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Kennzeichnungspflicht im Blick

Anton Reitberger hatte immer schon ein Faible für die EDV. Das kommt ihm auch hinsichtlich der Allergie-Kennzeichnung zugute.  (Quelle: Ried)+Zur Fotostrecke
Anton Reitberger hatte immer schon ein Faible für die EDV. Das kommt ihm auch hinsichtlich der Allergie-Kennzeichnung zugute. (Quelle: Ried)

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Die Bäckerei Reitberger ist bestens vorbereitet und hat auch die Allergie-Infos im Griff

Bayern „Das Erfüllen der Anforderungen durch die (LMIV) ist doch eigentlich ganz leicht“, Anton Reitbergers Stimme klingt ein wenig ironisch, als er hinzufügt: „Wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat.“ Welche das sind, darauf kommt der Bäckermeister später; nur eines stellt der Betriebsinhaber aus dem Allgäu unmittelbar klar: „Eine Kladdenlösung ist für mich jedenfalls nicht das Maß der Dinge – auch wenn der Zentralverband sie empfiehlt.“ Denn wenn es um die Angabe von Zusatzstoffen und Allergenen geht – was ab Dezember Pflicht bei losen Waren wird – ist die Bäckerei Reitberger in Betzigau schon um einige Schritte weiter. In ihren fünf Verkaufsstellen rund um Kempten können die erweiterten Informationspflichten allein mit Hilfe der bestehenden EDV-Ausstattung – Hardware und Software – abgedeckt werden. Neuanschaffungen, etwa ein spezielles Touch-Screen-Info-Terminal für die Kunden, sind aus der Sicht von Anton Reitberger nicht notwendig. Die vorhandenen Computer-Kassen reichen seiner Meinung nach aus, wenn die richtigen Daten im System hinterlegt sind.

Welche das sind, kann der 58-Jährige ziemlich schnell auf dem Bildschirm in seinem Büro über der Backstube abrufen, denn er beschäftigt sich bereits seit über 25 Jahren mit dem Einsatz von Datenverarbeitung im Backbetrieb. Dabei hat er von Anfang an auf Software-Produkte aus dem Haus Ulmer-Kemo gesetzt. Mittlerweile läuft der Datentransfer online und die Software heißt B.I.T. „Bäckerei Informations Technologie“ und kommt immer noch aus dem selben Haus.

Dass Reitberger schon immer gerne am Computer getüftelt hat, zahlt sich jetzt aus: Die Aufgaben, die für die Umsetzung der neuen Kennzeichnungspflichten notwendig sind, hat die Bäckerei Reitberger weitgehend schon erledigt. Um das zu beschreiben, beginnt Anton Reitberger mit einer Aufzählung: „Zuerst müssen alle Artikel des Sortiments erfasst und aktuell gehalten werden.“ Erfasst werden müssen auch alle verwendeten Rohstoffe mit allen darin enthaltenen Inhalts- und Zusatzstoffen. Dazu muss dann hinterlegt werden, welche dieser Stoffe als gelten. Außerdem hat Reitberger für alle seine Artikel gemäß der verwendeten Zutaten Nährwertangaben hinterlegt, die sich an den Anforderungen der Lebensmittel-Informationsverordnung für verpackte Waren orientieren. Die Angaben zu Energiegehalt in Joule und Kalorien, Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten und Salz, die nach der Verordnung bei Fertigpackungen angegeben werden müssen, kann Reitberger auch für seine losen Backwaren auf den Kassendisplays anzeigen lassen. „Die Artikelspezifikationen werden als Kopie in einem Dokument in den Kassen in den jeweiligen Läden hinterlegt“, erläuterte er, „denn ein Zugriff der Kassen auf die Angaben in der zentralen Datenbank auf dem Server wäre mir zu riskant.“

Der Bäckermeister überschlägt, dass er bisher an die 150 Artikel so für seine EDV angelegt und aufbereitet hat. Das war ein enormer Aufwand, auch wenn es mittlerweile Schnittstellen zu verschiedenen Lieferanten gibt. Doch darauf will sich Reitberger nicht gänzlich verlassen; er kontrolliert die Informationen nach und verbessert auch die ein oder andere Angabe. Mit der Spezifikation der Inhaltsstoffe ist es aber noch nicht getan – darüber hinaus müssen die Rezepte digital aufbereitet werden. Und auch das ist bei der Bäckerei Reitberger akkurat erfolgt.

Auf dieser jahrelang erarbeiteten Basis konnte Reitberger nun aufbauen: Als nämlich Anfang des Jahres ein großer Mitbewerber in der Region ankündigte, dass er alle Inhaltsstoffe seiner Backwaren den Kunden zugänglich machen werde, beschloss Anton Reitberger, sofort nachzuziehen. Er ist jetzt soweit, dass er für alle seine Backwaren die Zutaten, Allergene, Zusatzstoffe und Nährwerte in den Kassendisplays anzeigen und auf Kundenwunsch mit dem Bon ausdrucken lassen kann. „An den Snacks arbeiten wir noch“, fügt er hinzu.

Doch Anton Reitberger ist nicht nur EDV-Tüftler, sondern auch Bäckermeister aus Leidenschaft. Und nachdem er nun im Büro die elektronischen Möglichkeiten geschaffen hat, seine Kunden über die Zusatzstoffe in seinen Backwaren zu informieren, arbeitet er in der Backstube bereits daran, dass er diese Möglichkeit gar nicht nutzen muss. „Clean Label für alle meine Backwaren – das ist langfristig das Ziel“, erläutert er dazu. Bei den Kleingebäcken läuft die Umstellung schon. Reitberger will von Backmitteln mit Acetylweinsäureestern und Phosphaten wegkommen. Zwar gibt es da schon Anbieter, aber es ist eine Herausforderung - ganz nach dem Geschmack des agilen Chefs.

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