen.

Laut Internetlexikon „wikipedia“ wurde im Juli 2004 vor einem US-Gericht in Iowa eine Klage gegen die Symrise Inc. und eine Reihe anderer Butteraromahersteller erhoben. Wie der Spiegel berichtete, mussten die Hersteller des künstlichen Butteraromas bisher mehr als hundert Millionen Dollar an kranke Mitarbeiter zahlen. Offiziell wird der Tod eines Menschen auf die Krankheit zurückgeführt. Ein weiterer Fall ist aufgetreten, als bei einem Mann diese Krankheit diagnostiziert wurde, welcher regelmäßig und in großer Menge Mikrowellenpopcorn zu sich genommen hat, und es vermutet wird, dass er die giftigen Dämpfe eingeatmet hat.

Die jüngsten Untersuchungen in den USA beschäftigten sich vordergründig mit den Auswirkungen von Diacetyl auf Arbeitnehmern in der Mikrowellenpopcorn-Herstellung. Diese Substanz wird aber auch in großem Umfang bei Tiefkühlkost und Snackfood, Süßwaren, Backwaren, Milcherzeugnisse, Backmischungen und anderen Lebensmitteln verwendet. Diacetyl wird nur selten als Bestandteil von Lebensmitteln ausgewiesen, sondern zusammen mit anderen chemischen Stoffen unter der allgemeinen Bezeichnung „künstliche Aromastoffe“ angeführt.


Artikel vom 28.02.2008
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