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Erfolgreich durch die Jahreszeiten

Die Familie Siener (von links): Anita, Heinrich, Horst, Birgit, Lena. (Quelle: Wenzel)+
Die Familie Siener (von links): Anita, Heinrich, Horst, Birgit, Lena. (Quelle: Wenzel)

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Bäckerei Siener steigert Umsatz mit regionalen und saisonalen Angeboten / Keine Expansion und Sonntagsarbeit

Rheinland-Pfalz Bodenheim (wen). In der Bäckerei Siener sind die Umsätze in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Dafür gibt es drei Gründe: erstens die Qualität der Backwaren, zweitens die Kundennähe und drittens die saisonalen Angebote.

Oft gilt: Je knapper das Angebot, desto höher die Nachfrage. Davon profitiert auch Horst Siener. Der Bäckermeister hat bestimmte Produkte nur für einige Zeit im Angebot. Im Frühjahr gibt es Spargelbrot und Quarkhasen, im Herbst Kastanienbrot und Lauchschnecken, im Winter Stollen und Plätzchen. „Die Kunden freuen sich, wenn bestimmte Produkte wieder im Angebot sind und greifen zu“, sagt Siener. Der saisonale Fokus rechnet sich nicht nur, sondern passt zur Unternehmensphilosophie. Siener setzt auf regionale und damit auch saisonale Zutaten. Den Spargel liefert ein befreundeter Bauer, die Aprikosen wachsen im Nachbarort, das Mehl mahlt eine Mühle in Rheinhessen.

Der 44-Jährige betreibt die Bäckerei zusammen mit seiner Frau Brigit und führt eine Familientradition fort. Sein Großvater Georg Siener gründete das Unternehmen 1920. Im Jahr 2003 übernahm Heinrich Siener, der Vater von Horst Siener, die Geschäfte. Der 84-Jährige steht heute noch in der Backstube, zwölf Jahre nach der Betriebsübergabe an seinen Sohn. Für den Senior ist die Bäckerei ein Jungbrunnen. Er sagt: „Wenn ich morgens aufstehe, tut mir alles weh. Aber nach einer halben Stunde in der Backstube sind meine Schmerzen komplett verschwunden. Backen ist mein Lebensinhalt.“

Verkaufsraum und Backstube stehen schon immer an der gleichen Stelle, mitten in der Altstadt. Früher wohnten 3000 Menschen hier, heute sind es 7000. Das Leben hat sich in Neubaugebiete verlagert, auf der grünen Wiese entstanden Supermärkte. Der Bäckerei Siener geht es trotzdem gut. In der Umgebung betreiben zahlreiche Winzer Straußenwirtschaften und machen damit indirekt Werbung für die Bäckerei. Siener liefert Brot und Weinstangen an die Straußenwirtschaften. „Es kommt oft vor, dass Touristen und Wanderer so begeistert von dem Brot sind, dass sie nach ihrem Ausflug bei uns vorbeischauen. Die Zusammenarbeit mit den Straußenwirtschaften ist für uns beste Werbung“, sagt der Unternehmer. Als weitere Werbemaßnahmen öffnet Siener gelegentlich die Türen der Backstube und zeigt Interessierten wie Brote und Brötchen entstehen. „Ich habe das Gefühl, dass die Schere bei den Kunden weiter auseinandergeht“, sagt Siener. „Es gibt Kunden, die legen Wert auf Qualität und sind bereit, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen. Und es gibt Kunden, denen es egal ist, was sie kaufen, Hauptsache der Preis stimmt.“ Kunden, die Wert auf Qualität legen, laufen oder fahren zur Bäckerei Siener. Dafür nehmen sie manchmal weite Wege auf sich, aus Frankfurt am Main oder Rüsselsheim.

Der Kunde ist König in der Bäckerei Siener. Das gilt auch für ungewöhnliche Anfragen. Ein Mann wünschte sich zu seinem Geburtstag Pastel de Nata. Er hatte die Blätterteigteilchen mit Pudding in Portugal entdeckt und war davon begeistert. Der Kunde brachte Siener ein Rezept, das er im Internet gefunden hatte. Siener verfeinerte und verbesserte es. Mit Erfolg: Der Kunde war begeistert und die süßen Teilchen sind momentan der Renner im Sortiment. Das Geschäft läuft gut. Die Umsätze stimmen, vor allem am Samstag. Neben Brot und Backwaren bringen Torten und Kuchen Geld in die Kasse. Sie tragen zwischen 20 und 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Horst Siener ist Konditormeister.

Weniger wichtig für den Gesamtumsatz sind Handelswaren und Snack-Angebote wie belegte Brötchen. Am Sonntag bleiben Backstube und Verkaufsraum geschlossen. Die Familie hat sich bewusst dafür entschieden, an diesem Wochentag nicht zu öffnen. „Was bringt es uns, wenn wir etwas mehr Geld einnehmen, aber dafür krank werden“, sagt Siener. Im Januar schließt die Familie das Geschäft komplett für eine Woche, im Sommer für drei Wochen.

In naher Zukunft wird der Verkaufsraum modernisiert. Nach dem Umbau soll das Geschäft rustikal und gleichzeitig filigran und modern wirken. Weitere Filialen sind nicht geplant. „Wir hatten immer nur einen Verkaufsraum und werden dabei bleiben“, sagt Siener. Er hat mit Kollegen über eine Expansion gesprochen. Sie rieten ihm davon ab: „Entweder du eröffnest mindestens zehn Filialen oder lässt es lieber bleiben.“ Siener hat sich für letzteres entschieden. Er konzentriert sich auf das, was für seinen Erfolg wichtig ist: Qualität, Kundennähe und saisonale Angebote.

Alles im Griff: Heiko Koch vor seinem Laden, an den sich die Produktionshalle anschließt.
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