ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Qualität vom Vortag ist seine Stütze

Enis Ayari stützt sich auf sein Geschäftskonzept - den Verkauf von Backwaren vom Vortag. (Quelle: Hoenig)+
Enis Ayari stützt sich auf sein Geschäftskonzept - den Verkauf von Backwaren vom Vortag. (Quelle: Hoenig)

Weitere Artikel zu


Contra Lebensmittelverschwendung: „Bäcker Günstig“ in Kiel verkauft Vortags-Backwaren zu fairen Preisen

Von Dorothee Hoenig

Schleswig-Holstein Kiel „Gutes günstig kaufen und dabei einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten – wer will das nicht?“, fragte sich Enis Ayari aus Kiel und entwickelte ein Geschäftskonzept. Der 29-jährige Schleswig-Holsteiner mit tunesischen Wurzeln eröffnete 2015 zusammen mit seinem Vater das Geschäft „Bäcker Günstig“ in Kiel-Gaarden.

Vortagsbrot

zu günstigen Preisen

Dort verkauft er Vortags-Backwaren unter dem Motto „Wir l(i)eben Nachhaltigkeit“ zu günstigen Preisen: 20 gemischte Brötchen für 2,50 Euro, zehn Dinkelbrötchen für 1,50 Euro, vier Stücke Kuchen für 2,50 Euro. Die Brotpreise gehen nach Gewicht: Ein 500-Gramm-Brot kostet beispielsweise einen Euro, und 1500 g kosten drei Euro.

„Als mein Vater aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, habe ich das Potenzial gesehen und entschieden, weiterzumachen“, sagt Enis Ayari, der einen Bachelor in „Internationalem Vertriebs- und Ingenieurswesen“ hat. Er stellte eine Verkäuferin ein und legte sich einen Verkaufswagen zu. „Dabei hatte ich noch nicht einmal einen Standort zu diesem Zeitpunkt“, sagt er. Das Risiko hat sich gelohnt.

Drei Tage die Woche steht er mit seinem Wagen an der Fachhochschule. Das läuft gut.

Seine Backwaren bekommt er vom Bäckerei-Filialisten Steiskal und von der Kieler Bäckerei Wäger. Sein Sortiment ist vielfältig. Gekühltes wie Sahnestücke verkauft Ayari jedoch nicht.

snacks wie herzhafte Blätterteig-Teile, Rosinenbrötchen, Schoko-Croissants und belegte Brötchen. Die belegten Brötchen bestelle er täglich bei Steiskal, auch für Kunden, die doch mal frische Brötchen möchten. Dafür zahle er den „normalen“ Preis. Für die Vortagsbackwaren habe er Pauschalpreise vereinbart: „So, dass es sich für mich lohnt.“

Und was macht er mit Backwaren, die übrig bleiben? „Einen Teil verschenken wir. Zudem kommen einmal in der Woche Ehrenamtliche und nehmen Backwaren mit, die sie an Bedürftige verteilen. Der Rest geht in die Futtermittelproduktion.“

„Es sollte in jeder mittleren oder größeren Stadt einen Vortagsbäcker geben“, sagt Enis Ayari. Er könne sich auch vorstellen, noch eine weitere „Bäcker Günstig“-Filiale zu betreiben. „Meine nächste Baustelle ist die Auslastung des Verkaufswagens“, sagt er. Es gelte auch, die Durststrecke in den Semesterferien auszugleichen. Weitere Verkaufsplätze, oder eine Route über Dörfer, die einkaufstechnisch schlecht versorgt sind, oder ein Online-Modell, bei dem Nachbarn gemeinsam bestellen – all das kann er sich vorstellen.

Zukunftsplanung –

in allen Bereichen nachhaltig

Als Ingenieur sieht Enis Ayari seine Zukunft nicht mehr. „Ich bin dabei, mir eine Existenz aufzubauen“, sagt er. Dazu gehört auch das Café, das er mit seiner Verlobten betreibt. In zehn Jahren sieht er sich als glücklichen Familienvater: „Vielleicht immer noch mit dem Verkauf von Vortagsbackwaren, auf jeden Fall selbstständig, vielleicht auch mit anderen Projekten, die die Nachhaltigkeit fördern.“

Kornelia Philippi, Sabine Schmitt und Joachim Paul (von links) leisten mit ihrem Engagement im Vortagsladen einen wichtigen Beitrag, damit weniger Lebensmittel
verschwendet werden.
Auch interessant

„Backwaren schmecken am nächsten Tag noch gut“

Saarland Joachim Paul versetzt es einen Stich, wenn er sieht, was an guten Backwaren weggeworfen wird. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel