Ernährungs- & Warenkunde

Hilfreich oder Humbug?

Vom Nutzen probiotischer Lebensmittel


Kiel (ppl ). Seit rund 20 Jahren gibt es in Deutschland probiotische Lebensmittel zu kaufen. Viele Menschen schreiben ihnen eine gesundheitsfördernde Wirkung zu. Doch ist das nur eine Masche der Lebensmittelindustrie, um überteuerte Lebensmittel verkaufen zu können oder gibt es diese Wirkung wirklich?

Schon die Bibel spricht von einem positiven Einfluss auf die Gesundheit. In Genesis 18,8 wird das hohe Alter von Abraham auf seinen Verzehr von sauer gegorener Milch zurückgeführt. Aber heutzutage geht es auch sachlicher: Wissenschaftler haben probiotische Lebensmittel auf eine mögliche positive Wirkung untersucht. Das Ergebnis: Sie sind tatsächlich gesund für den Menschen, aber nicht grundsätzlich, sondern nur in bestimmten Bereichen.

Positiv für die Darmflora

Fest steht mittlerweile eindeutig, dass probiotische Lebensmittel etwa die Zusammensetzung der Darmflora positiv beeinflussen oder die Verdauung bei Verstopfung fördern. Sie unterdrücken auch krankheitserregende Keime im Darm und verringern die Beschwerden von Milchzucker-Unverträglichkeit. Außerdem stärken sie die Immunabwehr und senken den Krankenstand insbesondere bei Arbeitern.

Jetzt belegen noch drei weitere, aktuelle Studien die Wirksamkeit der Probiotika. Die Untersuchungen wurden von der Bundestanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in Kiel durchgeführt. In zwei dieser Studien erhielten Erwachsene, die mit dem Bakterium „Helicobacter pylori“ (Entstehung von Magengeschwüren) infiziert waren, zusätzlich zu einem Antibiotikum noch probiotische Bakterien. Eine Kontrollgruppe erhielt nur durch Säuerung dickgelegte Milch ohne Probiotika.

Die probiotischen Bakterien reduzierten die Durchfallhäufigkeit während der Antibiotikabehandlung signifikant von 22 auf 5,4 Prozent. In der Gruppe ohne diese Bakterien ging die Zahl von 27 auf nur 17 Prozent zurück. Die „probiotische Gruppe“ klagte während und nach der Behandlung auch weniger über Magenschmerzen und andere Symptome wie zum Beispiel Blähungen, Winde Aufstoßen, Übelkeit oder Sodbrennen.

Hilfe bei Lactoseintoleranz

Bei einer zweiten Studie stellten die Kieler Forscher außerdem fest, dass Menschen mit einer Lactoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) mit probiotischen Bakterien geholfen werden kann. Sie verringern die Symptome der Unverträglichkeit, wie etwa stark riechende Darmwinde, Blähungen, Bauchdrücken, Bauchkrämpfe, Erbrechen oder Übelkeit.

In einer Studie ging es den Wissenschaftlern vom BfEL schließlich noch um die Frage, ob Infektionskrankeiten durch Probiotika gelindert oder vielleicht sogar ganz verhindert werden können. Die Kieler Experten stellten dabei fest, dass das Probiotikum zwar keine Auswirkung auf die Häufigkeit einer Erkältung hatte aber sehr wohl auf deren Dauer. So war eine Erkältung in der „Probiotikum-Gruppe“ fast zwei Tage kürzer, die Stärke der Erkältungsbeschwerden war schwächer und die Zahl der Fiebertage geringer.


Artikel vom 23.08.2007
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