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Großbäckerei kämpft um Vertrauen

Die „Ratsch-Kathl“ Elise Aulinger, an die der Brunnen am Viktualienmarkt erinnert, hätte viel über Müller-Brot geredet.+
Die „Ratsch-Kathl“ Elise Aulinger, an die der Brunnen am Viktualienmarkt erinnert, hätte viel über Müller-Brot geredet.

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Nach dem Hygieneskandal ist Müller-Brot pleite. Pächter von Filialen erleiden Umsatzeinbrüche. Wie viel kann der Insolvenzverwalter von dem Unternehmen retten?

Sie putzen und schrubben seit Wochen. Wann die Reinigungstrupps fertig sind und ob sie ihr Geld je sehen würden, war ungewiss. Jetzt steht fest: Die Finanzierung der Reinigungs- und Wartungsarbeiten ist gesichert. Und in ein bis zwei Wochen sollen die Hygienemängel in der Müller-Brot-Farbrik in Neufahrn beseitigt sein. Das berichtet der vorläufige Insolvenzverwalter. „Wir werden alles daran setzen, dass die Freigabe der Produktion in absehbarer Zeit erfolgen kann“, sagt Hubert Ampferl. Er hat das Reinigungskonzept überarbeiten lassen und das Budget dafür aufgestockt.

Der Insolvenzverwalter nennt den Neustart der Produktion als „wichtigstes Ziel“. Momentan werden die Müller-Brot-Filialen mit Backwaren anderer Großbäcker beliefert. Als weitere Hauptaufgabe sieht es Ampferl, das Filial- und Vertriebsnetz aufrechtzuerhalten. Pächter von berichten von Umsatzeinbußen in Höhe von bis 70 Prozent. Einige sind von Kunden übel beschimpft worden. Der Insolvenzverwalter verhandelt gegenwärtig mit Banken über einen sogenannten Massekredit. Der Kredit soll das operative Geschäft während des Insolvenzverfahrens sicherstellen. Ein Großteil des Geldes soll den Pächtern zugute kommen. Sie brauchen vorerst keine Pacht zu bezahlen, heißt es.

Zwischen 20.000 und 40.000 Euro hat jeder der rund 150 Pächter an Müller-Brot als Gebühr bezahlt. Ein Drittel der Subunternehmer hat das Geld in Form einer Kaution locker gemacht. Dieses Geld hat Müller-Brot offenbar im laufenden Betrieb verheizt. Ampferl hat in den Geschäftsbüchern bis dato kein – wie es zu erwarten wäre – separates Kautionskonto entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt in diesem Zusammenhang (Seite 3).

Um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, will Ampferl auch Gespräche mit den Handelsketten führen, die Müller-Brot von ihrer Lieferantenliste gestrichen haben. Solche Gespräche dürften allerdings erst dann Sinn machen, wenn die Lebensmittelkontrolleure in Neufahrn grünes Licht gegeben haben. Einen Termin für eine neue Betriebskontrolle – beim ersten Check nach zweiwöchigen Reinigungsarbeiten stießen die Behörden noch immer auf gravierende Hygienemängel – gibt es noch nicht. Allem Kalkül des Insolvenzverwalter zum Trotz, ein Faktor lässt sich kaum berechnen: „Jetzt kommt es darauf an, schnellstmöglich das Vertrauen bei den Kunden, aber auch den Mitarbeitern und Pächtern zurückzugewinnen“, sagt Ampferl. Müller-Brot zu retten, sei nach wie vor möglich. Es gebe bereits einen Interessenten, der erwägt das Unternehmen zu kaufen.

Wie bei den Pächtern mischen sich bei den Mitarbeitern in Neufahrn Wut und Verzweiflung. „Die Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren immer wieder auf Geld verzichtet“, sagt Mustafa Öz von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Das Verhalten der Geschäftsführung im Hygiene-Skandal bezeichnet Öz als „menschenverachtend“. Er glaubt, dass es von Anfang an das Ziel der Chefs gewesen ist, „sich mit einer der Mehrheit der Beschäftigten und der Schulden kostengünstig zu entledigen“.

Die ehemalige Produktionsstätte in Neufahrn war Ort des Hygieneskandals.
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