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Wer das sieht, fährt hinterm Brot-Truck

Damit‘s jeder versteht: Die Rückseite des Brot-Trucks erklärt, was es mit den „Brotpuristen“ auf sich hat. (Quelle: Betrieb)+
Damit‘s jeder versteht: Die Rückseite des Brot-Trucks erklärt, was es mit den „Brotpuristen“ auf sich hat. (Quelle: Betrieb)

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Die Brotpuristen von Sebastian Däuwel aus Speyer haben ein Verkaufsfahrzeug der etwas anderen Art auf die Straße gebracht

Von Arnulf Ramcke

Rheinland-Pfalz Speyer. Rund 32.000 Kilometer haben sich auf dem Tacho addiert. Jährlich. 25 Jahre lang. Macht in Summe 800.000 Kilometer, was einer Reise zum Mond und zurück entspricht. Das alles mit dem Motor, den der Hersteller 1992 in den Transporter eingebaut hat.

Was viel über die Zuverlässigkeit des früheren Fahrzeugs eines Paket-Lieferdienstes und einiges über dessen neuen Besitzer aussagt. Der heißt Sebastian Däuwel, ist Brot-Purist in Speyer und stolzer Besitzer eines Brot-Trucks, zu dem es die Lieferkiste im zweiten Autoleben geschafft hat.

Zur Idee fehlte noch

das passende Fahrzeug

„Die Idee ist drei Jahre alt“, erzählt Däuwel. Gereift aus dem Erleben, dass aus anderen Trucks heraus Burger, Hotdogs, Suppen und Snacks verkauft werden. „Aber eben kein Brot“, sagt der Quereinsteiger, der am 30.April 2016 zusammen mit einem Bäckermeister die „Brotpuristen“ eröffnete.

Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Betriebswirt bereits die Domain www.brot-truck.de gesichert. Die Idee von der mobilen Filiale jenseits bekannter Verkaufsfahrzeuge war da, für die Umsetzung fehlte noch das Fahrzeug.

Höchstgeschwindigkeit

garantiert Entschleunigung

„Das Auto musste mich begeistern. Ich wollte etwas Besonderes“, sagt der 35-Jährige. 15.000 Euro war ihm der Treffer wert, den er mit seinem Truck meint gelandet zu haben.

Hinzu kommen die Kosten für Innenausbau samt Schaukasten für die Brote, Theke mit Brotdurchreiche und Lackierung mit Maschinenlackfarbe in angesagtem Grundierungs-Grau. Ausgeführt von einem Schlosser und einem Schreiner.

Der Brot-Truck mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit stehe für Entschleunigung und Ursprünglichkeit. „Das Auto hat den Charakter wie unsere Brote“, sagt er. Puristisch eben. Wie auch das naturbelassene Holz im Innern. Ob das Fahrgeschäft damit ebenso gut ankommt wie das stationäre, bleibt zu testen. „Wir sind aktuell auf Standortsuche. Einige sind uns bereits angeboten worden.“

Genehmigungsmarathon

für öffentliche Flächen

Parken möchte Däuwel den Truck auf Flächen vor Supermärkten oder anderen Einkaufszentren, auf Weingütern und bei Weinfesten – „überall da, wo Genussmenschen zusammenkommen“. Wochenmärkte seien kein Thema. „Dafür müssten wir die Produktion zeitlich umstellen. Wir wollen aber auch mit dem Brot-Truck nachmittags verkaufen.“ Wie auch im Ladenlokal.

Öffentliche Flächen klammert Däuwel bei der Standortsuche aus. Die dafür erforderlichen Genehmigungen zu erhalten sei deutlich aufwändiger als mit dem Besitzer eines Supermarkts zu sprechen, der über seinen Parkplatz frei verfügen kann.

Dass Bäckerkollegen aus der Vorkasse über Däuwels Absichten wenig amüsiert reagieren dürften, ist dem bewusst. „Da ist die Regelung noch unklar. Ich will aber auf keinen Fall Ärger.“

Was Däuwel will, ist die Ausdehnung seines Konzepts der Reduktion von Angebotsbreite zugunsten handwerklicher Exzellenz samt Produkttransparenz – also dessen, was sich in Speyer längst zu einer Marke etabliert hat, an die zu gelangen Kunden immer noch geduldig in der Schlange vor der Ladentüre stehen. Der Brotkauf wird zur Kulthandlung, das Produkt zur gezielt erworbenen Rarität.

Daran soll sich am Truck nichts ändern – ebenso wenig am Angebot, „wobei ich mir übers genaue Sortiment noch Gedanken machen muss“, so Däuwel. Dazu gehöre auch der Verzicht auf den Verkauf von Snacks wie im Laden auch.

Probierhappen

vor dem Brotkauf

Wobei sich da eine kleine Hintertüre für den hungrigen Kunden öffnet, der nicht nur in trockenes Brot beißen möchte. Däuwel: „Zunächst bieten wir nur kleine Probierhappen an, die zum Beispiel mit Leberwurst bestrichen sind und verkaufen ganz Laibe.“

Er könne sich allerdings eine – da ist es wieder, das Wort – „puristische“ Snackform vorstellen, bei der Brotscheiben einfach mit Frischkäse oder anderen Belägen bestrichen werden. „Wenn, dann ganz reduziert.“

„Weil ich Bock

drauf habe“

Um den Verkaufswagen an zwei bis drei Tagen in der Woche und optional an Wochenenden losschicken zu können, „will ich mich nicht verbiegen“, so Däuwel. Zwar müsse er Brote on top für den mobilen Verkauf backen und auch über eine Aufstockung des Personals von derzeit insgesamt acht Mitarbeitern in Produktion und Verkauf nachdenken – „das mit dem Truck mache ich aber vor allem deshalb, weil ich Bock drauf habe“.

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