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Für den Erhalt gewachsener Verbandsstrukturen

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Verbands-Geschäftsführererin Ute Sagebiel-Hannich.

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Obermeister-Tagung des Bäckerinnungsverbandes Baden: Diskussion um „Strukturreform“ / Projekt „Personaloffensive Handwerk“ vorgestellt

Offenburg (biv). Die Obermeister-Tagung des Bäckerinnungsverbandes Baden stand ganz im Zeichen des Dialoges bzgl. der momentanen Diskussion über die Strukturreformen innerhalb des Handwerks.

Eingangs begrüßte Landesinnungsmeister Walter Augenstein die nahezu vollständig erschienenen Obermeister zu einer Arbeitstagung im Offenburger Hotel „Mercure“. Bevor er in die Tagesordnung einstieg, gedachte man stellvertretend für alle im vergangenen und diesem Jahr Verstorbenen dem Ehren-Obermeister der Bäckerinnung Karlsruhe, Robert Kratzmeier, der im Alter von 81 Jahren verstorben ist und sich um das badische Bäckerhandwerk sehr verdient gemacht hat. Ebenso dem früheren stellv. Vorsitzenden der Baden-Württembergischen Bäckerfachvereine, Siegfried Klinsmann, der vor einigen Tagen nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Verbandsvorsitzender Augenstein wies auf die Verabschiedung des Berufsbildungsreformgesetzes hin. Dieses beinhalte eine verstärkte Verschulung der beruflichen Bildung, der man entgegentreten müsse. Die Verlängerung der Probezeit von drei auf vier Monate sei jedoch eine positive Änderung, zudem habe der Ausbildungsbetrieb nunmehr einen Rechtsanspruch auf die Mitteilung der Ergebnisse der Gesellen- bzw. Abschlussprüfung. LIM Augenstein hob hervor, dass man in Gesprächen mit den Politikern die berufliche Bildungsförderung klar positionieren müsse, denn unter Berücksichtigung der vielen Gelder, die in Hochschulen und Universitäten fließe, dürfe der Staat die Notwendigkeit der finanziellen Förderung der Berufsschulen sowie der überbetrieblichen Ausbildung nicht vernachlässigen.

LIM Augenstein freute sich, dass beim BIV Baden zwei Erfa-Kreise erfolgreich gegründet wurden und die Beratungsarbeit für die Betriebe verstärkt und ausgebaut werde. Die Weichen hierzu habe man durch die Einstellung eines weiteren Beraters im Herbst 2004 gestellt, und er appellierte in diesem Zusammenhang an die anwesenden Obermeister, die Mitgliedsbetriebe zu motivieren, in wirtschaftlich schlechten Zeiten rechtzeitig Beratungen des Verbandes in Anspruch zu nehmen.

Geschäftsführerin Ute Sagebiel-Hannich führte in ihrem Rückblick auf das letzte halbe Jahr aus, dass bei der Verhinderung der Kennzeichnungspflicht für lose Ware ein beachtlicher Zwischenerfolg erzielt worden sei. Gegenüber dem Zentralverband habe das Verbraucherschutzministerium deutlich gemacht, dass die Regelungen betreffend der Kennzeichnung unverpackter Ware nicht – wie ursprünglich vorgesehen – in der vierten Änderungsverordnung, sondern in einer fünften, später vorzulegenden Verordnung festgelegt werden sollen. In zahlreichen Gesprächen mit dem BMVEL und den Fraktionen des Deutschen Bundestages, aber auch mit den Medien, habe der Zentralverband und alle Verbände des Bäckerhandwerks immer wieder mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass die Einführung einer Kennzeichnungspflicht für unverpackte Ware für das Bäckerhandwerk eine enorme Belastung bedeute. In diesem Zusammenhang müsse aber auch der Hinweis an die Betriebe, berechtigten Informationswünschen des Verbrauchers unbedingt auf geeignete Weise zu entsprechen, erneuert werden. Hier erweise sich das mittlerweile gut eingeführte und beim Zentralverband abrufbare Programm PIN-Backwaren als gute Hilfe. Der badische Verband habe diesbezüglich den Mitgliedern ein attraktives Schulungsprogramm zu bieten.

Aufgrund der Tatsache, dass insgesamt eine stärkere Überprüfung der Wirtschaftskontrolldienste im Bereich des Kennzeichnungsrechts zu beobachten sei, verwies die Verbandsgeschäftsführerin schon zu diesem Zeitpunkt auf zwei Änderungen, die zum 25. 11. 2005 pünktlich zur Weihnachtssaison greifen werden und die Kennzeichnung von Fertigpackungen betreffen. Zum einen gelte dann (bis auf eine geringe Ausnahme), dass auch bei zusammengesetzten Zutaten mit weniger als 25 Prozent Gewichtsanteile am Enderzeugnis die einzelnen Zutaten aufzuzählen seien. Ebenfalls bestehe die zusätzliche Verpflichtung zur Kennzeichnung von Zutaten, die allergische oder andere unverträgliche Reaktionen auslösen können. Dies gelte nicht, sofern die Verkehrsbezeichnung des Lebensmittels auf das Vorhandensein der jeweiligen Zutaten schließen lasse.

