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Wirkliche Reformen kaum zu erwarten

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Der Präsident des sächsischen Handwerkstages Joachim Dirschka informierte über den Stand der im Handwerk angestrebten Strukturveränderungen. Fotos: Salden

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Sachsen

OM-Tagung des Saxonia-Landesverbandes analysierte Lage im Bäckerhandwerk / Brot „emotional“ verkaufen

Einen freudigen Auftakt erlebte die turnusmäßige Obermeistertagung des sächsischen Landesinnungsverbandes Saxonia in der sächsischen Bäckerfachschule in Dresden-Helmsdorf: Landesobermeister Michael Wippler gratulierte Bäckermeister Günter Weißbach, Obermeister der Innung Stollberg, herzlich zu seinem 52. Geburtstag.

In seinem Bericht ging Landesobermeister Michael Wippler auf die aktuelle politische Lage in Deutschland ein. Eine Große Koalition sei noch am ehesten dazu geeignet, die dringenden Probleme in der wirtschaftlichen Entwicklung anzupacken. „Wir sind nun einmal in einer Mediendemokratie angekommen und können als Bäcker aus dem Wahlkampf zumindest lernen, dass auch wir noch viel stärker auf dem ‚Medienklavier’ spielen müssen, um die Verbraucher emotional an die Handwerksbetriebe zu binden.“

Bedenklich für die wirtschaftliche Entwicklung aller Bäckereibetriebe sei der permanent steigende Kostendruck vor allem im Energiebereich, der inzwischen nicht mehr nur durch zunehmende Rationalisierung in Backstube und Verkauf aufgefangen werden könne. Natürlich sei die Sorge der Kollegen berechtigt, dass man ein Brot nicht für fünf Euro anbieten kann, selbst wenn das kalkulatorisch gerechtfertigt wäre, denn solch ein hoher Deckungsbeitrag für das Erzeugnis Brot ließe sich am Markt keineswegs realisieren. „Das müssen wir auch nicht“, unterstrich Wippler, „denn die kleinste denkbare Preiserhöhung beträgt für jedes einzelne Produkt ein Cent – und diesen kleinen Schritt, der zu einem deutlich besseren Deckungsbeitrag führt, würde der einzelne Kunde kaum bemerken und wegen Geringfügigkeit schnell akzeptieren.“

Der falsche Weg wäre es jedoch, einen Wettbewerb über den Preis mit den Billig-Bäckern aus Böhmen oder von anderen industriellen Backwarenanbietern anzuzetteln, die jetzt Filialen in Chemnitz und Radeberg eröffnet haben. „Es ist klar, dass die neugierigen Kunden dieses preiswerte Backwerk erst einmal probieren, doch in Dresden haben die ersten derartigen Läden ihre Pforten nach vier Wochen wieder geschlossen“, erläuterte LOM Wippler. „Die Verbraucher, die jedoch dort dauerhaft Backwaren zum Schnäppchenpreis einkaufen wollen, kamen auch vorher nicht zum Einkauf ins Fachgeschäft, sondern waren schon zuvor Kunden von Aldi & Co. Die Böhmen stellen zum Glück nicht Backwaren mit unserem typisch sächsischen Geschmack her, die unsere Kunden über die Jahre und Jahrzehnte schätzen und lieben gelernt haben.“ Aus diesem Grunde empfahl Michael Wippler seinen Kollegen, sich von diesen zeitweiligen Problemen nicht ablenken zu lassen, die vielen Möglichkeiten und Rohstoffe für die Ausprägung eines eigenen Profils zu nutzen. Ähnlich wie in der Mediendemokratie würden da sachliche Argumente und Fakten kaum helfen, sondern es gelte mehr den je, die Kunden über Emotionen an das handwerkliche Geschäft zu binden – mit öffentlichen Brotprüfungen, Tagen der offenen Tür, Backstubenbesichtigungen, Backen für Kinder in der Vorweihnachtszeit und anderem mehr. „Gerade wir im Bäckerhandwerk verfügen doch auf dem Gebiet des Backens über eine jahrzehntelange Erfahrung, die wir besser als bisher in die Waagschale werfen müssen, um unser Handwerk und seine frischen und qualitativ hochwertigen Produkte dem Verbraucher sowohl emotional als auch personalisiert anzubieten.“

In seinem Bericht ging LOM Wippler auch auf andere Themen wie die Ausbildungssituation und die Weiterbildung im Handwerk ein, die Vorstandsmitglied Matthias Brade mit der Auswertung des Landeswettbewerbs 2005 des Bäckernachwuchses noch vertiefte. Er betonte, dass es in diesem Herbst erstmals gelingen werde, einen gemeinsamen Aufgabenerstellungsausschuss für die Gesellenprüfungen mit Vertretern aus allen drei Handwerkskammern zu bilden, um im Freistaat Sachsen endlich einheitliche Bedingungen bei den Abschlussprüfungen zu garantieren.

Rolf Garmhausen vom „MDR-Radio Sachsen“ schätzte die „Bäckerglückswochen“ (die ABZ berichtete) im fünften Jahr des Zusammenwirkens von Verband und Sender als „eine der erfolgreichsten Medienkooperationen in Sachsen überhaupt“ ein und dankte den 20 teilnehmenden Betrieben für ihre tollen Aktionen und für Entgegenkommen. „Es hat sich bewährt, dass wir erstmals vor der Aktion die Bäckermeister im Funkhaus zu Gast hatten und dabei mehr als in den Jahren zuvor über ihre Wünsche und Erwartungen erfahren haben“, betonte Garmhausen. „Zum Erfolg, den wir im nächsten Herbst gerne gemeinsam fortsetzen wollen, haben auch die erstmals über die sächsischen Bäkos gedruckten speziellen Tüten sowie insgesamt mehr als 250.000 Anrufe beim Sender beigetragen, wo die Telekommunikationsanlagen zeitweise wegen Überlastung zusammengebrochen sind – eine bessere Außenwerbung, bei der bei den Verbrauchern auch der Blick für die Probleme ihres Bäckermeisters um die Ecke geschärft wird, kann es gar nicht geben.“

Abschließend ging der stellvertretende Landesobermeister Dietmar Möbius auf die Vorbereitung des Jubiläums des Landesinnungsverbandes „Saxonia“ im Jahre 2007 ein und rief alle Kollegen nochmals auf, historische Dokumente, Fotos und andere Zeitzeugen für die Erarbeitung einer Chronik der 125-jährigen Geschichte des Landesverbandes zur Verfügung zu stellen.

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