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Der holprige Weg zu mehr Mehrweg

Recup – Synonym wider die Wergwerfmentalität. (Quelle: Unternehmen)+
Recup – Synonym wider die Wergwerfmentalität. (Quelle: Unternehmen)

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Als eine Bäckerei das System nicht mehr aktiv bewarb, ließ das Interesse der Kunden deutlich nach

Von Marianne Quelle

Bayern Rosenheim Pro Jahr werfen die Deutschen fast drei Milliarden Coffee-to-go-Becher in den . Das sind rund 7,6 Millionen am Tag und 320.000 in der Stunde. Die Herstellung verbraucht mehrere zehntausend Tonnen Holz und Kunststoff sowie ein paar Milliarden Liter Wasser. Mit der Energiemenge, die bei der Produktion anfällt, könnte sich eine Kleinstadt ein Jahr lang versorgen.

Überlegt, wie das geändert werden könnte, haben bereits einige – eine sinnvolle Umsetzung stammt beispielsweise von Fabian Eckert und Florian Pachaly, die 2016 das Recup-Pfandsystem in Rosenheim eingeführt und mit ansässigen Bäckereien getestet haben.

Ein Becher soll 500-mal

benutzt werden können

Das gleichnamige Unternehmen mit Sitz in München ist mittlerweile deutschlandweit bekannt und zählt rund 20 Mitarbeiter. 2018 wurde Recup von der Unternehmerplattform Gründer.de als Startup des Jahres ausgezeichnent.

Die Pfandbecher heißen wie das Unternehmen: Recups. Sie sind recycelbar und bis zu 500-mal einsatzfähig. Momentan beteiligen sich 1399 Partner an 2038 Standorten in Deutschland am Recup-Becherpfandsystem. Leere Becher können bei jedem teilnehmenden Betrieb abgegeben werden. Den Pfand von einem Euro, den Kunden beim Kaffeekauf hinterlegen, erhalten sie zurück.

Zahl der Betriebe

ist rückläufig

Zwischenzeitlich waren es schon mehr Betriebe, die sich beteiligt haben. Das Interesse der Kunden flaut jedoch wieder ab, wenn das Konzept nicht aktiv beworben wird. So war es auch bei der Bäckerei Miedl, die sich seit der Testphase mit sechs Filialen in Rosenheim beteiligt, nicht aber mit den 14 weiteren Filialen im Landkreis.

Dort sei das Handling zu kompliziert, sagt Julia Reiser von der Bäckerei und ergänzt: „Wie viele Becher aber gerade im Einsatz sind, kann ich nicht sagen.“ Anfangs machte die Bäckerei fleißig Werbung – mittlerweile macht sie es nicht mehr.

Ein Besuch in einer Miedl-Filiale zeigt: Die Becher stehen zwar in der Theke, teilen sich den Platz aber mit eigenen Miedl-Mehrweg-Plastikbechern sowie herkömmlichen Einweg-Pappbechern. Einen Hinweis für die Kunden, was Recup ist und welche Vorteile es mit sich bringt, gibt es nicht (mehr).

Dazu kommt das „Deckelproblem“: Immer noch erhalten die Kunden Plastik-Einwegdeckel, so wie es bei vielen anderen Partnern bis März 2018 ebenfalls der Fall war. Erst seitdem bietet Recup auch Mehrwegdeckel an – allerdings als „Kauf“, nicht als Pfanddeckel.

Das Problem

mit der Hygiene

Denn, so das Startup, das Handling mit dem Spülen sei zu aufwendig. Je nach Gastro-Spülmaschine können nicht alle Partner garantieren, die Ecken und Kanten der Deckel immer 100-prozentig reinigen zu können. Für die Kunden sei es angenehmer, einen eigenen und somit hygienisch einwandfreien Deckel mitzubringen. Dieses Angebot komme gut an, sagt Sarah Kolb, Kundenmanagerin bei Recup, im ABZ-Gespräch. Die Deckel seien ausverkauft.

„Das an sich ist gut, die monatlichen Ausgaben sind nicht zu hoch, müssen jedoch auch reingeholt werden“, resümiert Julia Reiser. „Das ist bei uns nicht immer der Fall. Wir überlegen immer wieder, ob wir das System Recup weiterhin bei uns laufen lassen sollen oder nicht.“

Die Bäckerei Kamm in Hagen setzt auf das neue Becher-Modell.
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