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Anja, Christina und die „Broot-Tüüt“

Anja Kromer (links) und Christina Lehmann haben die „Tüüt“ erfunden. (Quelle: Pat Scheidemann/Umtüten)+
Anja Kromer (links) und Christina Lehmann haben die „Tüüt“ erfunden. (Quelle: Pat Scheidemann/Umtüten)

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Mit einer wiederverwendbaren Brötchentüte aus Bio-Baumwolle fordern Kieler Studentinnen auf zum „Umtüten“

Von Dorothee Hoenig

Schleswig-Holstein Kiel „4000 Papiertüten in der Woche gingen etwa über unseren Verkaufstresen in der Bäckerei und im Café Knuust“, sagt Pawel Leon Bolt. „Und viele davon landen nicht im Altpapier, sondern im nächsten Mülleimer an der Straße“, beklagt der 33-Jährige.

Jetzt hat er umgestellt, und mit dem Projekt „Umtüten“ gelingt es ihm, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und dabei für seine Bäckerei zu werben.

Mit der „Broot-Tüüt“ die

Einwegproblematik angehen

„Umtüten“ bedeutet in Kürze: Der Kunde kauft beim Bäcker eine „Broot-Tüüt“, das ist ein kleiner Baumwollsack, den er zu jedem Einkauf wieder mitbringt. Oder es ist die „Snack-Tüüt“, mit der er Snacks transportieren kann.

Anbieter der „Tüüten“ sind zwei Kieler Studentinnen, die 2016 mit ihrem Non-Profit-Unternehmen „Umtüten“ gestartet sind. Ihre ersten Kunden waren die Bäckerei Knuust und die Bäckerei „Restez“ in Kiel. „Die Einwegproblematik beschäftigt uns schon länger“, sagt die 26-jährige Studentin Christina Lehmann von „Umtüten“.

Mit ihrer Kommilitonin Anja Kromer zusammen entwickelte sie die wiederverwendbare „Brot-Tüüt“ sowie die „Snack-Tüüt“. 2016 reichten die beiden ihr Projekt bei einem Ideenwettbewerb zum Thema Nachhaltigkeit ein und gewannen 2000 Euro, das Startkapital für Materialien, Entwicklung und Marketing.

Die Kunden lieben

das „Umtüten“

Jetzt läuft das Projekt, und der Einzelkunde, der über die Internet-Seite www.umtueten.org bestellt, zahlt 6,40 Euro für die „Broot-Tüüt“ und 7,90 Euro für die „Snack-Tüüt“. