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Lemkes behaupten sich in strukturschwachem Gebiet

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Bäckerei in kleinem Ort punktet mit kreativen Produkten / Verkaufsfahrzeuge tragen zum Umsatz bei / Freitag und Samstag sind umsatzstark

Mecklenburg-Vorpommern Suckow (tay). Die Tochter hat eine Idee; der Vater setzt sie um und kurbelt so den seines Betriebs an. Die Bäckerei von Ulrich Lemke in Suckow punktet unter anderem mit neuen Kreationen. Die Bevölkerungsstruktur allerdings bereitet Sorge.

Dass Abwechslung im Sortiment sich auszahlt, zeigt folgendes Beispiel: Janina Lemke, 15 Jahre alt, entwickelte in kleineren Experimenten ein . Es besteht in erster Linie aus Kleie. Dazu kommen viel Quark und eine große Anzahl Eier. Der Teig wird löffelweise in eine Pollerform eingefüllt und zu einem 450-Gramm-Brot ausgebacken. Für 2,60 Euro geht es über die Ladentheke. „Wir haben das Brot nicht jeden Tag im Sortiment, aber die Menschen mögen diesen Geschmack. Zudem hat das Brot eine weiche Konsistenz“, sagt Ulrich Lemke.

Kein zweiter Ruhetag

Der 50-Jährige führt den Betrieb in der vierten Generation. Der Bevölkerungsrückgang in der Gegend und das veränderte Kaufverhalten machen dem Betrieb zu schaffen. Die jüngere Generation arbeitet auswärts und kommt nur am Wochenende nach Hause. Ulrich Lemke zufolge ist das für die Bäckerei nicht unbedingt negativ. Freitags und samstags macht er etwa die Hälfte seines Gesamtumsatzes. Die beiden Tage sind rentabel. Der Nachteil: „Damit subventioniere ich aber auch die restlichen Tage in der Woche von Dienstag bis Donnerstag“, räumt der Bäckermeister ein. Einen zusätzlichen Ruhetag zum Montag kommt für ihn jedoch nicht in Frage. Die Überlegungen gehen eher dahin, das Geschäft die Woche über nur bis 13 Uhr zu öffnen. Auch mit Blick auf den Mindestlohn wäre diese Variante denkbar.

Mit Qualität und handwerklichem Können punktet die Bäckerei seit Jahrzehnten in dem kleinen Ort. Der Teig wird wie eh und je von Hand aufgearbeitet. „Egal, was die Zukunft einmal bringen wird, ich werde keinesfalls auf Teiglinge umsteigen“, versichert der Bäckermeister. Um Kosten zu sparen, käme eventuell nur eine Straffung des Sortiments in Frage. Momentan ist das allerdings kein Thema. Bis zu 18 Sorten Brötchen gibt es über die Woche hinweg.

Preise erhöht

Die Bäckerei setzt immer mal wieder auf Neues. So hat ein Urlaub in Südafrika Ulrich Lemke auf eine Idee gebracht. Dort aß er ein Brot, das mit pürierter Roter Bete gebacken war. Zuhause entwickelte er ein ähnliches Baguettebrötchen, das demnächst als Saisonprodukt für die Grillzeit auch als Kasten (4,10 Euro) angeboten wird. Ein Renner im Sortiment ist das Schwarzbrot, „das bei uns traditionell nach alten Rezepturen mit leicht verfeinerter Zusammensetzung hergestellt wird“, so Lemke.

Im Feingebäckbereich und bei den Blechkuchen steht Traditionelles wie Zuckerkuchen, Bienenstich und Sahneschnitten obenan; das Tortenangebot richtet sich nach den Bestellungen. „Ein Handwerksbetrieb zeichnet sich dadurch aus, das wir individuell auf die verschiedenen Kundenwünsche eingehen.“

Zwei Verkaufswagen fahren im Umkreis von 35 Kilometer über Land. Ihr Umsatz sei wegen der Bevölkerungsstruktur geringer geworden. Trotzdem ist Lemke die Meinung, „dass es hier in einer ländlichen Region wirtschaftlich nicht ohne Verkaufsmobil geht“. Anfang des Jahres hat Lemke alle Preise um etwa 10 Prozent angehoben. „Das war zum einen nach langer Zeit fällig, aber auch dem Mindestlohn geschuldet, an dem wir aber schon sehr nahe dran waren.“ Sieben zum Teil langjährige Mitarbeiter im Verkauf und in der Backstube gehören zum Team der Bäckerei.

Was wird die Zukunft bringen? „Wir können zwar durch unser Handwerk solide Qualität liefern, aber wir können in der Kasse nur mehr Geld haben, wenn es genügend Arbeitsplätze in der Umgebung gibt und die Menschen das Geld ausgeben.“ Suckow hatte vor 30 Jahren mehr als 1000 Einwohner. Mittlerweile ist die Zahl – trotz Eingemeindungen - auf rund 600 Menschen gesunken. „Nur durch den intensiven Kontakt zu den Menschen und mit einer guten Backtradition wird sich unsere Branche gegenüber den Supermärkten behaupten. Dabei dürfen wir keinesfalls die Ausbildung unseres Nachwuchses nicht aus dem Auge verlieren.“


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