ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Wir sind dann mal zur gleichen Zeit weg

Einfach kein Problem, dreifach für die Kunden schon. (Quelle: Archiv/Wolf)+
Einfach kein Problem, dreifach für die Kunden schon. (Quelle: Archiv/Wolf)

Weitere Artikel zu


In Wittenberge machten drei Bäckereien parallel Betriebsferien – mangelnde Absprache ist einer der Gründe

Von Herbert Schwittay

Berlin-Brandenburg Wittenberge „Wir machen Urlaub und sind in 14 Tagen wieder für Sie da.“ Diesen Hinweis sehen Kunden an der Tür ihrer Bäckerei nicht gern, zeigen aber auch ein gewisses Verständnis dafür.

Den Weg zum Discounter müssen sie aber notgedrungen antreten, wenn Mitarbeiter von gleich drei Betrieben gleichzeitig Urlaub machen.

In der Elbestadt Wittenberge war dies während der Sommermonate der Fall. „Ich kann das einfach nicht verstehen“, war der häufigste Satz, der von Kunden vor verschlossenen Türen zu hören war. Aber warum gibt es zwischen den einzelnen Betrieben keine Absprachen für eine Urlaubsregelung?

„Es gibt heute keine

Absprachen mehr“

Nach Meinung von Bäckermeister Marco Götz liegt das Problem in einer nicht funktionierenden Kommunikation der Bäcker untereinander. „Es gibt heute keine Absprachen mehr.“

Bei Marco Götz ist der Urlaub in jedem Jahr fest eingeplant. Vier Wochen insgesamt, aufgeteilt auf drei Termine. Hauptzeit ist der Sommer, „denn es gibt viele Mitarbeiter, die schulpflichtige Kinder haben, wo ein Ferienplan vorgegeben ist“.

Das gilt auch für Bäckermeister Lars Erfert, der nach einer längeren Pause in diesem Jahr erstmals wieder mit Betriebsferien angefangen hat. „Wir haben im Bäckerhandwerk das große Problem, es fehlen uns die Mitarbeiter.“

Durchgehende

Öffnung wäre zu teuer

Um durchgehende Öffnungszeiten über das Jahr zu gewährleisten, muss ein gewisses Potenzial an Mitarbeitern vorgehalten werden. „Bei unserer Personalsituation ist das wirtschaftlich aber nicht realisierbar“, argumentiert Erfert.

Wie bei Erfert und Götz werden auch bei Deichbäcker Olaf Buchholz die Öfen während der Betriebsferien ausgeschaltet. Da seine Produktion unmittelbar im benachbarten Sachsen-Anhalt liegt und ein großes Filialnetz beliefert werden muss, „würde eine teilweise Schließung überhaupt keinen Sinn machen“.

Alle Betriebe haben rechtzeitig per Aushang auf die Schließung hingewiesen. Die Bäckermeister vertrauen ihrer Stammkundschaft, „die die Qualität unserer Produkte zu schätzen weiß und uns die Treue hält“.

„Sicher wird der eine oder andere auf den Discounter ausgewichen sein, aber das wird keine Auswirkungen haben.“ Alle drei Betriebsinhaber wollen aber in Zukunft versuchen, solche Überschneidungen zu vermeiden.

Kurzzeitiges Umsatzplus

in der Nachbarstadt

Dass drei Kollegen in Wittenberge gleichzeitig in Urlaub gegangen sind, kommentiert Bäckermeister Ulf Grünberg im benachbarten Lenzen: „Das hat sich auf unseren Umsatz positiv ausgewirkt.“ Er bedauert, aber dass es unter den Kollegen immer weniger Kontakte gibt.

Weitere Artikel aus Regional vom 09.09.2017:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel