Ernährungs- & Warenkunde

Baldige Zulassung von Bor?

EU will Borax in Nahrungsergänzungsmitteln erlauben


Berlin (p). Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, die einen oder mehrere Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente in konzentrierter Form enthalten und als Tabletten, Kapseln oder Dragees angeboten werden. Sie unterliegen den geltenden Bestimmungen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuchs.

In Deutschland ist die Zugabe des Spurenelements Bor als Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzungsmitteln bislang nicht zulässig. Dies könnte sich jedoch bald ändern, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Pressemeldung mitteilt. Die Rechtsvorschriften in den EU-Mitgliedsstaaten sollen angeglichen werden, weil der Zusatz in anderen europäischen Ländern erlaubt ist. Bor könnte in diesem Fall auch in Deutschland als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln in den Handel gebracht werden. Vor diesem Hintergrund hat das BfR das Gesundheitsrisiko bewertet, das von Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzungsmitteln ausgehen könnte.

Bor wird vom Menschen konstant mit dem Trinkwasser, Mineralwässern sowie mit der Nahrung aufgenommen. Weitere Quellen, über die Verbraucher mit Bor in Kontakt kommen können, sind Produkte wie Arznei- und kosmetische Mittel, Bedarfsgegenstände in Kontakt mit Lebensmitteln, Spielzeug, Waschmittel, Klebstoffe oder Teppiche, die Borverbindungen wegen ihrer antiseptischen, konservierenden, weich machenden oder flammenhemmenden Eigenschaften enthalten. Die von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) abgeleitete tägliche maximale Aufnahmemenge aus allen Quellen, die bei andauernder Zufuhr nicht zu gesundheitlichen Risiken führt (tolerable Upper Intake Level (UL)), beträgt bei einem Erwachsenen 10 mg.

Das BfR hat abgeschätzt, wie viel Bor Verbraucher bei unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten und aus anderen Quellen aufnehmen. Danach würde die Zufuhr von 1 mg Bor am Tag über Nahrungsergänzungsmittel nicht zu einer Überschreitung des UL führen. Aber bereits bei einer höheren Supplementierung kann ein Gesundheitsrisiko nicht mehr ausgeschlossen werden. Das Institut empfiehlt wegen der Unsicherheit angesichts der ungenügenden Datenlage, auf den Einsatz von Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzungsmitteln zu verzichten.

Beim derzeitigen Kenntnisstand sind insbesondere Kinder, Schwangere, Stillende, Frauen in der Postmenopause unter Hormontherapie als besondere Risikogruppen einer zusätzlichen Borzufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel zu sehen.


Artikel vom 27.01.2006
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