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„Wir haben mehr Respekt verdient“

Denis Goldmann (Quelle: Schwittay)+
Denis Goldmann (Quelle: Schwittay)

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Denis Goldmann macht sich intensiv Gedanken über die Zukunft der Branche - die Ergebnisse landen im Mittelfeld

Von Herbert Schwittay

Niedersachsen Lüchow Als einzige in der Stadt noch produzierende Bäckerei hat Denis Goldmann mit seinem Unternehmen trotzdem keine Monopolstellung. „Arbeitskräftemangel, gestiegene Energie- und Rohstoffpreise und das Überangebot an Discountern und Tankstellen, das alles schmälert von Jahr zu Jahr unsere Gewinne.“

Seit er vor 14 Jahren die Bäckerei von seinen Eltern übernommen hat, hat sich nach seiner Meinung die Lage im Handwerk eher verschlechtert als verbessert. Ans Aufgeben denkt er aber nicht, sondern stellt sich täglich die Frage, wie das Bäckerhandwerk in Zukunft aussehen wird.

Reale Kalkulation

für eine solide Basis

„Wenn die aktuelle Konstante anhält, dann kann man schon glücklich sein. Große Sprünge sind aber nicht zu erwarten“, sagt er. Deshalb sieht der Bäckermeister in einer realistisch-guten Kalkulation der Backwaren eine solide Grundlage für ebenso solide Umsätze.

Wie aber alle Kosten in einen realistischen Rahmen packen, damit unterm Strich noch etwas übrig bleibt? Es ist ein übersichtliches Filialnetz, in dem nicht nur Backwaren angeboten werden, sondern auch ein Snackangebot bereitsteht.

Dieser Bereich hat in der Vergangenheit stark zugenommen, „ist aber mit einem Rohstoffeinsatz von bis zu 33 Prozent sehr intensiv.“ Sitzplätze seien auf jeden Fall erforderlich, „damit die Kundenbindung über den Verkauf an der Theke hinaus geht.“

Verschiedene Frühstücksangebote (von 3,50 bis 6,00 Euro) sprechen den morgendlichen Gast an. Wer es nicht alleine mag, dem wird ein umfangreiches „Für Zwei“ (7,80 Euro) serviert. Neben Kleinigkeiten wie Rührei mit Butterbrötchen und Schinken (5 Euro), hausgemachtem Kartoffelsalat mit Bockwurst oder Bulette (4,50 Euro) und zwei Spiegeleiern auf Salamibrötchen mit Tomate und Käse (6 Euro) gibt es im Stammhaus einen Mittagstisch.

Am Ende der

„Nahrungskette“

Mit Lieferungen an Altenheime, Krankenhäuser und Hotels wurden Wiederverkäufer und Lieferanten mit ins Umsatzboot genommen. „Mittlerweile auf etwa 15 Partner ausgebaut, ist eine Vertragsbindung fast nicht durchsetzbar.“

Noch schwieriger ist das bei Preiserhöhungen. „Wenn ein Krankenhaus mit einem Tagessatz von 5,90 Euro kalkuliert, dann bleibt für ein Unternehmen am Ende der Lieferantenkette nicht mehr viel übrig.“

Service im Dienste des

demografischen Wandels

Seit vielen Jahren tourt täglich ein Verkaufswagen über die Straßen der Region. Goldmann: „Auf einem Markt sind wir nicht zu finden. Wir möchten gerade der älteren Bevölkerung auf dem Land unsere frischen Backwaren direkt an die Haustür liefern.“

Verbrauchern müsse klar gemacht werden, „dass in unserem Beruf viel Idealismus steckt, aber es an Wertschätzung und Respekt mangelt.“

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