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Mit 60 fängt das Bäckerleben erst an

Bäckergeselle und Redakteur: 
Dirk Buschmann vor seinem
 Backofen. (Quelle: H. Kuhnert)+
Bäckergeselle und Redakteur: Dirk Buschmann vor seinem Backofen. (Quelle: H. Kuhnert)

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Redakteur Dirk Buschmann hat im fortgeschrittenen Alter den Gesellenbrief fürs Bäckerhandwerk erworben

Von Hannes Kuhnert

Baden & Württemberg Alpirsbach Dirk Buschmann erinnert sich gern an die theoretische Prüfung vor der Handwerkskammer. An die 25 angehende Gesellen machten respektvoll Platz, als er den langen Flur zum Prüfungsraum betrat und standen mehr oder weniger freiwillig Spalier. „Sie dachten wohl, ich sei einer der Prüfer“, sagt Buschmann schmunzelnd. Aber die Kandidaten irrten. Dirk Buschmann wollte selbst geprüft werden.

Er ist 60 Jahre alt und damit der älteste Gesellenprüfling in Baden-Württemberg, wenn nicht der Republik. Er bestand seine Prüfung mit der Gesamtnote 2,6. „Ich war ein Exot im Lehrgang“, sagt der Bäcker.

„Ich wollte hinter

die Dinge schauen“

Buschmann ist technischer Redakteur, schreibt Betriebsanleitungen und technische Dokumentationen. Er wird bis zu seinem Ruhestand in diesem Beruf weiter arbeiten.

Die Gesellenprüfung hat er abgelegt, um mehr über das Bäckerhandwerk zu lernen: „Ich wollte hinter die Dinge schauen“. Trotzdem werde er Backen immer nur als Hobby betreiben.

Hobbybäcker war er schon immer. Bereits als kleiner Junge hatte er seiner Mutter beim Kochen und Backen geholfen. Später backte er zu Hause für die Familie und auch mal für Freunde – Buschmann ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Außerdem lebte er seine Vorliebe fürs Backen im Gemeinde-Backhäusle mit seinen Sangesbrüdern vom Männergesangverein Rötenbach aus.

Später, inzwischen Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Alpirsbach, knetete er Teig und backte Brot mit den Backhausfreunden in Alpirsbach und Loßburg. Dabei wuchsen sein Interesse und seine Neugierde am Bäckerhandwerk.

Er will mit seiner späten Backlehre ein Zeichen setzen, dass es fürs Lernen nie zu spät ist, will jenen Menschen Hoffnung geben, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Wesentliche Förderung fand er in Helmut Correus, Bäckermeister und Fachlehrer an der Heinrich-Schickhardt-Schule in Freudenstadt.

Von ihm lernte Buschmann in Theorie und Praxis die wichtigsten Grundlagen für das Handwerk. Correus öffnete ihm auch die Wege zur Prüfung vor der Handwerkskammer in Reutlingen, auf die er sich ein Jahr lang konzentriert vorbereitete.

Mit Fasching

Punkte gesammelt

Und für die er eine Dokumentation zum Thema Fasching erarbeitete, die in Genauigkeit und Detailtreue ein Musterbeispiel ist. „Damit habe ich viele Punkte gesammelt“, sagt Buschmann mit einem Lächeln.

Seine Liebe zum Handwerk half ihm auch, als er 1999 aus seinem Beruf ausstieg und das Café Reimold in Alpirsbach kaufte.

Vorbesitzer Klaus Reimold, Bäcker- und Konditormeister, lehrte Buschmann, Torten und einfaches Gebäck für seine Café-Gäste herzustellen, nicht jedoch Brot oder Brötchen.

„Daran habe ich mich damals noch nicht herangetraut“. Fast fünf Jahre lang führte er das Café „Spinnrad“, bis er wieder in seinen Beruf zurückwechselte.

Das ehemalige Café und die Räume darüber dienen ihm und seiner Familie inzwischen als Wohnung. Die alte Backstube hat er blitzblank auf Vordermann gebracht, den Backofen erneuert. Dort trainierte er auch für die Prüfung.

Die erfolgreichen Nachwuchskräfte mit Obermeister Hermann Lüttel (links), Petra Niewiera (vorne 3. v. rechts), und Innungsbeste Sarah Rother (rechts).
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