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Mit Dinkel auf der Erfolgsspur

Backstubenteam mit hohem Qualitätsanspruch: Volker Kleinle (M.) mit den Azubis Lucas Heiter (li.), Ferhat Öztürk.  (Quelle: Wolf)+Zur Fotostrecke
Backstubenteam mit hohem Qualitätsanspruch: Volker Kleinle (M.) mit den Azubis Lucas Heiter (li.), Ferhat Öztürk. (Quelle: Wolf)

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Volker Kleinle hat seine Nische gefunden und entwickelt den Betrieb als regional verwurzelte Spezialbäckerei weiter

Baden & Württemberg „Die Klage über die Schärfe des Wettbewerbs ist in Wirklichkeit nur die Klage über den Mangel an Einfällen.“ Mit diesem Zitat von Walter Rathenau vermittelt Volker Kleinle, dass er ein Bäckermeister ist, der Herausforderungen annimmt und Krisen als Chancen sieht. 1996 hat er eine kleine Bäckerei in Ludwigsburg-Poppenweiler übernommen – mit Anlaufschwierigkeiten und gesundheitlichen Problemen. Neurodermitis, wohl auch stressbedingt. Der ärztliche Rat: Leben und Ernährung radikal ändern. bringt die Wende. Etwa drei Jahre hat es gedauert. Aber seit 2001 ist Kleinles Betrieb komplett auf Dinkel umgestellt. Ziel der Konzentration auf das Nischenprodukt: Stress reduzieren, Betrieb profilieren, Gesundheit sanieren. Ein erfolgreiches Konzept: „Ich habe seit einigen Jahren regelmäßig zweistellige Zuwächse und meine Neurodermitis blüht nur noch sporadisch auf“, betont Volker Kleinle.

Dabei profitiert er mit seinen Dinkelprodukten auch von den ernährungsphysiologisch positiven Eigenschaften und vom gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Kunden. „Dinkel ist ein natürliches und gesundes Produkt“, so Kleinle. Der Spelz schütze das Korn vor schädigenden Umwelteinflüssen und auch künstliche Düngemittel prallen an der alten, wiederbelebten Getreideart ab. Außerdem vertragen manche Konsumenten mit Glutenunverträglichkeit Dinkel deutlich besser als Weizen. Die Kunden wissen die Spezialisierung der Bäckerei Kleinle zu schätzen. Das Einzugsgebiet erstreckt sich weit über die Gemeindegrenzen hinaus und samstags stehen sie regelmäßig Schlange bis auf die Hauptstraße hinaus. Damit hat Kleinle ein weiteres erklärtes Ziel erreicht. „Der Kunde muss zum Marktplatz kommen und nicht der Marktplatz zum Kunden.“ Somit erklärt sich auch die Maßgabe: „Keine Filialisierung, keine Lieferung.“ Auch in Sachen Sortiment heißt das Motto klein, aber fein. „Wir haben täglich nur 68 verschiedene Produkte im Programm.“ Und wie meistert Kleinle die hohen Rohstoffpreise bei Dinkel? „Wir haben langfristige Verträge abgeschlossen.“

Brote und Brötchen haben 50 Prozent Umsatzanteil, Feinbackwaren 25 Prozent, Snacks und Kaffee 25 Prozent – Tendenz steigend. Dass 100 von den täglich 120 Tassen bzw. Bechern Kaffee den Betrieb verlassen, zeigt, wie gut auch das To-go-Geschäft läuft. Bei den Snacks sind es vor allem die belegten Brote mit wahlweise Putenfleisch, Putensalami oder Käse für jeweils drei Euro die Renner. Selbst mit Knäcke- und Toastbroten (2,50 Euro/200g bzw. 2,40/500g), eigentlich eine Domäne der Industrie, macht Kleinle ein gutes Geschäft. Einer der Klassiker ist der „Ur-Schwab“, ein 750-g-Bauernbrot mit Dinkelmehl, Roggensauerteig, Bio-Hefe und Meersalz (2,70 Euro).

Stark nachgefragt ist auch das Dinkel „Rund&Gut“ (500g/2,50 Euro) aus Dinkelvollkornschrot, Dinkelflocken und Sonnenblumenkernen. Ein Produkt übrigens, mit dem es Kleinle in die Bildzeitung geschafft hat, denn ursprünglich hieß es „Dinkel-Sonne“ und war somit ein gefundenes Fressen für die Markenschützer der Hofpfisterei. 1200 Euro musst Kleinle zahlen. Aber der Bild-Bericht über den absurden Markenstreit hat Kleinles Bekanntheitsgrad weiter erhöht.

Bekannt ist Volker Kleinle auch als engagierter Ausbilder, der sogenannten schwierigen Jugendlichen eine Chance gibt. „Schließlich habe ich auch meine Chance bekommen“, so die Begründung des 44-jährigen Familienvaters, der es geschafft hat, seinen beiden Kindern die Branche schmackhaft zu machen.

In der Backstube arbeiten mit ihm ein weiterer Meister und zwei Lehrlinge. Im Verkauf sind eine Vollzeitkraft, eine Auszubildende und fünf teils langjährige Teilzeitkräfte. Weiterer Erfolgsfaktor: Kleinle großen Wert auf ein gutes Arbeitsklima, fairen Umgang und anständige Bezahlung. „Bei mir geht keine Verkäuferin unter 10 Euro Stundenlohn heim.“

Michael und Ehefrau Gabi Fricke mit ihren Baguettes.
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