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Gute Qualität wird vom Kunden honoriert

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Konjunktur-Telegramm der ABZ

Für gleiches Umsatzniveau größere Anstrengungen nötig / Brotverzehr rückläufig

Stuttgart (hjw). Service-Orientierung und Flexibilität sind Dauerbrenner, die in den Betrieben mit Leben erfüllt werden sollen. Mit einer regelmäßigen Rubrik wollen wir deshalb unseren Leserinnen und Lesern einen zusätzlichen Nutzwert für das Alltagsgeschäft bieten. Aus einem Pool an Bäckerunternehmen werden immer fünf Unternehmen zu einer konkreten Fragestellung angerufen. Also klingelt das ABZ-Telefon vielleicht beim nächsten Mal (in vier Wochen) in ihrem Betrieb.

Die Fragen sollen aktuelle Marktthemen reflektieren wie etwa neue Werbekonzepte, Trends wie gesundheitsbewusste Ernährung und Erlebniseinkauf, saisonale Verkaufsaktionen und mobiler Verkauf, Produkt-Neuheiten und Technik, Seminare und Messeerfahrungen, Unternehmensführung und Retouren.

Zum Beginn eines Jahres bietet sich in diesem Falle ein Rückblick auf die vergangenen Wochen und Monate an, der immer auch einen Ausblick beinhaltet.

Wie waren Sie mit dem

Geschäftsjahr 2004 zufrieden?

Bernhard Hoppmann,

Remels

Der Unternehmer Hoppman zählt mit seiner Bäckerei im ostfriesischen Remels zu den größeren der Branche. Sein geschäftliches Resümee fällt insgesamt positiv aus – der Umsatz sei trotz schwierigerer Bedingungen insgesamt stabil geblieben. Die Einbrüche bei den Shop-in Shop-Verkäufen seien durch einen leichten Anstieg bei den Gastronomie-Konzepten, also dem Café- und Convenience-Bereichen wieder hereingeholt worden. Insbesondere der mobile Fahrverkauf sei zudem in der ländlich strukturierten Region um Remels weiter ausbaufähig.

Fazit: Der Preiskampf bleibe auch 2005 erhalten – als Traditionsbäcker begegne er dieser Entwicklung mit Qualität, innovativen Produktideen wie jüngst die adventlichen Künner Tön (Kinderzehen) – ein mit Branntwein hergestellter Friesenstollen – fairen, aber angemessenen Preisen und offensiven Werbekonzepten.

Gerhard Sailer,

Stuttgart

Der Obermeister der Stuttgarter Bäckerinnung ist mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr ebenfalls zufrieden. Die Umsätze blieben stabil, allerdings sei dafür mehr Einsatz als noch vor einem Jahr nötig gewesen. Auch bei ihm ist der Zuwachs im Snackbereich wie Kaffeeverkauf und Außerhaus-Verzehr offensichtlich. Der Brotverzehr gehe hingegen im Rahmen des allgemeinen Strukturwandels immer weiter zurück. Im Bundesvergleich lebe man in Stuttgart noch auf „einer Insel der Glückseligen“. Die Kaufkraft der Bürger sei gut – große Arbeitgeber wie DaimlerChrysler zahlten ihren Mitarbeitern neben Weihnachtsgehältern zusätzliche Erfolgsprämien.

Fazit: Ein Blick auf die Preise zeige, dass zukünftig nur zwei Verkaufsschienen bei den Verbrauchern zählen. Dumpingpreise der Discounter und die teurere, aber qualitätsvolle Produktschiene der Bäckerbetriebe. Die Erfahrung zeige, dass gute Ware honoriert werde und die Verbraucher bereit sind, etwas mehr dafür auszugeben. Schwierig seien die längeren Ladenschlusszeiten für kleinere Betriebe.

Volker Kröger,

Kasdorf

„Die Leute kaufen weniger,“ ist Bäckermeister Kröger in Schleswig-Holstein enttäuscht vom Geschäftsjahr 2004. Trotz regelmäßiger Aktionen und der Teilnahme an zwei Gewerbeschauen sei der Umsatz deutlich gefallen. Auch der Umsatz auf dem heimischen Weihnachtsmarkt sei enttäuschend gewesen. Kröger ist mit zwei kleineren Ladengeschäften und mehreren mobilen Verkaufstresen unterwegs. Die Ursachen des Einbruches müsse er jetzt in Ruhe analysieren.

Fazit: Die Zeiten, wo ein Gutschein-Zettel als Werbung ausreichte, seien vorbei. Die Menschen wollen unterhalten werden, auch als Bäcker vor Ort müsse man sich neue Ideen einfallen lassen. Auch werde er in 2005 verstärkt „Klinken putzen“ und natürlich die Stammkunden ganz besonders intensiv pflegen.

Als einen Wettbewerber hat Kröger die Tankstellen mit Convenience-Bereich ausgemacht.

Hans-Joachim Munzert,

Hildesheim

Der Konzessionär und 1-Mann-Betrieb Hans-Joachim Munzert ist mit seinem mobilen Verkaufsgeschäft als Haupterwerb zufrieden. Im Großen und Ganzen habe er den guten Umsatz vom Vorjahr halten können. Seit etwa zehn Jahren betreibe er das Mobilgeschäft - die vielen älteren Kunden in den Nachbarorten wissen es zu schätzen. Zur Geschäftsabsicherung dieses Bereiches wolle er aber den Frühstücksservice für Unternehmen am Ort noch weiter ausbauen. Der Vorteil: Innerhalb kurzer (Arbeitspausen-)Zeit seien gute Euros verdient. Seine Arbeitszeiten – etwa 16 Stunden pro Tag – könnten zudem so reduziert werden.

Fazit: Mit den laut Munzert rund 20.000 Euro Umsatz im Monat gehört er zu den mobilen Vorzeigeunternehmern der Branche. Hinzu kommen gute Einkaufskonditionen mit etwa 40 Prozent Nachlass auf die Ware bei seinem früheren Arbeitgeber. Eine 400-Euro-Kraft unterstützt den gelernten Bäcker Munzert seit kurzem.

Joachim Ohrdorf,

Hakenstedt

Kurz und bündig antwortet Bäckermeister Joachim Ohrdorf in Hakenstedt in der Nähe Magdeburgs. Der Umsatz konnte mit erheblichen Anstrengungen weiterhin stabil gehalten werden. Er verteile sich zu je einem Drittel auf das Ladengeschäft, das Café und das mobile Verkaufsgeschäft. Wenn es in 2005 so weitergehe, sei er zufrieden. Qualität zu guten Preisen und die Herstellung aller Produkte aus „eigener Hand“ werde in guter Familientradition beibehalten.

Fazit: Wenn die Qualität stimme, werden auch entsprechende Preise akzeptiert. Mit der lästigen Konkurrenz durch Billig-Discounter habe er zum Glück keine Probleme. Im weiten Umkreis des Örtchens Hakenstedt gebe es schlicht keine Supermärkte.

Den passenden Rahmen für die Verkaufsförderaktion gab die Neustädter Markthalle, ein aufwändig restaurierter Jugendstilbau mitten in Dresden, ab.
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