Zum zentralen Thema der Obermeister-Tagung „Erhalt der gewachsenen Strukturen des Bäckerinnungsverbandes Baden“, welches in einer nachfolgenden Diskussionsrunde ausgiebig erörtert wurde, merkte Ute Sagebiel-Hannich an, dass gerade aufgrund der engen Vernetzung zwischen den Mitgliedsinnungen und dem Verband der BIV Baden in der Vergangenheit so erfolgreich sein konnte.

Landesinnungsmeister Augenstein machte deutlich, dass es deshalb ein Anliegen des Verbandes sei, den Mitgliedsinnungen zu signalisieren, dass man für die Herausforderungen der Zukunft bereit sei, den Innungen zusätzliche Hilfestellungen anzubieten. Dies gelte insbesondere für die Übernahme von weiteren Geschäftsführungen für Innungen, wenn diese vor Ort qualitativ nicht mehr zu der Zufriedenheit der Innungen erledigt würden. Ein kooperatives Geschäftsführungsmodell könne dann auch im Sinne der von den Handwerkskammern gewünschten Organisationsreform im Handwerk für Entlastung sorgen. Eine Verpflichtung zu solchen Maßnahmen oder gar zu der Bildung einer Landesinnung bestehe aber keinesfalls.

Die Diskussion zeigte, dass die Mitgliedsinnungen des Bäckerinnungsverbandes Baden im Rahmen ihrer regionalen Situation unterschiedliche Lösungsansätze verfolgen. Die schon zusammengeschlossenen zwei Groß-Innungen sehen den Zusammenhalt der Mitglieder auch bei großen Einheiten als nicht gefährdet an und wollen auf einer breiten Basis effiziente Arbeit für die Mitglieder leisten.

Dem gegenüber stand jedoch das einheitliche Meinungsbild der Vertreter der kleineren und mittleren Bäcker-Innungen, die der personellen Vertretung vor Ort einen hohen Stellenwert einräumen und deshalb kleinere, überschaubare Strukturen bevorzugen. Festzustellen war jedoch auch hier, dass Kooperationen mit Nachbarinnungen auf verschiedenen Gebieten nahezu im gesamten Verbandsgebiet schon sehr erfolgreich praktiziert werden.

Als Referent konnte Dr. Peter Steinle von der BWHM GmbH in Stuttgart begrüßt werden, der das neue Projekt „Personaloffensive Handwerk Baden-Württemberg“ vorstellte, das im Rahmen des Europäischen Projektes „ Erfolgsfaktor Mitarbeiter: Führen und Fördern“ bis Ende 2007 durchgeführt wird. Ziel dieses Projektes sei es, den mittelständischen Handwerksbetrieben in Baden-Württemberg ein großes Kontingent an „Werkzeugen“ für das Personalmanagement zur Verfügung zu stellen, da durch Fehler bei der Personalführung grundsätzlich die Produktivität beeinträchtigt würde.

Diese Beeinträchtigung der Produktivität ergibt sich vor allem durch:

Mangelnde Planung und Steuerung, Schlechte Mitarbeiterführung- und Aufsicht, unzureichende innerbetriebliche Kommunikation. Weitere Gründe für die niedrige Produktivität liegen auch auf Arbeitnehmerseite: Fehlende Arbeitsmoral und mangelnde Qualifikation

Dabei gilt es, das vorhanden Steigerungspotenzial zu erkennen und zu nutzen, indem man Mitarbeiterpotenziale erkennt, weiterentwickelt und ausschöpft.

Praktische Kenntnisse über die Vorgehensweise werden in den Personal-Workshops vermittelt. Hier eine Auflistung der behandelten Themen:

Schwachstellen aufspüren, Abläufe optimieren, Einbindung der Mannschaft, Motivation zu zielorientiertem Handeln, absolute Kundenorientierung, gezielte Einstellungspolitik, Trennung – wenn nichts mehr geht.

Dieses Projekt sei in veranstaltungseinführende Personalforen sowie Workshops untergliedert. Bei den Personalforen gelte für die Teilnehmer eine Eigenbeteiligung von 39 Euro zzgl. Euro MwSt. Bei den Workshops, die sich in 8 Seminartage + 2 Einzelberatungs-TW pro Betrieb (10 Teilnehmende Betriebe) gliedern, belaufen sich die Kosten für die Teilnehmer auf 3300 Euro zzgl. MwSt.

Am Projekt interessierte Betriebe können sich ab sofort beim Bäckerinnungsverband Baden unter

Telelfon: (0721) 9323220 melden.

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