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Ostalgie kommt beim Brötchen an

Die „Meestersemmel“ bekam von den Hennig-Kunden Bestnoten für Aussehen, Geschmack und Geruch. (Quelle: privat)+
Die „Meestersemmel“ bekam von den Hennig-Kunden Bestnoten für Aussehen, Geschmack und Geruch. (Quelle: privat)

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Der angehende Brotsommelier Jens Hennig backt den „Geschmack des Osten“ als Doppelbrötchen

Von Martin Blath

Sachsen Zwenkau Jens Hennig hat es schwarz auf weiß: Seine Kunden wollen wieder das gute, alte Ostbrötchen. Um das herauszufinden, hat der Mitinhaber des sächsischen Backhauses Hennig in den vergangenen Wochen rund 8000 Stück davon verschenkt und einen Fragebogen mit in die Tüten gepackt.

Die Wiedergeburt des Produkts verdankt der 56-jährige Bäckermeister seiner momentan laufenden Ausbildung zum Brotsommelier in Weinheim. Seine gerade fertiggestellte Facharbeit trägt den Titel „Das Brötchen meiner Kindheit – so schmeckt der Osten“.

Die Mär vom

typischen Ostbrötchen

Wie die Brötchen in der DDR geschmeckt haben, weiß Jens Hennig aus eigener Erfahrung. Aber was ist davon geblieben – und lässt sich das Doppelbrötchen heute in großem Stil maschinell herstellen? Mit diesen Fragen hat sich der Unternehmer, der im Großraum Leipzig 76 Fachgeschäfte betreibt, seit 16. Mai dieses Jahres intensiv auseinandergesetzt.

„Das eine typische Ostbrötchen gab und gibt es nicht“, räumt Hennig mit einem Mythos auf. „Dagegen sprechen zum Beispiel die regionalen Unterschiede und die Verfahren in den einzelnen Betrieben.“

Verzicht auf Zusatzstoffe,

zwölf Stunden Teigführung

Gleichwohl lassen sich seinen Worten zufolge zwei verbindende Merkmale feststellen: das um etwa 20 Prozent geringere Volumen bei gleichem Gewicht sowie die Beschränkung auf Mehl, Wasser, Salz, Hefe und Malz. Also ohne jegliche Zusatzstoffe und mit einer zwölfstündigen Teigführung.

Drei Monate lang ist Hennig den Dingen auf den Grund gegangen. Zunächst in Form von Besuchen bei Ostbrötchen backenden Kollegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Potsdam. Und schließlich in der heimischen Backstube. Nach etwa 25 Backversuchen mit Dresdner Stollenmehl stand fest, dass es für die maschinelle Produktion geeignet ist.

Dann ging’s ans Marketing. „Den ersten 100 Kunden in jeder Filiale haben wir ein Brötchen und den Fragebogen überreicht“, erzählt Jens Hennig. Der Rücklauf von 15 Prozent übertraf die Erwartungen. Und die Meinung der Teilnehmer war eindeutig: Etwa 85 Prozent der Kunden verliehen der neuen „Meestersemmel“ (Meistersemmel) die Bestnote für Aussehen, Geschmack und Geruch und gaben an, sie künftig zum Preis von 55 Cent kaufen zu wollen.

Großes Medieninteresse

am Ostbrötchen

Überwältigend war zudem das mediale Echo auf diese Aktion. So konnten sich die Hennigs über große Artikel in der „Leipziger Volkszeitung“ und in der „Dresdner Morgenpost“ sowie über einen Beitrag der im Osten äußert beliebten Radiostation „MDR Jump“ zur besten Sendezeit freuen. Und die Kunden freuen sich, dass sie nun wieder das Brötchen ihrer Kindheit kaufen können.

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