Baden & Württemberg
100-jähriges Jubiläum der Bäckerei Bosch: „Teigfrisch“ erfolgreich am Markt
Reutlingen (rgb). Das hundertjährige Firmenjubiläum feierte die Bäckerei Bosch in Reutlingen-Betzingen. In der dritten Generation wird heute die Bäckerei von Eberhard Bosch geführt, die einst von Karl Christoph Bosch und dessen Ehefrau Helene gegründet wurde. Im nächsten Jahr soll die Unternehmensleitung Markus Bosch übernehmen, und die Tradition der Familienbäckerei zusammen mit einem Bäckermeister, einer Konditorin, drei Bäckergesellen und sieben Verkäuferinnen weiterführen.
Vor hundert Jahren war eine der größten Einnahmequellen das Lohnbacken – fertig geknetete Brote aus der Nachbarschaft wurden gegen ein geringes Entgelt ausgebacken. Seit dem zweiten Weltkrieg drehte sich aber das Blatt und der Bäcker musste verstärkt zur Kundschaft fahren. Alfred Bosch, Sohn des Firmengründers, zog einen Handkarren hinter sich her und verkaufte in der neu gebauten Wildermuth-Siedlung vornehmlich Brote. Denn in den aus dem Boden gestampften Siedlungen vergaßen die Architekten damals die Infrastruktur für die Nahversorgung und an Filialen dachte auch noch kein Bäcker.
Ein Außer-Haus-Service
mit Tradition
Auch heute bringt die Bäckerei Bosch ihre Produkte zum Verbraucher, aber weniger in Wohngebiete, sondern speziell morgens während einer 90 minütigen Verkaufstour in das neu entstandene Betzinger Industriegebiet. In einem recht engen Zeitfenster müssen sehr viele Unternehmen zur Frühstückspause angefahren werden, was kaum Zeit zu einem persönlichen Kontakt mit der Kundschaft zulässt. In diesem Service ist wohl der gravierendste Unterschied zur Arbeitsweise des Firmengründers zu sehen, sieht man von den technischen Arbeitserleichterungen ab. Immerhin trägt der Außer-Haus-Service zu etwa 20 Prozent des Umsatzes bei und es werden Kunden erreicht, die ansonsten nicht angesprochen werden könnten. Dabei konzentrieren sich die Kundenkäufe auf das Frühstücksbrötchen und relativ selten wird zugleich auch der Vorratseinkauf für daheim getätigt. Die Brötchenvielfalt muss dabei wie im Geschäft gewährleistet sein, und der Trend zum Spezialbrötchen ist nicht nur ungebrochen, sondern verstärkt sich weiter. Kaisersemmel und Schnittbrötchen sowie einfaches Weizenmischbrot sind nach den Beobachtungen von Eberhard und Doris Bosch weiter auf dem Rückzug. Offensichtlich wird dieser Bedarf einfacher Brot- und Backwaren von den Discountern bedient. Als Markus Bosch 1997 seine Bäckermeisterprüfung ablegte, investierten Eberhard und Doris Bosch noch einmal, indem der Verkaufsbereich neu gestaltet und ein leistungsfähigerer, 12 Quadratmeter großen Ofen installiert wurde. Damit sollte eine gute Weiterentwicklung für die nächste Generation vorbereitet werden.
Lieferungen als
wichtiges Standbein
Immerhin gibt es noch drei Bäckereien in dem Reutlinger Stadtteil, nebst zwei Filialisten, und daher sieht Markus Bosch auch in der Belieferung von Hotels, Gastronomiebetrieben, Metzgereien und Catering-Diensten weiterhin ein wichtiges Standbein. Obwohl in direkter Nachbarschaft die Großbäckerei K & U, Bäckerbub der Edeka-Gruppe, angesiedelt ist, füllt der kleine Familienbetrieb wegen seiner Flexibilität eine Nische, die von Großbäckereien organisatorisch nicht mehr bedient werden kann. Eberhard Bosch: „Wir können von heute auf morgen auf Kundenwünsche eingehen, etwa wenn ein Kunde auf die Schnelle eine größere Menge Partygebäck braucht.“ Der kurze Weg vom Ofen in die Verkaufsschütten ist eine der Stärken des Familienunternehmens. Die Kundschaft kann sicher sein, nicht nur backfrische sondern auch teigfrische Produkte zu erhalten. Nur ein kleiner Teil der gesamten Produktionsvielfalt wird über den Froster gefahren.
Unter dem Motto:
Raritäten raus – Renner rein
Jedes Vierteljahr wird das Brotprogramm überarbeitet. Anhand der Verkaufsdaten, die Doris Bosch in ihrer Buchhaltung ermittelt, werden die Schnelldreher herausgefiltert und Angebote, die sich als Ladenhüter erweisen, gestrichen. Es gebe zwar dann immer einige wenige Kunden, die wegen der Angebotsänderungen enttäuscht sind, aber von Raritäten könne man nicht leben, erklärt Markus Bosch. Wobei jedoch die Gefahr, sich zu verzetteln, auch immer gegeben ist. Verprellte Kundschaft zurück zu gewinnen, ist schier unmöglich. „Wir wollen im Gespräch bleiben, aber der Kosten-Nutzen-Faktor muss stimmen“, führt Markus Bosch weiter aus. Im Gespräch bleiben heißt auch, mit zwei Produkten ständig zu werben. Mit einem süßen Stückchen und einer Brotsorte wird ständig um die Kundschaft geworben. Zwar war die Familie anfangs auch nicht glücklich über den zusätzlichen sonntäglichen Arbeitstag, aber mittlerweile hat sich der Sonntagsverkauf umgerechnet auf drei Stunden zum umsatzstärksten Wochentag entwickelt. Markus Bosch: „Der Sonntagsverkauf hat einen Schub für die ganze Woche gebracht.“
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