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Fusion mit erhöhtem Zoff-Faktor

Andreas Wiedemann jun. mit Verkäuferinnen. (Quelle: Ried/Privat)+
Andreas Wiedemann jun. mit Verkäuferinnen. (Quelle: Ried/Privat)

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Die Zusammenführung von zwei Betrieben läuft zäher als gedacht – erst neues Personal bringt Entspannung

Von Roland Ried

Bayern Bad Tölz Mit etwas Abstand schaut Andreas Wiedemann auf das zu Ende gehende Jahr 2017 zurück: „Das erste halbe Jahr war eine Katastrophe“, sagt er und fügt an: „Nicht, was die Zahlen angeht, aber die in der Backstube war so schlecht, wie ich das noch nie erlebt habe.“

Dabei kann der 40-jährige Bäckermeister schon eine ganze Menge an Berufserfahrung vorweisen: Seit 2002 arbeitet Andreas Wiedemann als Geselle im familieneigenen Betrieb, der Tölzer Traditionsbäckerei Wiedemann, mit. Seit 2005 ist er Bäckermeister.

Und seit 2010 ist der verheiratete Vater zweier Kinder auch Inhaber der Bäckerei Wiedemann. Sein Vater, ebenfalls Andreas Wiedemann, hat sich in den vergangenen sieben Jahren verstärkt auf sein politisches Amt als zweiter Bürgermeister der Kreisstadt Bad Tölz konzentriert.

Wiedemann senior war es auch, der seinen Sohn in die jetzige Lage manövriert hat. Allerdings mit dessen voller Zustimmung hatte er den Zusammenschluss mit der ebenfalls alteingesessenen Bäckerei Gotz auf den Weg gebracht.

Zusammenschluss

als Problemlösung

Damit schien am Anfang diesen Jahres zusammenzukommen, was zusammengehört: Die beiden Hauptgeschäfte der Bäckereien lagen in der Tölzer Innenstadt keine 150 Meter voneinander entfernt. Mit dem Zusammenschluss konnten beide Seiten ihr Problem lösen.

Die Bäckerei Gotz, die bis Ende vorletzten Jahres vom Ehepaar Josef und Andrea Niedermaier geleitet wurde, hatte keinen Nachfolger in der Familie, aber seit 1993 eine Backstube mit rund 300 qm Produktionsfläche im Tölzer Gewerbegebiet. Die Bäckerei Wiedemann dagegen produzierte noch bis Ende 2016 in einer Kellerbackstube in einem historischen Altbauhaus in der Tölzer Innenstadt.

Zum 1. Januar 2017 kaufte die Bäckerei Wiedemann das Produktionsgebäude samt Ausstattung von Bäckerei Gotz und pachtete die insgesamt vier Verkaufsstellen. Die kamen zu den vier bestehenden Wiedemann-Filialen hinzu. Das alte Hauptgeschäft über der Backstube schloss Wiedemann noch im Januar.

Konzentration auf die

Aufgaben eines Landrats

Andrea Niedermaier, die vorher den Laden bei der Bäckerei Gotz geschmissen hatte, arbeitet nun in der Bäckerei Wiedemann mit. Für Josef Niedermaier hat der Verkauf zudem den Effekt, dass er sich ganz auf sein politisches Amt als Landrat konzentrieren kann.

Dass er ebenso wie Andreas Wiedemann senior den Freien Wählern angehört, lieferte der Lokalpresse Stoff für Überschriften wie etwa „Die Tölzer Semmel-Connection“.

Jede Menge Ärger in

der neuen Backstube

Die beiden Senior-Chefs stimmen zwar politisch überein, aber für Wiedemann junior ist die Politik nur eine leise Hintergrundmusik für den Zusammenschluss. „Unsere beiden Familien kennen sich schon sehr lange, und in den letzten 20 Jahren haben wir in verschiedenen Punkten immer wieder miteinander kooperiert.“

Das endgültige Zusammengehen war für den jetzigen Chef somit auch eine betriebswirtschaftlich folgerichtige Entwicklung. Umso mehr war Andreas Wiedemann irritiert, dass es umgehend „Zoff“ in der neuen Backstube gab.

Aus der Klammergasse wechselten fünf Produktionsmitarbeiter in die Backstube der ehemaligen Bäckerei Gotz. Mit Wiedemann junior und dem Backstubenleiter von Gotz prallten jedoch zwei völlig unterschiedliche Arbeitsphilosophien aufeinander, die sich nicht zusammenbringen ließen.

„Bei uns war immer gute Stimmung und Teamgeist in der Backstube. Ich kannte das nicht anders“, sagt Andreas Wiedemann. „Aber im ersten Halbjahr 2017 gab es viel Frustration und Unverständnis.“ Qualitätsprobleme waren die logische Folge, „obwohl wir einen Großteil der Gotz-Rezepte übernommen haben“.

Trennung von

Mitarbeitern löst das Problem

Letztlich gab es nur eine Lösung: Zusammen mit dem Backstubenleiter verließen vier der acht Gotz-Mitarbeiter die Backstube. „Jetzt ist die Stimmung wieder gut“, sagt Wiedemann. „Und die Qualität bekommen wir immer besser in den Griff“.

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