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Geringe Resonanz auf das Infoangebot

Obermeister Wilhelm Oswald (v.l.) gratulierte der prüfungsbesten Fachverkäuferin Andrea Langwieder zusammen mit Innungsgeschäftsführerin Irmengard Rossingoll und Lehrlingswart Günther Ernst.  (Quelle: Huber)+
Obermeister Wilhelm Oswald (v.l.) gratulierte der prüfungsbesten Fachverkäuferin Andrea Langwieder zusammen mit Innungsgeschäftsführerin Irmengard Rossingoll und Lehrlingswart Günther Ernst. (Quelle: Huber)

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Innung Berchtesgadener Land: Wenig Interesse an neuer Ausbildungsordnung

Aufham (wah). Die Großeinkaufszentren mit Backwaren zu Schleuderpreisen mache den Bäckereien schwer zu schaffen, so Obermeister Wilhelm Oswald zum Auftakt der Jahreshauptversammlung der Innung Berchtesgadener Land im Gasthaus Neuwirt in Aufham.

Direkt hinter der Grenze in Salzburg errichten Großkonzerne riesige Einzelhandelszentren. Diese Betriebe beeinträchtigen auch die handwerklichen Bäckereien, da überall, vielfach zu Schleuderpreisen, Brot und Backwaren angeboten werden.

Unter diesem Titel „Welche Chance hat das traditionelle Bäckerhandwerk“? schrieb Obermeister Oswald im Herbst einen Leserbrief an die hiesigen Zeitungen und wies auf die Auswirkungen dieser Großmärkte auf die heimischen Bäckereien hin. Betrachtete man die momentane Situation im Berchtesgadener Land, so können sich die 32 Bäckereien mit 60 eigenen Filialen noch gut behaupten. Mit ihren rund 650 Mitarbeitern gewährleisten sie die Nahversorgung. Die heimischen Bäcker, so ist sich Oswald sicher, tragen somit ein gutes Stück zur bayerischen Lebensqualität bei.

Die Resonanz auf diesen Leserbrief war außerordentlich hoch und zeugten von hoher Zustimmung, nur ein Umdenken der Kommunalpolitiker war nicht zu erreichen. Trotz aller Beteuerungen der Planungsbehörden, die Errichtung von Großmärkten auf der grünen Weise einzuschränken, ist die Hoffnung gering, dass die Genehmigung von der Landesplanungsbehörde nicht erteilt wird. Die Folgen dieser Politik seien schon erkennbar, denn erst sterben die Dörfer, dann die Märkte und letztendlich auch die Innenstädte, trotz aller teuren Infrastukturmaßnahmen.

Oswald glaubt aber nach wie vor fest daran, dass das Bäckerhandwerk in seiner mittelständischen Ausprägung eine Zukunft hat.

In Bayern sei die Zahl der Betriebe seit 1993 von 4300 auf 2.900 Betriebe zurückgegangen. Im Gegensatz dazu stünden die österreichischen Kollegen viel besser da, denn diese konnten im Oktober sogar eine fünf prozentige Preiserhöhung auf ihre Backwaren durchsetzen.

Geringe Beteiligung

Dann wies der Obermeister auf die neue Ausbildungsordnung für Bäcker hin. Die neuen Anforderungen wurden auf einer Infoversammlung für die Innungen Traunstein und Berchtesgadener Land in der Berufsschule Traunstein vorgestellt, aber leider war die Beteiligung sehr schlecht. Eine wesentliche Änderung soll es ab 2006 geben, wenn die Zwischenprüfungsnote auch zur der Bewertung der Gesellenprüfung herangezogen wird. In den Innungen in Schwaben, Mittelfranken und um München herum sei die überbetriebliche Unterweisung in die Bäckereifachschule nach Lochham verlegt worden. Oswald schlug vor, auch für die Innung Berchtesgadener Land einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

Weiter konnte der Obermeister berichten, dass bei der Stollenprüfung von zehn Betrieben 38 Stollen zur Prüfung vorgelegt wurden und 22 dieser Stollen mit der Note „Sehr gut“ bewertet wurden.

Auch sprach er den Förderverein für die Berufsschule Traunstein an, dessen Vorsitzender Bäckermeister Gerhard Kotter ist. Die Bäckerinnung Berchtesgadener Land und auch die Bäko- werden hier beitreten, um die Berufsschule zu unterstützen.

Abschließend erwähnte Obermeister Oswald, dass er in 2005 als Obermeister aus der Innung ausscheide, da er heuer seinen Betrieb an seinen Sohn übergeben habe .

Im Kassenbericht von Hubert Knobloch und der Vorlage der Jahresrechnung 2003 sowie des Haushaltsplanes 2004 wurde dar gelegt, dass die Innung finanziell gesund da stehe. Der Innung gehören 30 Mitglieder an. Jahresrechnung und Haushaltsplan wurden von der Versammlung einstimmig angenommen und der Vorstandschaft die uneingeschränkte Entlastung erteilt.

Ehrung der Prüfungsbesten

Im Anschluss an die Regularien konnte OM Oswald die Prüfungsbeste der Fachverkäuferinnen der beiden Innungen Berchtesgadener Land und Traunstein, Andrea Langwieder, auszeichnen. Sie wurde auch Kammersiegerin beim praktischen Leistungswettbewerb und konnte beim Landeswettbewerb den 3. Platz belegen. Andrea Langwieder wurde im Betrieb von Andreas Neumeier in Teisendorf ausgebildet.

Dann berichtete der Obermeister, dass Kollege Herbert Zechmeister aus Königssee den Staatsehrenpreis der Bayerischen Staatsregierung für Brot bekommen habe. Um den Staatspreis bewerben könne man sich, wenn der Betrieb fünf Jahre hintereinander an einer Brotprüfung teilgenommen habe und dabei die beste Bewertung erzielte.

Controlling für Bäcker

Im zweiten Teil der Versammlung stellte Betriebsberater Egid Egerer ein Controllingsystem für das Bäckerhandwerk vor.

Um auch auf finanzieller Seite einen reibungslosen Betriebsablauf zu garantieren, muss man sehr genau kalkulieren, eine nicht immer leichte Sache, die meist im Betriebsalltag etwas zu kurz kommt. Aus seiner Betriebserfahrung heraus hat Egerer daher eine Software entwickelt, die nach seinen Angaben zufolge einfach zu handhaben sei. Anhand verschiedener Beispiele stellte er den Zuhörern seine Betriebsberechnungen vor. Dieses „Back Control“ sei nicht an eine bestimmte Betriebsgröße gebunden und könne jederzeit betriebsintern erweitert werden.

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