ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Integration geht durch den Magen

Insgesamt zehn verschiedene Brote hat Christian Brück zur Verkostung für die 26 Flüchtlinge aufgeschnitten. (Quelle: Wollnitz)+
Insgesamt zehn verschiedene Brote hat Christian Brück zur Verkostung für die 26 Flüchtlinge aufgeschnitten. (Quelle: Wollnitz)

Weitere Artikel zu


Bäcker Christian Brück konfrontiert für eine Projektarbeit Flüchtlinge mit deutscher Brotkultur

Von Reinald Wolf

Niedersachsen Delmenhorst Skeptisch blickt der junge Mann aus Syrien auf das Probierstück. Und nachdem er es zum Verkosten in den Mund genommen hat, verzieht er das Gesicht. Das Roggenschrotbrot ist ganz offensichtlich nicht nach seinem Geschmack – wohl noch sehr gewöhnungsbedürftig. Wie vieles, mit dem Flüchtlinge in Deutschland konfrontiert sind. Dem will Christian Brück nach Kräften begegnen – zumindest was den Brotgeschmack betrifft.

Der Bäckermeister hat das hehre Ziel, Flüchtlingen deutsches Brot schmackhaft machen, ihnen zumindest die deutsche Brotkultur näher zu bringen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, mit diesem Ansinnen ist er schon auf einem guten Weg.

Verkostungsaktion

mit 26 Flüchtlingen

Denn der 34-Jährige hat im Rahmen seiner Projektarbeit zum Brotsommelier nun schon zum zweiten Mal eine Gruppe von Flüchtlingen versammelt, um ihnen per Verkostungsaktion geschmacklich auf den Zahn zu fühlen.

„Ja, es stimmt, das Roggenschrotbrot ist schon optisch durchgefallen“, sagt Brück mit Blick auf die Ergebnisse der zweiten Aktion in der Räumen der Caritas, die die Aktivitäten des engagierten Bäckermeisters quasi als erweiterte Flüchtlingshilfe unterstützt.

Insgesamt zehn Brote hat Brück den 26 Teilnehmern der Verkostung aufgetischt. Ein Querschnitt der deutschen Brotvielfalt vom Butterweißbrot bis zum Schwarzbrot aus 100 Prozent Roggenvollkorn. Darunter auch Baguette, Weizenmischenbrot (60/40), Dinkelvollkornbrot – „und eine Überraschung“, sagt Brück, der nicht verraten will, welches seiner Brote unerwartet gut angekommen ist.

Erkenntnisse für Projektarbeit

zum Brotsommelier

„Schließlich werde ich diese Spur für meine Projektarbeit in irgendeiner Form weiterverfolgen“, will er der Auswertung der Ergebnisse aus den Fragebögen zur Brotkultur und zum Brotgeschmack nicht vorgreifen.

„Nicht überraschend ist aber, dass die hellen Brote bei den Konsumenten aus Syrien, dem Iran, Afghanistan oder Gambia besonders gut ankamen. Das sind Brote, die den Geschmacksgewohnheiten dieser Kulturkreise entgegenkommen.“

Und je dunkler die Brote, umso „entsetzter waren die Reaktionen“. Wobei die jüngeren Probanten etwas offener gegenüber den neuen Geschmackserlebnissen gewesen seien und auch etwas dunklere Brote schmackhaft fanden.

Je dunkler die Brote, desto

ablehnender die Reaktion

Und um das geht es im Grunde auch: „Wenn ich sehe, wie der LEH, vor allem die Discounter, das Brot verramschen, kriege ich die Krise. Ich will den Menschen die Wertigkeit und den Brotgenuss schmackhaft machen“, skizziert Brück, warum er die anspruchsvolle Fortbildung zum Brotsommelier macht.

Unter anderem auch deshalb, damit Kunden wieder vermehrt den Weg in die Handwerksbäckerei finden. Da treten auch die Flüchtlinge als wachsender Kundenkreis in den Fokus – zumindest in seinem Fall.

Schließlich will Brück sein kleines Unternehmen mit insgesamt 18 Mitarbeitern rund ums Kerngeschäft mit Broten und Brötchen weiterentwickeln. Er hat „Bäcker Becker“ im Jahr 2016 übernommen und das handwerkliche Profil geschärft, wie schon der Name der Homepage suggeriert www.brothandgemacht.de ). Der Brotsommelier ist ein weiterer wichtiger Baustein in diesem Konzept.

Dass Brück damit auch einen Beitrag zur von Flüchtlingen macht, mag auch der Grund dafür sein, dass nicht nur die regionalen Medien berichteten. „Ich hatte viele Anfragen – auch von Fernsehsendern.“

Der Bäckermeister ist mit seinem Ansinnen, für gutes Brot zu sensibilisieren und über Brotkultur Integrationsarbeit zu leisten auf einem guten Weg.

Ein Gottesdienst unter freiem Himmel gehört zum Festakt.
Auch interessant

Ein Friedensbrot verbindet Völker

Berlin „Wenn uns das gelingt, ist das Roggenkorn von Berlin wirklich aufgegangen. mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel