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Reinhard Hesse erinnert sich an seinen Einstieg ins Berufsleben vor 50 Jahren
Nordrhein-Westfalen Kirchhundem (p). Anlässlich eines Jubiläums flatterte ein Brief in die ABZ Redaktion. Darin erinnert sich Reinhard Hesse an den Berufseinstieg vor 50 Jahren:
„Unser Berufseinstieg war damals kein Aprilscherz – dennoch mussten wir am ersten Tag dran glauben: Der eine hat beim Kollegen im Ort die ausgeliehene Korinthenflinte zurückholen müssen, der andere wurde geschickt, um Teighandschuhe zu besorgen. Als Lehrling am ersten Tag war man ja schüchtern und gehorsam. Einmal in der Woche Berufsschule – vorher schon drei Stunden Arbeit in der Backstube, dann um 7 Uhr mit dem Kraftverkehr nach Olpe. Unterrichtet wurde in der alten Berufsschule in der „Wüste“.
Gegen Mittag wurden die Augen immer schwerer. Unser Berufsschullehrer Herr Remmert erreichte dann seine Höchstform und warf gezielt mit seinem Schlüsselbund. Danach war man wieder hellwach.
In der Backstube wurde damals ein relativ überschaubares Sortiment gebacken: Schwarzbrot, Kasseler, Weißbrot, Bienenstich, Streuselkuchen und Krengel, Puddingteilchen, Apfeltaschen und eine Sorte Brötchen. Nicht zu vergessen Nussecken und Ochsenaugen.
Der alte gemauerte Backofen strahlte eine fast unerträgliche Hitze aus. Bevor die Brote in den Ofen kamen, wurde die Herdfläche mit der sogenannten Bäckerfahne gewischt. Es bedurfte einer ganz besonderen Technik, nicht selten landete die Bäckerfahne im eigenen Gesicht. Da half nur Übung.
Alle Arbeiten wurden von Hand erledigt. Beim Abwiegen des Brot- und Brötchenteigs hörte man des Öfteren: „Junge, denk dran: Augenmaß und Handgewicht ist des Bäckers erste Pflicht!“
Als Frischlinge im Bäckerhandwerk wurden wir an ganz wichtige Arbeiten langsam herangeführt. Fegen, Abwaschen, Aufräumen, Backbleche putzen … und im Sommer – zur Pflaumenkuchenzeit –Pflaumen entsteinen. Von den Gesellen bekam man ab und an auch mal eine Backpfeife – hat sicher nicht unbedingt geschadet.
Vier oder fünf Jahre nach der Gesellenprüfung wurde an der Bäckerfachschule Olpe die Meisterprüfung abgelegt – der Start in ein abwechslungsreiches Berufsleben. Unsere Lehrjahre waren sicher keine Herrenjahre, dennoch erinnern wir uns gerne an diese Zeit zurück.“
