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Bayern
Jahrespressekonferenz des LIV Bayern: Kostensteigerungen nur schwer weiterzugeben
Nach mehr als zehn Jahren kann das bayerische Bäckerhandwerk 2006 zum ersten Mal die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland übertrumpfen. Umsatzzuwächse von 3,5 bis 3,6 Prozent im ersten Halbjahr stimmen Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger optimistisch. Seit dem Umsatzeinbruch von 2003 (2184 Mio. Euro) hat die Branche wieder konsequent zugelegt. Schon im vergangenen Jahr hatte man mit 2275 Mio. Euro rund 37 Millionen mehr erwirtschaftet als im Vorjahr, auch wenn der Stand von 2001 (2345 Mio. Euro) bislang noch nicht wieder erreicht wurde. Laut Traublinger befinde sich das bayerische Bäckerhandwerk in einer Konsolidierungsphase, in der die Unternehmen auch politische Unterstützung brauchen, um sich zu stabilisieren.
Trotz positiver Umsatzprognose für die derzeit 3378 handwerklichen Bäckereien in Bayern, ist die Ertrags- und Gewinnsituation nach wie vor angespannt. Insbesondere die kleinen Betriebe lagen unter Berücksichtigung aller kalkulatorischen Kosten in den vergangenen Jahren im Minus. 2005 wurde hier zum ersten Mal wieder ein positives Ergebnis erzielt. Im mittleren Segment wechselten die Jahresergebnisse zwischen Plus und Minus, wobei manches Mal auch eine „schwarze“ oder „rote“ Null dabei war. Lediglich die größeren Betriebe hätten auch in den kritischen Jahren in der Mehrzahl den Plusbereich halten können.
Landesinnungsmeister Traublinger glaubt nicht, dass seine Mitglieder die Mehrwertsteuererhöhung dazu nutzen werden, eine versteckte Preiserhöhung vorzunehmen. „Wenn es uns nicht gelungen ist, die tatsächlich massiv gestiegenen Energiekosten über die Preise an den Verbraucher weiterzugeben, wird wohl kein Bäcker versuchen, eine Mehrwertsteuererhöhung, die bei Lebensmittel ja gar nicht stattfindet, zum Anlass für Preiserhöhungen zu nehmen.“ Dass mancher aufgrund der aktuellen Situation im Betrieb gegebenenfalls völlig neu kalkulieren müsse, sei allerdings dahingestellt.
Die von mehreren Bundesländern geäußerte Absicht, die Ladenöffnungszeiten weitgehend freizugeben, lehne das Bäckerhandwerk generell ab. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass längere Öffnungszeiten zu mehr Umsatz und Arbeitsplätzen führen könnten.
Als guten Wurf wertete der Präsident des Bayerischen Handwerkstages die ebenfalls vom Kabinett verabschiedeten Leitlinien für eine Reform der Unternehmensbesteuerung – insbesondere das generelle Ziel eines Steuersatzes von unter 30 Prozent und die Einbeziehung der Personenunternehmen.
Um seine Zukunft zu sichern, muss das Handwerk schon heute qualifizierte Jugendliche für eine Bäckerlehre motivieren. Neben den Ausbildungs- und Imagekampagnen, die auf allen Verbandsebenen laufen, könnte auch das neue bayerische Hochschulgesetz helfen, Jugendliche fürs Handwerk zu gewinnen. Seit Juni 2006 wird nach Artikel 45 besonders qualifizierten Absolventen der Meisterprüfung der fachgebundene Zugang zu den bayerischen Fachhochschulen eröffnet. Damit können die 20 Prozent Besten eines Jahrgangs in Fachbereichen, die der Meisterprüfung fachlich entsprechen, ein Studium aufnehmen, wenn sie vorher ein Beratungsgespräch an der jeweiligen Fachhochschule absolviert haben. Für den Bäckermeister bedeutet das, dass er neben der Betriebswirtschaftslehre die Studiengänge Lebensmitteltechnologie, Biotechnologie, Ernährungs- und Versorgungsmanagement absolvieren kann.
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