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Vom Bundestag zurück in die Backstube

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Jörg von Polheim vor dem neuen Ringrohrofen. (Quelle: Heck)

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Bäckerei von Polheim blickt auf 175 Jahre Backtradition zurück / Engagement in der Kommunalpolitik

Nordrhein-Westfalen „Wir machen Gebäcke, die es kaum noch in einer handwerklichen Bäckerei gibt“, freut sich Jörg von Polheim über den Erfolg seiner Bäckerei. In diesem Jahr gibt es für die Familie von Polheim einen besonderen Grund zur Freude: Zum einen feiert die Bäckerei ihr 175-jähriges Bestehen und zum anderen wurde für die Backstube ein neuer Ringrohrofen angeschafft, der mit Holzpellets beheizt wird.

Polheim backt darin, neben Brot und Brötchen nach alten Rezepturen, Schnitzer Backwaren wie Dinkelbrot mit Pflaume und Walnüssen. Beliebt ist bei der Kundschaft auch das Urkorn-Trio: Mit , und nimmt der Bäcker alte Getreidesorten wieder in sein Backprogramm auf. Die alten Rezepte der Vorfahren, die teils seit 150 Jahren in den Rezeptbüchern stehen, hat Jörg von Polheim an die heutigen Wünsche seiner Kunden angepasst. Er arbeitet zum großen Teil mit Dinkel, Convenience-Produkte kommen wenig zum Einsatz. Menschen, die unter Allergien leiden, erhalten bei ihm glutenfreie Backwaren. Diese gibt es täglich frisch im Hauptgeschäft am Etapler Platz.

Jörg von Polheim, der aus einer Bäckerfamilie stammt, wollte den Beruf des Bäckers zunächst nicht ergreifen. Er beginnt eine Ausbildung zum Bauingenieur. Der wirtschaftlichen Lage ist es zu verdanken, dass er sich als Spätberufener noch für das Handwerk entscheidet. Sein Vater motiviert ihn und bildet ihn aus.

Neben seinem Bäckereibetrieb mit jeweils drei Mitarbeitern in Backstube und Verkauf, ist es die Kommunalpolitik, die dem Meister am Herzen liegt. Seit 1994 ist er im Stadtrat als Fraktionschef tätig, im Jahr 2009 hat der FDP-Politiker seinen größten Erfolg: Jörg von Polheim wird als Nachrücker für den nominiert. Im Jahr 2012 nimmt er den Sitz für die Liberalen in Berlin an. Polheim schafft es dank seiner Familie, den Spagat zwischen Bäckerei und Politik zu meistern. Er bedauert es, dass seine Partei im aktuellen Bundestag nicht vertreten ist. „Ich hatte mich gerade in Berlin warmgelaufen“, sagt er. Er ist bereit, auch für das nächste Parlament zu kandidieren. „Die Vernetzung der liberalen Handwerker sollte bei uns vorangetrieben werden“, findet er. Die Werte der FDP vertritt die Familie seit langem. Im Café von Polheim gründeten die Mitglieder im Jahr 1946 die Ortsgruppe. „Wenn man mit beiden Beinen fest im Leben steht, sollte man sich auch um die Mitmenschen kümmern“, ist Polheim überzeugt.

Sein Engagement geht über die Landesgrenzen hinaus. Die deutsch-französische Verständigung ist dem Bäcker ein Anliegen. Seit einem Schüleraustausch begeistert Polheim das Land. Seinen Backwaren merkt man den frankophilen Einfluss an. Eines bedauert der Bäcker: „Schade, dass ich nicht zwischendurch ein Jahr in Frankreich gearbeitet habe. Das hätte mich gereizt.“

Seine Arbeit im Bundestag hat Polheims Blick auf viele Dinge verändert. Vor allem sei der Horizont breiter geworden und er habe viele interessante Menschen kennen gelernt, die sich mit Politik auseinandersetzen, sagt er. Von seinen zwei Söhnen und zwei Töchtern erwartet er nicht, dass sie den Betrieb übernehmen. Aber vielleicht fühlt sich eines der Kinder noch berufen, die handwerkliche Familientradition fortzusetzen.

Zum Jubiläum gratuliert neben den Handwerkskollegen der Innung und des rheinischen Verbandes auch Bürgermeister Dietmar Persian. Der Kommunalpolitiker lobt vor allem den Einsatz für die Stadt.

Mit einem Tag der offenen Tür feiert die Familie von Polheim das runde Jubiläum in der Backstube und dem Stammhaus. Auch im einzigen Geschäft, das mitten im Ort liegt, gibt es Jubiläumsangebote. Die Kunden biten die Polheims mit Nussschiffchen, Nussecken und Ochsenaugen zum Kaffee. Die Backwaren sind nicht nur bei Stammkunden beliebt, sondern haben sich weit über Hückeswagen hinaus herum gesprochen. Denn im Café von Polheim finden die Kunden Produkte, bei denen werden Kindheitserinnerungen wach.

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