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Sachsen
„In diesem Moment hat niemand an Konkurrenz gedacht, schnelle und unkomplizierte Hilfe stand an erster Stelle“
Hainichen (ad). Das neue Jahr hat für die Gellertstadt Backwaren GmbH in Hainichen mit einer Katastrophe begonnen. In den frühen Morgenstunden des 12. Januar brach in der Bäckerei ein Feuer aus, das sämtliche Produktionsräume verwüstete und den gesamten Maschinenpark zerstörte (ABZ berichtete). Millionenschaden war die Folge. Doch schon wenige Stunden nach dem Großbrand wurde die Bäckerei von einer Woge der Solidarität förmlich überrollt.
Mit insgesamt 106 Beschäftigten ist die Gellerstadt Backwaren GmbH der zweitgrößte Arbeitgeber in Hainichen. Die hergestellten Backwaren werden in 26 Filialen bis nach Dresden angeboten, außerdem rollt ein Verkaufswagen in kleinere Landgemeinden. Am Morgen des 12. Januars blieb in diesen Verkaufsstellen der Nachschub aus, denn das Feuer hatte nicht nur den Firmensitz in Schutt und Asche gelegt, sondern jegliche Produktion zum Erliegen gebracht.
„Die Verkäuferinnen in den Filialen erhielten den Auftrag, Waren aus dem Filialbestand zu verkaufen, soweit möglich mit den Ladenbacköfen zu arbeiten und dann zu schließen“, erinnert sich Geschäftsführer Uwe Presch. „Am nächsten Tag, einem Sonnabend, sollten die Filialen mangels Nachschub gar nicht erst öffnen.“ Dass es dazu nicht kam, ist dem Engagement der Bäko Süd-Mitteldeutschland eG und einer Reihe von Berufskollegen zu verdanken. Bäko-Vorstand Ben Hartmann koordinierte die Hilfe für das betroffene Unternehmen. Die Bäckerei Möbius in Oederan sprang kurzfristig ein und belieferte die Filialen von heute auf morgen mit einem Grundsortiment an Brot, Brötchen und Kuchen. „In diesem Moment hat niemand an Konkurrenz gedacht, da stand die schnelle, unkomplizierte Hilfe an erster Stelle“, freut sich Uwe Presch. Die Hilfe kam gerade rechtzeitig, denn die Geschäftsführung einer Supermarktkette hatte bereits die „Gelbe Karte“ gezeigt. „Hätten wir die Filialen in diesen Märkten auch nur einen Tag geschlossen halten müssen, wären uns die Mietverträge gekündigt worden.“
Mathias Möbius, Junior-Chef der Bäckerei Möbius, beließ es nicht bei der Auslieferung des Grundsortiments. Er ließ auf seinem Firmengelände ein Zelt samt Heizung aufbauen, um den abgebrannten Kollegen aus Hainichen eine optimale Fläche für die Warenauslieferung zur Verfügung stellen zu können. Inzwischen bestellen die Geschäftsführer Uwe Presch und Rocco Grunwald von ihrem Notbüro aus die für die Belieferung der Filialen benötigten Backwaren täglich passgenau. Der größte Teil dieser Produkte kommt von der Bäckerei Möbius, weitere Lieferungen steuern die Bäckereien Naumann und Lautenschläger bei.
Schon wenige Stunden nach dem Brand fanden Mitarbeiter der Gellertstand Backwaren GmbH in der Bäckerei Möbius einen Interimsarbeitsplatz. Allerdings ist die Ausweichproduktion bei den Innungskollegen nicht als Dauerlösung gedacht. „Unser bisheriger Produktionsstandort ist ein Totalverlust, aber wir machen weiter“, macht Rocco Grunwald deutlich. „Sobald die Feuerversicherung zahlt, wird gebaut.“ Ausgelöst wurde der Brand durch einen Kabelbrand. Die Kunststoffverkleidungen des modern ausgestatteten Produktionsraumes seien daraufhin in Brand geraten, kräftiger Wind habe das Feuer angefacht und in die anderen Räume überspringen lassen. Die an die Bäckerei grenzenden Bahnanlagen hatten den Feuerwehrleuten den Zugang zum Brand kompliziert, sodass auch sie den Betrieb nicht zu retten vermochten. Diese Aufgabe haben sich nun gleich mehrere Vertreter des Handwerks und der örtlichen Politik gestellt. Dieter Greysinger, der Bürgermeister der Stadt Hainichen, hat mit Geschäftsführer Uwe Presch gleich mehrere Flächen angeschaut, auf denen die Bäckerei einen neuen Standort finden soll. „Wenn alles glatt geht, backen wir die Weihnachtsstollen schon wieder in den eigenen vier Wänden.“ Damit das auch klappt, unterstützt CDU-Landrat Andreas Schramm den Wiederaufbau nach Kräften. Er zählt dabei nicht nur auf die Hilfe durch die Politik, sondern auch auf die tatkräftige Unterstützung durch die Kundschaft der Bäckerei. „Die beste Art der Hilfe ist es, in dieser Situation Kunde zu bleiben“, betont der Landrat.
Damit die acht Lehrlinge kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung nicht plötzlich in der Luft hängen, sorgte Uwe Paulig, Obermeister der Bäckerinnung Mittweida, dafür, dass die betroffenen jungen Leute in anderen Betrieben unterkamen und ging mit gutem Beispiel voran: Obwohl er in seinem Betrieb in Altmittweida mit zwei Lehrlingen schon „voll“ ist, sicherte er einem die weitere Ausbildung zu.
Nahversorger nicht aushungern
Die geplanten Ladenöffnungszeiten machen die Nischenvorteile der Vorarlberger Bäcker streitig, befürchtet Innungsmeister Kurt Kainz: „Die von Minister Bartenstein geplante Ausdehnung der Wochenöffnungszeit von 66 auf 72 Stunden stellt einen Anschlag auf die handwerklichen Bäcker dar. mehr...
