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Frischer Wind an der Waterkant

Der Verbandsvorstand (von links): Geschäftsführerin Bettina Emmerich-Jüttner, Landesinnungsmeister (LIM) Karl-Heinz Wohlgemuth, stellv. LIM Cord Buck, stellv. LIM Wilhelm Wolke, Torsten Hacke (Öffentlichkeitsarbeit), Wilfried Schnaare, Gerald Gilbert+Zur Fotostrecke
Der Verbandsvorstand (von links): Geschäftsführerin Bettina Emmerich-Jüttner, Landesinnungsmeister (LIM) Karl-Heinz Wohlgemuth, stellv. LIM Cord Buck, stellv. LIM Wilhelm Wolke, Torsten Hacke (Öffentlichkeitsarbeit), Wilfried Schnaare, Gerald Gilbert

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Niedersachsen und Bremen

Bäcker aus Niedersachsen und Bremen befassen sich beim Verbandstag mit Preisen und Guerilla-Marketing. Und sie starten eine Umfrage, die eine neue Entwicklung einleiten könnte.




Zielmarke längst nicht erreicht

Seit vielen Jahren sind die Betriebe zu zögerlich, wenn es um Preisanpassungen geht, sagt Karl-Heinz Wohlgemuth. Der Landesinnungsmeister in Niedersachsen und Bremen zieht beim Verbandstag einen ungewöhnlichen Vergleich. „Vor 25 Jahren hat die Bildzeitung so viel gekostet wie ein Brötchen. Heute ist das Blatt doppelt so teuer.“ Wohlgemuth hat noch ein andere Zahl parat, die deutlich macht, dass Betriebe nicht konsequent kalkulieren. Früher habe es geheißen, eine Verkäuferin sollte 120 D-Mark Umsatz in der Stunden machen. Von dieser Zielmarke – in Euro umgerechnet – sei man immer noch weit entfernt.

Bessere Zahlen erreichen können Betriebe freilich nicht nur, indem sie zeitnah Preise anpassen. Eine noch junge Idee schlägt der Unternehmensberater Heiko Ciesinksi vor. Der Name: Guerilla-Marketing. Die Taktik besteht darin, mit ungewöhnlichen Aktionen zu überraschen. Wirklich ungewöhnlichen Aktionen. So wie jene von Mary Woodbridge, die Ciesinksik beispielhaft nennt: Die 85-jährige Britin kaufte sich für die Spaziergänge mit ihrem Hündchen eine Bergjacke eines namhaften Herstellers. Begeistert von der Jacke kam ihr in den Sinn, den Mount-Evererst zu besteigen. Per E-Mail und eigener Homepage suchte Mary nach Sponsoren, in Bergsteiger-Foren im Netz bat sie um Tipps. Ergebnis: Mehr als 250 Berichte in Zeitungen, Radio und Fernsehen. Nicht schlecht für eine alte Dame, die der Phantasie des Jacken-Herstellers entsprungen ist, findet Ciesinki.

Auch Handwerker haben Guerilla-Marketing für sich entdeckt. Ciesinki berichtet etwa von einem Bäcker, der plötzlich einen Wecker auf seine Theke stellte. Immer wenn er klingelte, habe es was umsonst geben. „Das hat sich in der Stadt herumgesprochen.“ Mit pfiffigen Aktionen können Betriebe ohne großes Budget viel Aufmerksamkeit erzielen, betont der Experte.

Als effektive Marketinginstrumente, mit denen sich neue Zielgruppen erreichen lassen, gelten soziale Netzwerke wie Facebook, Xing oder Twitter. Der Bäcker und IT-Berater Markus Messemer hat sich für den Landesverband die bekanntesten Websites angesehen. Sein Fazit in Bremen: In so manchem Netzwerk sind die Risiken größer als Chancen. Zudem mache ein eigenes Profil in einem der Netzwerke nur Sinn, wenn man genug Zeit habe, seine Seiten regelmäßig zu aktualisieren.


Virtuelles Klassenzimmer

Der Verband sieht die Zeit gekommen, eine interaktive Plattform für die Weiterbildung ins Netz stellen. Voraussichtlich ab Juli werden unter baeckerwissen.de Web-Seminare abgehalten. Das „virtuelle Klassenzimmer“ ist ein Angebot der Bäckerfachschule in Hannover. Verbandsgeschäftsführerin Bettina-Emmerich-Jüttner: „Der starke Wettbewerbsdruck im Markt fordert von Handwerksbäckern eine wachsende Bereitschaft zur Fortbildung.“ Ein Pluspunkt des Online-Angebots: Teilnehmer sparen sich die Anfahrt.

Reichen Qualität und Quantität der Ausbildung für Zukunft? Diese Frage bewegt Leo Trumm, Leiter der Bäckerfachschule in Olpe und weiterer Referent auf dem Verbandstag. Er kritisiert, dass nicht alle Ausbilder das nötige pädagogische Verantwortungssbewusstsein zeigen. Auch setzten Betriebe von den möglichen Verfahren zur Auswahl von Lehrlingen zu wenige ein, es würden zu viele ausbildungsunfähige Lehrlinge eingestellt. Als Konsequenzen sieht Trumm neben einer sorgfältigen Auswahl: eine bessere Nutzung ergänzender Aus- und Fortbildungsmaßnahmen und eine stärkere Bindung von Mitarbeitern.

Letzters ist vor allem auch eine finanzielle Frage. „Wir müssen uns in die Richtung bewegen, dass wir als Arbeitgeber stärker wahrgenommen werden“, sagt Obermeister Herbert Meyer. Der Verband hat eine Umfrage zu Löhnen und Gehälten gestartet. Für Juli sind Sondierungsgespräche mit der Gewerkschaft vorgesehen.

 

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