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Neuer Kurs soll Lehrlinge fit machen / Saxonia-Lehrlingswarte gegen „Schüler-Tourismus“
Sachsen Längst haben die geburtenschwachen Jahrgänge Einzug gehalten – in den Backstuben und Verkaufsfilialen der handwerklichen Bäckereien ebenso wie in den beruflichen Schulzentren – oder auch nicht. Denn vielfach bleiben inzwischen Ausbildungsplätze zwischen Vogtland und Lausitz unbesetzt, suchen die Berufsschulzentren händeringend nach Schülern, um zumindest eine Ausbildungsklasse pro Lehrjahr mit Sollstärke bilden zu können. „Anders als in den Vorjahren wird jetzt dabei das Wohnortprinzip rigoros durchgesetzt“, erläuterte Matthias Brade, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen bei der 22. Lehrlingswart-Tagung im Frühjahr. „Das bedeutet, dass die jungen Leute jene Berufsschule besuchen müssen, die für ihren Wohnort zuständig ist, und nicht mehr jene, die dem Ausbildungsbetrieb oder der Ausbildungsfiliale am nächsten liegt.“ Im Klartext: Wohnt ein Lehrling auch nur unweit der sächsischen Landeshauptstadt, darf er nicht das Berufliche Schulzentrum für Ernährung in Dresden besuchen, sondern muss zum Unterricht ins 60 Kilometer entfernte Bautzen fahren. Und bald vielleicht noch weiter bis nach Görlitz, denn Bautzen ist zwar ein sogenannter Basisstandort, jedoch hat die Berufsschule in der Grenzstadt an der Neiße mehr Schüler. Ähnlich sieht es im Bereich Chemnitz aus: Zwar bilden die Chemnitzer Handwerksbetriebe viele Lehrlinge aus, die jedoch im Umland zu Hause sind – gemäß Wohnortprinzip müssen sie jedoch in die Berufsschulen nach Annaberg-Buchholz oder Freiberg. Diesem „Unsinn“ könne man leicht Abhilfe schaffen, wenn der Lehrling beispielsweise bei Oma oder Tante am Ausbildungsort eine Zweitwohnung hätte oder Quartier im Ausbildungsbetrieb nehmen könnte …
„Wir sind gegen diese Art Schülertourismus, die für die jungen Leute längere Wege und ihre Ausbildungsmeister höhere Kosten beispielsweise für die Unterbringung im Internat nach sich zieht“, betonte Brade. „Auch ist es unzumutbar, dass die Lehrlinge während ihrer Lehrzeit die Schule wechseln müssen.“ Eine befriedigende Lösung wurde nicht gefunden.
Deshalb müsse sich das Bäckerhandwerk auf seine eigenen Stärken besinnen und den jungen Leuten die Lehrzeit so attraktiv wie möglich gestalten“, forderte Landesobermeister Roland Ermer. „Dafür gehört für mich auch die Einführung eines ÜLU-Lehrgangs bereits im 1. Lehrjahr nach Absolvierung der Probezeit, um die Lehrlinge zusätzlich für den Bäckerberuf zu motivieren und ihnen soziale Kompetenzen zu vermitteln.“
Nach der Erweiterung der sächsischen Bäckerfachschule bestehen jetzt dafür auch die erforderlichen Voraussetzungen, bestätigte Schulleiter Lutz Krumm. Nach Diskussion dieser Problematik im Landesverband und in den Mitgliedsinnungen sowie einem entsprechenden Beschluss der Obermeistertagung könnten diese zusätzlichen ÜLU-Lehrgänge, die im benachbarten Bundesland Thüringen längst selbstverständlich sind, bereits ab dem Schuljahr 2012/13 starten.
