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„Wir passen uns den Teigen an“

Hand in Hand: 2008 hat Stefan Reinmuth (links) den Betrieb von seinem Vater Friedrich übernommen. (Quelle: Treiber)+
Hand in Hand: 2008 hat Stefan Reinmuth (links) den Betrieb von seinem Vater Friedrich übernommen. (Quelle: Treiber)

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Stefan Reinmuth verfolgt kompromisslose Qualitätsstrategie – auch bei neuen Produkten und dem Lieferservice

Von Iris Treiber

Baden & Württemberg Karlsruhe „Bei mir arbeiten keine Knöpflesdrücker“, sagt Stefan Reinmuth (44 Jahre) in Karlsruhe. „Ich brauche Leute, die etwas können.“ Schließlich sei es nicht so einfach, genau den richtigen Zeitpunkt und Zustand zu erkennen, zu dem Teige und verarbeitet, eingeschossen oder ausgebacken werden.

Gutes Personal für

gute Ware gefragt

Es sei schwer, gute Mitarbeiter zu finden: „Bei vielen, die sich schon bei mir vorgestellt haben, habe ich den Willen, hart und schnell zu arbeiten, nicht gesehen.“ Er erkenne es an der Ware, wenn jemand nicht voll konzentriert gewesen sei.

Ja, Bäcker sei ein harter Beruf, bestätigt auch Stefans Vater Friedrich (69). Die beiden arbeiten im Team mit zwölf anderen in der 550 Quadratmeter großen Backstube. Auch Mutter Hildegard (68) ist dabei. Stefans Frau Barbara (44), eine Bankwirtin, macht die Buchführung.

„Ich gehöre zu den Handwerksmeistern, die in ihrem Beruf und nicht in der Bürokratie arbeiten wollen“, sagt Stefan. Körperliche Arbeit mache ihm nichts aus, sie mache ihn glücklich und er liebe seinen Beruf.

Eigentlich, so sagen die Eltern, wollten sie dem Sohn den harten Berufsalltag ersparen. Aber schon vor dem Abitur 1992 war Reimuth klar, dass er in den Familienbetrieb einsteigen würde. 1995 legte er die Gesellenprüfung ab, 1998 die Meisterprüfung, 2001 wurde er Betriebswirt des Handwerks.

Experimentieren

und kalkulieren

Kalkulationen macht er selbst, das sei so was wie Theorie in der Praxis. Und zu kalkulieren gibt es viel. Denn Reimuth hört nicht auf, zu experimentieren. Emmer, , , Gewürze, Kürbis, Vollkorn …? Gerne! Er erweckt stets den Eindruck, als ob er am liebsten mit allem ausprobieren würde, ob es sich nicht köstlich in einem Gebäck macht. „Mein ganzes Leben besteht aus Backen“, sagt er. Zumindest phasenweise verbringe er daher viel Zeit in seinem Betrieb – zum Leidwesen der Familie.

Acht Filialen

und 35 Mitarbeiter

2008 hat Stefan Reinmuth den Betrieb übernommen. Die Eltern ziehen sich seither zurück, „mal mehr, mal weniger“, sind sich Vater und Sohn einig.

35 weitere Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb im Verkauf und Fahrdienst. Es gibt acht Filialen, allerdings, so Stefan, sei der Umsatz in den Filialen zurückgegangen. „Man muss also immer wieder neue Felder erschließen“, sagt Stefan Reimuth. Er beliefert Kantinen und backt Hamburger- und Hot-Dog-Brötchen.

Ein wichtiges Standbein ist der mobile Frühstücksservice geworden. Zum einen unterhält der Betrieb ein Verkaufsfahrzeug, der morgens bei verschiedenen Betrieben auf den Hof fährt. „Im Prinzip kommt der Bäckerladen ins Haus, natürlich mit einer großen Auswahl an belegten Brötchen“, sagt Reimuth. Eine Mitarbeiterin verkauft diese direkt an den Arbeitsplätzen.

Kraichgau-Korn-Mehl

im Einsatz

Sein persönlicher Schwerpunkt bleiben die Bäckereiwaren. Seit einigen Jahren verarbeitet er das regionale Kraichgau-Korn aus der Region. Fertigmischungen? „Nein“, sagt er. „Bei uns passen sich nicht die Teige den Maschinen an, sondern wir uns den Teigen.“

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