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Nur „Mehr Netto“ motiviert Unternehmer

Das Bäckerhandwerk repräsentierten Kammerpräsident Peter Becker (v.l.), Ehrenobermeister Hans-Joachim Erdmann und MeisterprüfungsausschussvorsitzenderOtto Jandl.  (Quelle: Fischer)+
Das Bäckerhandwerk repräsentierten Kammerpräsident Peter Becker (v.l.), Ehrenobermeister Hans-Joachim Erdmann und Meisterprüfungsausschussvorsitzender
Otto Jandl. (Quelle: Fischer)

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Handwerkskammer Hamburg: Präsident Becker fordert sinkende Lohnnebenkosten

Hamburg (af). „Es geht nicht nur darum, Systeme zu verändern, sondern auch uns.“ Mit diesem Appell griff Peter Becker, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, auf der traditionellen Jahresschlussversammlung die zahlreiche Reformdebatten des zu Ende gehenden Jahres auf. Neben den Krisen auf dem Arbeitsmarkt, in Bildungs- und Sozialsystemen leide Deutschland vor allem unter einen „mentalen Krise“: „Ich finde es katastrophal, wie sehr wir am Boden liegen. Wo ist der Mut, das Vertrauen in uns?“ fragte Becker vor 300 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Deutschland spiele immer noch in der Champions League, sei aber vom Abstieg bedroht, weil andere Volkswirtschaften mehr Ehrgeiz zum Wachsen zeigten. Die Zeiten, in denen jeder zweite Nobelpreisträger aus Deutschland kam, seien vorbei. Stattdessen würde mittlerweile mehr Hochtechnologie importiert als exportiert. Und ausgerechnet in solchen Zeiten würde die Politik Gesetze erlassen, die zum Abbau von Qualifikationen beitrügen: Die neue Handwerksordnung verzichte bei 54 Berufen auf jedwede Vorbildung! Dies habe zwar zu einem leichten Anstieg im Betriebsbestand des Hamburger Handwerks geführt, wobei die meisten Unternehmensgründungen aber von Menschen erfolgten, die weder über eine handwerkliche Qualifikation noch über eine kaufmännische Grundbildung verfügten. Sie böten Leistungen oft unter dem notwendigen Preis an und gefährdeten damit nicht nur Wettbewerber, sondern auch ihre eigene Existenz, warnte Becker. Außerdem ginge er davon aus, dass bei einem Großteil der neu eingetragenen Betriebe bisherige Schwarzarbeit legalisiert wurde. Becker: „Das Problem der Schattenwirtschaft wird durch solches Stückwerk nicht beseitigt. Nur sinkende Lohnnebenkosten werden hier nachhaltig wirken. Nur „Mehr Netto“ motiviert!“

Bezogen auf Hamburg, würdigte Becker die klaren politischen Verhältnisse in der Hansestadt seit der letzten Bürgerschaftswahl. Projekte wie die Verwaltungsreform und die Haushaltskonsolidierung könnten jetzt zügig umgesetzt werden. Bei der Privatisierung staatlicher Aufgaben mahnte er indessen zur Vorsicht. So sei der Verkauf der Hamburgischen Electricitätswerke (HEW) ein Fehler gewesen. Vattenfall handle so, wie es die Aktionäre erwarteten, was unter anderem zu Tarifänderungen und bei einigen gewerblichen Abnehmern zu Kostensteigerungen bis zu 30 Prozent geführt habe.

Gerade selbständige Handwerker seien seit Jahrhunderten ein gutes Beispiel für Verantwortungsbewusstsein. Besondere Verantwortung hätten Hamburgs Handwerker bei der Nachwuchsförderung gezeigt: Die Kammer registrierte in 2004 3,7 Prozent mehr Lehrverträge als im Vorjahr.

In seinem Ausblick auf 2005 wies er auf zwei wesentliche Vorhaben hin: Zum einen arbeite die Handwerkskammer im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung zur Zeit gemeinsam mit der Wirtschaftsbehörde an einem Beratungsprogramm für Betriebe, die sich im Ausland engagieren wollen. Zum zweiten werde im Sommer der Grundstein gelegt für das neue Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg, das bis 2007 fertig gestellt sein soll.

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