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Jetzt hat auch Bocholt seinen Becher

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An dem städtischen Projekt zur Förderung eines Mehrwegkonzepts beteiligen sich aktuell sieben Betriebe

Von Arnulf Ramcke

Nordrhein-Westfalen

Bocholt. Freiburg hat seinen Cup und Bocholt jetzt einen Becher. Der nennt sich leicht sperrig „Mein Bocholt Becher“ und dient dem gleichen Zweck wie andere Trinkgefäße der wiederverwertbaren Art: Er soll helfen, Plastikmüll aus Wegwerfgeschirr zu vermeiden.

Aktuell beteiligen sich sieben Betriebe in der 72.000-Einwohner-Stadt, die zum Kreis Borken gehört, an der Aktion. Dazu gehören neben vier Bäckereien ein Café, ein Eine-Welt-Laden und die Tourist-Info der Stadt selbst. „Mitte Juli haben wir die Aktion mit 500 Bechern begonnen“, sagt Petra Tacke vom Entsorgungs- und Servicebetrieb Bocholt. „Mittlerweile sind es 1500 Becher.“

Stadtmarketing

entwirft Design

Die Stadt habe gezielt Bäckereien angesprochen, die auf das Konzept sehr aufgeschlossen reagiert hätten – obwohl eine Individualisierung der Becher mit Firmenlogo nicht vorgesehen ist. Alle Becher sind in knalligem Grün-Blau mit der Silhouette von Bocholt designt. Tacke: „Das hat unser Stadtmarketing entworfen.“

Verkauft werden die Gefäße, die aus dem Holzstoff Lignin bestehen, einen Silikondeckel haben und spülmaschinenfest sein sollen, zum Stückpreis von 3,95 Euro. Diesen Preis zahlen sowohl die Kunden in der Bäckerei als auch die Betriebe selbst, die damit keinen Gewinn mit der Aktion machen können.

Nach 40 Kaffee-Käufen hat sich der Anschaffungspreis für Verbraucher amortisiert, da die Bäckereien zehn Cent Nachlass auf jeden Kaffee gewähren, der in den Becher gefüllt wird.

Lebensmittelrechtlich relevante Hygieneprobleme räumt die Stadt übrigens aus: Die Landeshygieneverordnung schreibe vor, dass Lebensmittel nur so in Verkehr gebracht werden dürfen, dass sie nicht „der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung" ausgesetzt werden.

Dies bedeute, dass der Händler dafür zu sorgen habe, dass seine Ware nicht verunreinigt wird – „sonst kann er für Schäden haftbar gemacht werden“, so die Stadtverwaltung. Beim Automatenkaffee sei dieses Risiko jedoch überschaubar, wenn eine fremde Tasse, in diesem Fall der Bocholt-Becher, die Düse nicht berühre.

Für Becher, die die Stadttochter Tourist-Info verkauft, gilt dieses Problem sowieso nicht: Sie werden von den Käufern als Souvenirs erstanden.

Die Bäckerei Kamm in Hagen setzt auf das neue Becher-Modell.
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