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Führungswechsel im Freistaat

Bayerische Verbandspitze (von links.): Josef Magerl, Peter Mück, Peter Landshuter, Harald Friedrich, Karl-Heinz Hoffmann,
Dr. Wolfgang Filter, Kurt Held, Heinrich Traublinger jun., Wolfgang Rhein.  (Quelle: Fischer)+Zur Fotostrecke
Bayerische Verbandspitze (von links.): Josef Magerl, Peter Mück, Peter Landshuter, Harald Friedrich, Karl-Heinz Hoffmann, Dr. Wolfgang Filter, Kurt Held, Heinrich Traublinger jun., Wolfgang Rhein. (Quelle: Fischer)

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Bayern

Nach mehr als zwei Jahrzehnten Amtszeit tritt Heinrich Traublinger als Landesinnungsmeister ab. Sein Nachfolger ist Karl-Heinz Hoffmann.

Als das Bayernlied erklang, zeigte er ein Gesicht, wie man es von ihm nicht kennt. 22 Jahre kämpfte er als Landesinnungsmeister für das bayerische Bäckerhandwerk. 22 Jahre gab er sich in der Sache oft hart wie kaum ein anderer Vertreter des Handwerks. Vergangenen Sonntag kämpfte mit den Tränen. Beim in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz übergab der 69-Jährige sein Amt. Und während er die Hymne am Ende mitsang, verrieten seine Augen, wie sehr ihn der Rückzug berührte.

Zum neuen Landesinnungsmeister wurde gewählt. Der Münchner Bäcker- und Konditormeister war bisher einer der beiden Stellvertreter von Traublinger. Als Hoffmanns Stellvertreter wählten die Delegierten Josef Magerl aus der Oberpfalz und Kurt Held aus Mittelfranken. Alle drei erhielten mehr als 95 Prozent der Stimmen und dankten den Kollegen für deren Vertrauen. Karl-Heinz Hoffmann: „Das ist eine große Ehre für mich, allein dass ich überhaupt für das Amt vorgeschlagen worden bin, macht mich sehr stolz.“

Vor den hatte Heinrich Traublinger das Wort. Er freute sich über die zahlreichen Ehrengäste, die gekommen waren; unter ihnen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Abgeordnete, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, Peter Becker, Hauptgeschäftsführer Amin Werner und der Vorstand der Bäko-Süd, Holger Knieling. „Sie sind wohl alle hier, um sich zu vergewissern, ob ich tatsächlich abtrete – aber ich tue es“, scherzte Traublinger zur Begrüßung. Dann zeigte er sich von der Seite, mit der sich weit über Bayern hinaus einen Namen gemacht hat – der politischen. Noch einmal brachte er als Landesinnungsmeister auf den Punkt, wo das Handwerk dringenden politischen Handlungsbedarf sieht.

Beispiel Energiepolitik: Bis zu sieben Prozent der Kosten der Betriebe seien Energiekosten. „Und es wird immer mehr“, sagte Traublinger. Massive Kritik übte er an der Umlage nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Wie stark das Bäckerhandwerk betroffen ist, verdeutlichte er am Beispiel seines eigenen Betriebs. Mit 39.000 Euro schlägt das EEG im Jahr zu Buche, hat er ausgerechnet. Dass die Regierung den Schwellenwert, ab dem Betriebe von einem Großteil der EEG-Umlage befreit sind, auf ein Gigawatt abgesenkt hat, bringe dem Handwerk überhaupt nichts. „Man hat gesagt, dass ist eine mittelstandsfreundliche Lösung. Ich weiß in ganz Bayern keinen Handwerksbetrieb, der so viel verbraucht.“ Traublinger bekräftigte seine Forderung nach einem Drei-Stufen-Modell: zehn, ein und 0,1 Gigawatt Jahresverbrauch als Schwellenwerte mit gestaffelter Kostenbefreiung.

Scharf kritisierte er auch das Verbraucherinformationsgesetz. Demnach müssen Behörden ab September im Internet auf Betriebe hinweisen, die bei Hygiene-Kontrollen negativ auffallen. Wenn ein Bußgeld von mindestens 350 Euro droht, kommt der Name des Unternehmens auf den Index im Web. Traublinger las aus Bußgeldbescheiden vor, die kürzlich gegen Bäckereien verhängt worden waren: Hohlkegelfließen im Lager beschädigt, Lackschaden an einer Maschine – wo sei da ein Gesundheitsrisiko? Mit der neuen Regelung „verlassen wir jede Rechtsgrundlage“, betonte er. Und er verwies auf ein Verfahren am Europäischen Gerichtshof, in dem die Rechtskonformität der Regelung geprüft wird. An den Ministerpräsidenten appellierte er, „nicht zu warten, bis der Gerichtshof entschieden hat, sondern das zu beseitigen“.

„Wortgewaltig und leidenschaftlich – so kenne ich ihn, so schätze ich ihn.“ Horst Seehofer, der trotz Termindrucks der Einladung des Bäckerhandwerks gefolgt war, griff Traublingers Kritikpunkte auf. Von Bußgeldbescheiden, die Lebensmittelkontrolleure gegen Bäcker verhängen, wolle er sich „selbst ein Bild machen“, sagte er und versprach einen Runden Tisch einzurichten. Klare Worte fand er für die Energiepolitik des vormaligen Bundesumweltministers. „Da ist ein Jahr versemmelt worden, weil nichts geschehen ist“, sagte Seehofer. Traublingers Stufenplan für die EEG-Umlage hält er für „geeignet“. Die Staatsregierung werde „dafür kämpfen“. Der CSU-Politiker nahm die Einladung zum Anlass, dem scheidenden Landesinnungsmeister für dessen Engagement zu danken. Er zählte Stationen im beruflichen und politischen Leben seines Parteifreundes auf und betonte: „Du hast immer Dein ganzes politisches Gewicht in den Kampf geworfen, ich zähle auch in Zukunft auf Dich.“

In die Zukunft und Vergangenheit blickte auch der Geschäftsführer des Verbandes, Dr. Wolfgang Filter. Filter stellte den Geschäftsbericht vor und erläuterte Tendenzen in der Branche. Und er beschrieb Schwerpunkte der Verbandsarbeit wie die Modernisierung und Erweiterung der Akademie des Bäckerhandwerks in Lochham. Die Flächenplanung sei erfolgt, Fördermittel seien beantragt, die Ausschreibung stehe an. Das Projekt sei auf einem guten Weg. Auch Filter nutzte die Gelegenheit, um Traublinger öffentlich zu danken. „Wir hatten eine hervorragende Zusammenarbeit.“

Dann endete dessen Amtszeit, es wurde gewählt. Neben Karl-Heinz-Hoffmann und den beiden Stellvertretern kamen in den Verbandsvorstand: Peter Mück (Schwaben), Heinrich Traublinger junior (Oberbayern), Peter Landshuter (Niederbayern), Harald Friedrich (Oberfranken) und Wolfgang Rhein (Unterfranken). Für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurden die Bäckermeister Hans Gotzler, Erich Stapel, Joachim Grosch und Manfred Gebel. Heinrich Traublinger senior wurde zum Ehren-Landesinnungsmeister ernannt. Der bedankte sich bei seinem Geschäftsführer und allen Mitabeitern und Weggefährten im Verband mit einem „Vergelt’s Gott“.

Landesinnungsmeister Traublinger spricht in München über die Situation im Bäckerhandwerk. Foto: H
WK-München
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