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Erfurter „Schittchen“ mit guter Qualität aufgetischt

Erfurts Bürgermeister Dietrich Hagemann ließ sich von Verkaufs-Lehrling Janiné Hameister zu einer Schittchen-Verkostung „verführen“. +Zur Fotostrecke
Erfurts Bürgermeister Dietrich Hagemann ließ sich von Verkaufs-Lehrling Janiné Hameister zu einer Schittchen-Verkostung „verführen“.

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Erste öffentliche Stollenprüfung der Bäckerinnung in der stark frequentierten Sparkasse Mittelthüringen

Mit einer Premiere warteten die rund 30 Mitgliedsbetriebe der Bäckerinnung Erfurt in der Adventszeit auf: Erstmals ließen sie ihre „Schittchen“ – die Erfurter Variante das Christstollens – in einer öffentlichen Prüfung begutachten. Michael Isensee vom Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks begutachtete dabei in der stark frequentierten Hauptstelle der Sparkasse Mittelthüringen am Anger der Landeshauptstadt fast drei Dutzend Stollen, darunter auch einige Exemplare aus dem Bereich der benachbarten Ilmkreis-Innung. Gern habe das Geldinstitut seine Räume für diese erste öffentliche Stollenprüfung zur Verfügung gestellt, unterstrich Patrick Schmidt, Marktbereichsleiter Erfurt der Sparkasse Mittelthüringen. „Unsere Sparkasse ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner des einheimischen Mittelstandes, und viele unserer Privatkunden kaufen Brot, Brötchen und anderes Backwerk traditionell bei ihrem Bäcker um die Ecke ein - was lag da näher, als diese gemeinsamen Interessen mit der Schittchen-Prüfung in unserer Hauptstelle zu dokumentieren.“

„Mit dieser ersten öffentlichen Stollenprüfung beschreiten wir neue Wege, um uns und unsere Spezialitäten den potenziellen Kunden besser als bisher zu präsentieren“, ergänzte Eberhard Michalowski, Obermeister der Erfurter Bäckerinnung. Der 44-jähriger Bäcker- und Konditormeister, der seinen Produktionsbetrieb in Elxleben und drei Filialen in Erfurt und Gispersleben unterhält, hat dazu bewusst den Schulterschluss mit den Konditoren gesucht: Gemeinsam wurde ein neues werbeträchtiges „Schittchen-Siegel“ entwickelt, das nunmehr die Mitgliedsbetriebe beider Handwerksinnungen für die Vermarktung ihrer Stollen verwenden können. „Wir Lebensmittelhandwerker sitzen in einem Boot und müssen gemeinsam und möglichst in die gleiche Richtung paddeln, um die momentanen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden und dem Verbraucher den Weg zu ihrem Bäcker oder Konditor zu zeigen“, betont der Obermeister.

Und das gelingt am besten mit einer guten Qualität der Backwaren, in der Vorweihnachtszeit natürlich besonders mit dem Stollen. „Den heute eingereichten Proben, darunter Thüringer Butterstollen, Quark-, Mandel- und Mohnstollen sowie Butter-Rosinenstollen, kann ich durchweg eine gute Qualität bescheinigen“, fasste Michael Isensee seine Prüfergebnisse zusammen.

Fast nebenbei erfuhr der Fachmann, dass der Erfurter Stollen eigentlich aus dem anhaltinischen Naumburg stammt: Dort diente das Gebäck aus Mehl, Hafer und Wasser anno 1330 als Fastenspeise für die Adventszeit, denn es wurde gänzlich ohne jeden Zusatz tierischen Fettes gebacken. In Form und Aussehen galt dieses Backwerk als Versinnbildlichung des in Windeln gehüllten Christkindes, wobei es im Geschmack nur wenig an die heute bekannten Weihnachtsstollen erinnerte. Nach der Lockerung des strengen Winterbackverbotes durch den Papst beginnt die Geschichte des Thüringer Weihnachtsstollens nach der Mitte des 15. Jahrhundert, wobei sich über die Jahrhunderte einige kleine Besonderheiten ergeben haben: Der Thüringer Stollen habe ohne große Mengen Marzipan eine größere verwandtschaftliche Nähe zum Naumburger „Ur-Stollen“ und wird in der Mitte mit einem Scheit versehen, der nach dem Backen die zerlassene Butter besser aufnehmen kann. Dieser Scheit in der Mitte – ein Schnitt in Längsrichtung – dürfte wohl auch der Grund dafür sein, das der Thüringer Stollen als „Schittchen“ bezeichnet wird.

Den interessierten Zuschauern der Schittchen-Prüfung erklärte Manfred Isensee, dass in die Bewertung dieses leckeren Backwerkes nicht nur Form, Aussehen und Krusteneigenschaften einfließen: Neben Lockerung und Krumenbild, Elastizität und Struktur wird beim Stollen Wert auf den Geruch und vor allem auf das Aroma gelegt. „Und da können sich die Erfurt Schittchen mehr als sehen lassen“, lobte der Prüfer und lud das Publikum zum Verkosten der einzelnen Proben ein. Davon machte auch Bürgermeister Dietrich Hagemann Gebrauch und kaufte, wie viele andere Sparkassenkunden auch, gleich einen Stollen für die Weihnachtszeit. Der Verkaufserlös kam der Schule im südrussischen Beslan zugute: Die schrecklichen Ereignisse dort haben viele Einwohner der Domstadt an das Drama am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vor knapp zwei Jahren erinnert.

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