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Dank App sind die Regale abends leerer

Bei Marcus Ostendorf sind die Backwaren fast ausverkauft: Übriggebliebene Brote gehen via App an Kunden. (Quelle: Höhne)+
Bei Marcus Ostendorf sind die Backwaren fast ausverkauft: Übriggebliebene Brote gehen via App an Kunden. (Quelle: Höhne)

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Die Bäckerei Möhring verkauft restliche Backwaren über das Internet / Kunden erwerben eine „Wundertüte“

Von Steffen Höhne

Sachsen-Anhalt Barleben Eine halbe Stunde vor Ladenschluss sind die Regale der Bäckerei Möhring beinahe leer. „Früher haben wir einen großen Teil der entsorgt“, sagt Kerstin Ostendorf. „Doch damit ist Schluss.“ Die Bäckermeisterin füllt die restlichen frischen Backwaren in mehrere Tüten. „Gleich werden die von Kunden abgeholt“, sagt sie.

Per eine

Brötchentüte ordern

Die 54-Jährige leitet in sechster Generation die Bäckerei in Barleben. Ihr Sohn Marcus möchte den Betrieb mit 13 Mitarbeitern weiterführen.

Einen Teil der Waren für die Tonne zu produzieren, war für sie ein „Ärgernis“. Ostendorfs versuchten, liegengebliebene Backwaren am kommenden Tag verbilligt anzubieten – doch sie blieben Ladenhüter. Dann hatte Marcus die Idee: per App Lebensmittel retten. Das dänische Start-up „Too good to go“ („Zu gut zum Wegwerfen“) bietet eine Plattform dafür.

Kerstin Ostendorf war zunächst skeptisch, ob das in der ländlichen Region funktioniert. Die Investitionskosten waren mit 100 Euro für ein neues Firmen-Smartphone gering. Per Werbezettel machte die Bäckerei auf das neue Angebot aufmerksam.

So geht’s: Kunden können sich tagsüber für eine Backwarentüte am Abend voranmelden. Preis: 3,50 Euro. Die Bäckerei füllt übrig gebliebene Backwaren wie Brote, Brötchen und Kuchen in die Tüten, die zu festgelegter Zeit abgeholt werden können. So kaufen die Kunden „eine Art Wundertüte“, sagt Marcus Ostendorf. Der Warenpreis liege zwischen zwölf und 17 Euro.

Die App nutzen nach Angaben des Start-ups in Deutschland bereits 2400 Partnerläden, vorwiegend Gaststätten in Großstädten. Eine Million Nutzer seien angemeldet.

Das Unternehmen will damit die riesigen Lebensmittelverluste begrenzen – verdient aber auch gut daran: Pro verkaufter Portion 1,09 Euro. Bei angegebenen Durchschnittspreisen bis 3,50 Euro ist das ein Drittel der Einnahmen. Das Start-up hält die Läden zudem dazu an, die Waren „mindestens 50 Prozent günstiger als den Originalpreis“ anzubieten. Dadurch soll verhindert werden, dass die teilnehmenden Partner extra für die App mehr produzieren.

Junge wie alte Kunden

nutzen die Plattform

Die Ostendorfs waren überrascht, dass nicht nur jüngere, sondern auch ältere Kunden das Angebot nutzen. Ein zusätzlicher Absatzkanal sei die App jedoch nicht. Dafür seien die angebotenen Mengen zu gering.

Die Anzahl der Tüten kann variieren. Kunden könnten also nicht auf den Kauf vorbestellter Tüten bestehen. „Der Fokus liegt auf Müllvermeidung“, so Ostendorf. Etwa 1260 Tüten wurden so seit Anfang 2017 verkauft.

Die App ist zugleich Marketinginstrument. „Da die Kunden keinen Einfluss auf die Wahl der Backwaren haben, probieren sie neue Produkte“, so der Bäcker. Nicht wenige würden Tage später in den Laden kommen und nachfragen, um welches „leckere Baguette“ es sich gehandelt habe. So sorge die App für weniger Müll und treue Kunden.

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