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Mit Verkaufswagen auf der Überholspur

Jana Hilz in ihrer fahrenden Filiale mit gutem Platzangebot, Thekenkühlung und 12-Volt-Technik (oben). Die Klappe auf der rechten Fahrzeugseite hat die volle Verkaufsraumlänge, was der Präsentation dient – unter anderem der Brötchen (l. u.). Es gibt auch  (Quelle: Mewes)+
Jana Hilz in ihrer fahrenden Filiale mit gutem Platzangebot, Thekenkühlung und 12-Volt-Technik (oben). Die Klappe auf der rechten Fahrzeugseite hat die volle Verkaufsraumlänge, was der Präsentation dient – unter anderem der Brötchen (l. u.). Es gibt auch (Quelle: Mewes)

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Mit dem rollenden Verkaufsgeschäft hat die Dorfbäckerei Hilz auf demografische und geografische Besonderheiten der Rhön reagiert

Von Petra Mewes

Thüringen Dermbach-Unteralba Seit 1929, heute in der dritten Generation, existiert die Bäckerei Hilz im thüringischen Teil der Rhön. Bäckermeister André (48) und seine Frau Jana (47) Hilz gehen engagiert ans Werk.

Gemeinsam mit Vater Hermann (76) und Mutter Hella (75) erkannten sie früh genug, dass sie den Verkauf am abseits gelegenen der Bäckerei neu organisieren, also näher zum Kunden fahren müssen.

Einstieg ins Fahrgeschäft

nach der Wiedervereinigung

„Nachdem 1989 die Grenze zwischen Thüringen und Hessen geöffnet wurde, stieg bei uns die Nachfrage. Wir haben sofort darauf reagiert, ein erstes Verkaufsfahrzeug angeschafft und damit gute Erfahrungen gemacht,“ erinnert sich Hermann Hilz.

Den ersten hatte 1989 Hilz’ Tochter Susanne Friese (55) übernommen. Auch Jana Hilz bekam „einen hingestellt. Die Touren haben wir uns nach und nach ‚zusammengefahren‘. Jeder hat eine andere. Die Standplätze sind gebührenfrei, nur auf festen Märkten fallen welche an.“

Mehr als die Hälfte vom

Umsatz wird eingefahren

Inzwischen reichen Hilz‘ und ihre Mitarbeiter Brot und Brötchen, Plätzchen, Stollen und Kuchen nicht nur im Laden von der Backstube, sondern auch von einer Filiale sowie von drei aus über die Theken. Die eigenen, silbermetallic glänzenden Sprinter mit dem Schriftzug Bäckerei Hilz an den Längsseiten sind tragende Säulen des Handwerksbetriebes. Sie fahren mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ein.

Vor dem Kauf hat die Familie den Markt für Fahrzeuge genau geprüft. Letztendlich fiel die Entscheidung zugunsten von 311er (3,2 t) Mercedes Sprintern mit 3-Blech-Thekenkühlung und 12-Volt-Technik, die sie über die BSK Fahrzeug bezogen haben, einem Händler im Kompetenz-Zentrum von Mercedes-Benz.

Grundausstattung für

den Tourenverkauf

Das Fahrzeug ist bereits in der Grundausstattung als Bäckereiverkaufswagen für den Tourenverkauf konzipiert. Besonders nützlich ist zum Beispiel die Kühltheke, denn dort werden nicht nur Kuchen und Cremeschnitten optimal temperiert, sondern auch Wurst, Butter, Käse, Milch und Eier, die Hilz‘ von regionalen Herstellern beziehen.

Die Klappe auf der rechten Fahrzeugseite hat die volle Verkaufsraumlänge. Dadurch gibt sie den Blick auf eine große, praktisch gestaltete Präsentationsfläche frei.

Acht statt 40 Quadratmeter

Verkaufsfläche

Inklusive der durchdachten Beleuchtung sind das wichtige Bausteine der Ausstattung, denn „je schöner man seine Ware präsentieren kann, desto leichter lässt sie sich trotz der begrenzten Fläche verkaufen“, weiß Jana Hilz aus Erfahrung.

Statt 40 Quadratmeter Fläche wie im Laden sind es hier nur acht: Da muss jeder Zentimeter nutzbar und auch der Gang zwischen Verkaufstheke und den Regalen gut zugänglich sein. Als Sonderwunsch wurde ein zusätzliches Brotregal integriert, da Brot auf den Dörfern der Hauptumsatzbringer ist.

Durch die festen Routen gewannen Hilz‘ schnell neue Stammkunden. In den Dörfern ringsum, die in diesem Teil der Rhön oftmals abgelegen und durch Wälder wie Berge voneinander getrennt sind, schlossen in den vergangenen Jahren immer mehr Geschäfte für die Versorgung mit Lebensmitteln.

Markttage regionaler Anbieter finden kaum statt, da die Orte zu klein sind. Dementsprechend bestücken Hilz‘ Fahrer die Verkaufswagen ganz speziell, um den oft betagten Kunden mit eingeschränkter Mobilität ein rundes Sortiment zu bieten. „In manchen Orten müssen wir alle 800 Meter anhalten, weil die Senioren keine weiten Wege zurücklegen können.“

Ein zusätzliches Argument, dass die Wagen flexibel und stets schnell verkaufsbereit sein müssen. Eine Arbeitskraft pro Sprinter reicht aus – die Fahrer sind gleichzeitig Verkäufer, Kassierer und Vertrauensperson.

Jana Hilz sieht die Lage trotz der hohen Anerkennung durch die Kunden realistisch: „Wir müssen uns jeden Tag neu behaupten.“

Dirk (von links), Heinrich und Björn Baum fahren mit den Verkaufswagen bis nach Sachsen-Anhalt.
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