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Erst Plastspritzguss, dann Tortenguss

Jacquelin Seemann backt ihren Kuchen noch traditionell. (Quelle: Schwittay)+
Jacquelin Seemann backt ihren Kuchen noch traditionell. (Quelle: Schwittay)

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Von der Plastspritzgusslackiererin über das Pädagogikstudium hin zur eigenen Bäckerei

Von Herbert Schwittay

Brandenburg

Karstädt Jacquelin Seemanns Berufsleben hat Umwege für sie bereitgehalten. Eine reguläre Bäckerlehre hat sie nicht gemacht. Ihre Eltern Jürgen und Marlies Ditten hofften, sie würde einen Lehrberuf ergreifen.

Zwar war sie als Kind oft in der Backstube, „damals habe ich aber überhaupt nicht daran gedacht, dass ich einmal die Bäckerei übernehmen werde.“ Bis sie im Jahr 2004 den Vater ablösen konnte, mussten noch einige Hürden genommen werden. „Ich habe das gern getan und niemals den Gedanken gehabt, verpflichtet zu sein, die Nachfolge anzutreten.“

Studium nach

der Ausbildung

Nach der Schule, noch zu DDR-Zeiten, lernte sie Plastspritzgusslackiererin. Sie absolvierte ein Pädagogikstudium und arbeitete als Kindergärtnerin.

Nach der Wiedervereinigung wuchs ihr Interesse an der Herstellung von Brot, Brötchen und Kuchen. Ein ehemaliger Berufsschullehrer motivierte Seemann, „dass ich mich endgültig für den Beruf einer Bäckerin entschieden habe.“

Mit ihrer Qualifikation und dem vorhandenen Wissen wäre die Gesellenprüfung der richtige Weg gewesen. Im weiteren Verlauf auch der Meister. Da aber winkte die damals 28-Jährige ab. „Ich hätte ja unseren Familienbetrieb und das gesamte Umfeld verlassen müssen.“ Zu praktischen Übungen bei Kollegen ließ sie sich überreden.

Ohne Probleme

zur Ich-AG

Sie reichte bei der IHK einen Antrag auf eine Ich-AG ein. Die zuständige Stelle bescheinigte ihr daraufhin sehr gute Voraussetzungen für ein Gelingen im neuen Beruf. Ihre umfangreiche Vorbildung sicherte ihr eine Ausnahmegenehmigung, den Betrieb zu übernehmen, ohne eine Meisterprüfung abgelegt zu haben. Einen Lehrgang, nach dem sie zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigt war, besuchte sie auch.

Grundlegend verändert hat Seemann nichts. „Hier in der Region Prignitz herrscht eine relativ hohe Altersstruktur vor. Da kann man nicht einfach mal moderne Formen unterbringen. Hier wird das Traditionelle gelebt.“

Deshalb hat Jacquelin Seemann weder Filialen eröffnet, noch schickt sie Verkaufswagen übers Land. „Ich konzentriere mich auf ein handwerkliches Konzept, wo Rezepturen jahrzehntelang Bestand haben und in der Verarbeitung so auch von der Kundschaft verlangt werden. Es ist die sauberste Sache, wenn eine Bäckerei von dem leben kann, was in der Backstube entsteht und im Laden verkauft wird.“

Schwarzbrot

nach alter Tradition

Die meisten Arbeitsabläufe werden per Hand erledigt. Beim ballaststoffreichen Teig des traditionellen Schwarzbrotes ist Muskelkraft gefragt. Angebacken in einem Ofen, wird es danach in einem weiteren Ofen ausgebacken. So war das schon beim Vater. „Wir haben kein Geheimrezept, vielleicht sind es die Abläufe beim Backen, die den Geschmack hervorheben.“

Saisonal ist ein Schlagwort, wenn es um das reichhaltige Angebot bei der Verarbeitung geht. Kürbis im Herbst, Erdbeeren und Kirschen im Sommer, aber nie großartige Experimente: „Bodenständig bleiben, so läuft es.“

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