Regional

„Lebensmittel sind zum Leben da“

OM Wind von der Bäckerinnung Ulm kritisiert fehlgeleitete Umweltpolitik und mahnt gute Ausbildung an


Baden & Württemberg

:Ulm-Seligweiler (mde). „Lebensmittel sind zum Leben da und nicht zum Verheizen“, dies war der Kernsatz in den Ausführungen des Obermeisters der Bäckerinnung Ulm, Helmut Wind, mit denen er die Hauptversammlung der Innung einleitete. Er kritisierte dabei scharf die „fehlgeleitete Umweltpolitik, die unter anderem für die rasanten Rohstoffpreisexplosionen verantwortlich ist und entgegen jeder Vernunft weitergeführt wird“. Besonders die gestiegenen Getreidepreise machten dem Bäckerhandwerk zu schaffen, so Wind. Er könne es überhaupt nicht verstehen, dass laut Brüsseler und Berliner Beschlüssen auch künftig Subventionen für stillgelegte Flächen bezahlt würden und die Bioenergieförderung weiter betrieben werde. Laut einem internen Bericht der EG-Kommission verursache das Ziel, den Marktanteil von Bio-Kraftstoffen im Verkehr auf zehn Prozent zu erhöhen, Nettokosten von 65 Milliarden Euro. Auch die Zielsetzung, durch Bio-Kraftstoffe einen Beitrag zur Treibhausreduzierung zu leisten, sei eindeutig verfehlt worden. Die Verwendung von Getreide für Bio-Kraftstoffe statt für Lebensmittel habe inzwischen die Sozial- und Umweltprobleme gefährlich erhöht, wie die weltweiten Unruhen zeigten, welche die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln ausgelöst hätten. Statt einer veränderten Politik werde durch immer neue Vorschriften, wie die Verpackungsverordnung, „staatliche Preistreiberei“ betrieben.

Zur Ertragslage der Betriebe sagte Wind, dass sich das Bäckerhandwerk nach seiner Überzeugung nicht über den Preis, sondern über das Produkt und seine Qualität definieren müsse. „Man muss auch den Mut haben, das eigene Sortiment etwas zu verkleinern. Teuere Rohstoffe und arbeitsintensive Produkte, die sich nur langsam verkaufen, sollte man aus dem Sortiment streichen und durch feine, frische Hefeprodukte ergänzen, bei denen der Ertrag und der materielle Aufwand stimmen.

In Sachen Ausbildung müsse die Selbstverantwortung das Maß aller Dinge sein. Die Betriebe sollten das Wort „Ausbildung“ wörtlich nehmen. Nur mit einer guten Ausbildung werde das Bäckerhandwerk zukunftsfähig bleiben. „Wer heute den Kopf in den Sand steckt wird, morgen mit den Zähnen knirschen“, so Wind.


Artikel vom 09.05.2008
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