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Mit Verkaufswagen in der Spur geblieben

Mario (links) und Hans-Joachim Rotzoll sowie die Fachverkäuferinnen Marion Stredow (links) und Anika Peters mit einem Partybrot.  (Quelle: Schwittay)+Zur Fotostrecke
Mario (links) und Hans-Joachim Rotzoll sowie die Fachverkäuferinnen Marion Stredow (links) und Anika Peters mit einem Partybrot. (Quelle: Schwittay)

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Mobiler Verkauf erzielt 90 Prozent des Umsatzes / Mitarbeiterinnen legen Dienstplan selbst fest / Mindestlohn wird Arbeitsplätze kosten

Mecklenburg-Vorpommern CARPIN (tay). Vor 14 Jahren musste Bäckermeister Hans-Joachim Rotzoll umdenken. „Wenn der Kunde nicht zu uns kommt, dann müssen wir eben zu ihm kommen.“ Das war kurz nach der Wende, als vielerorts Ratlosigkeit einsetzte und neue Wege des Verkaufs gefunden werden mussten.

Und so startete Rotzoll 1990 mit einem . Ehe ein durchdachtes Konzept für Kontinuität bei den Einnahmen ausgearbeitet war, fuhr man anfangs ziemlich konzeptlos durch die Dörfer. Ein Jahr später gab es bereits das zweite Fahrzeug und bis 2008 wurde der Fuhrpark auf insgesamt zehn Wagen aufgestockt.

Erst als sich immer mehr Kollegen die Plätze streitig machten, zog Hans-Joachim Rotzoll die Handbremse und speckte ab. Heute verlassen jeden Morgen noch fünf Verkaufswagen den Produktionsstandort. Das aber nicht nur die Woche über, sondern auch am Samstag und Sonntag. Eine Sondergenehmigung macht es möglich. Und gerade das Wochenende lässt die Kasse klingeln. Auch die Bäckerei hat an den Wochenenden geöfffnet.

Backwaren und Lebensmittel

Logistisch mussten am Produktionsstandort über die Jahre hinweg immer wieder Veränderungen vorgenommen werden. „Wir haben die Anfangszeiten in der Bäckerei nach vorne verlegt, die Backstube erheblich erweitert und auch den Maschinenpark den Gegebenheiten angepasst.“ Dem hat es damals wie heute sehr gut getan. Die Verkaufswagen fahren durchschnittlich 90 Prozent vom Gesamtumsatz ein. Der aktuelle Fuhrpark bringt es auf gut 1000 Kilometer am Tag und fährt dabei auch länderübergreifend in die Nachbarschaft. Hochgerechnet stehen da jeden Monat gut und gern 30.000 Kilometer auf den Tachoscheiben.

Bereits im Jahr 2001 entschloss sich Rotzoll zu einem erweiterten Sortiment. „Der Hauptanteil liegt damals wie auch heute bei den Backwaren. Wir haben aber zusätzlich auch ein Sortiment an Lebensmittel mit in die Wagen gepackt.“

Zwei Verkäuferinnen teilen sich einen Wagen. Sie legen ihren Dienstplan in Eigenregie fest und kommen durch geschickte Zeitgestaltung auf eine Fünf-Tage-Arbeitswoche.

Anfang des Jahres hat sich Vater Hans-Joachim Rotzoll aus dem Geschäft zurückgezogen und die Führung der Bäckerei an seinen Sohn Mario übergeben, der das Backhandwerk bei den Eltern erlernt hat. An der Struktur des Unternehmens hat sich nichts geändert. Als ideale Verbindung zur Bäckerei hat sich ein Landhotel entwickelt, das vom Vater 2007 direkt neben der Bäckerei gebaut wurde.

Den Spagat zwischen handwerklicher Qualität und angemessener Preispolitik macht Mario Rotzoll jeden Tag. Durchschnittlich 18 Sorten Brötchen und 16 Sorten Brot müssen beim Preis bis hinter das Komma durchkalkuliert werden. Mit 25 Cent für das „Normale“ und maximal 60 Cent für ein Käsebrötchen ist an eine Konkurrenz mit den Discountern nicht zu denken. „Da ziehen wir eindeutig den Kürzeren.“ Auch beim Brot muss dem Kundenwunsch nach einem abwechslungsreichen Angebot immer wieder Rechnung getragen werden. Traditionell bleibt das Mischbrot der meistgefragte Artikel. Wöchentlich wechselt das Kuchensortiment. Unter den 45 Angeboten sind natürlich Standards wie Spritzkuchen, Pfannkuchen oder Streuselschnecke immer in der Ladentheke zu finden. Drei Sorten Hefekuchen richten sich nach der saisonalen Verfügbarkeit der verschiedenen Früchte. Auf das täglich vorhandene Tortenstück braucht der Kunde nicht zu verzichten. „Besondere Torten produzieren unsere Konditoren aber nur auf Vorbestellung.“ Mit einem Angebot „Kuchen und Kaffee satt“ haben sich die Rotzolls allerdings keinen Gefallen getan. Für 4,50 Euro pro Person konnte aus der gesamten Kaffeebreite und auch aus allen vorhanden Kuchensorten gewählt werden.

„Unter normalen Umständen hätte das sicherlich funktioniert. Aber schon bald zeigte sich, das die Kunden durch Einpacken des Kuchens ihre Daheimgebliebene mit versorgten.“

Mehr Umsatz erwirtschaften

16 Festangestellte plus acht Hilfskräfte und zehn Verkaufsfahrer haben in der Bäckerei einen Arbeitsplatz sowie eine Auszubildende. Über den Mindestlohn wollen Vater und Sohn gar nicht nachdenken. „Das wird hart.“ Arbeitsplätze wird er sicherlich kosten, „denn bei unserem Mitarbeiterstamm sind das gut 15.000 Euro Mehrkosten im Monat. Und diese Summe muss bei einem derzeitigen Jahresumsatz von etwa 2,2 Mio. Euro erst einmal zusätzlich erwirtschaftet werden.“ Die Backstube würde eine Produktionssteigerung konzeptionell durchaus hergeben. „Aber wo soll die Kundschaft herkommen? Und allein über die Preisschiene ist das nicht zu stemmen.“


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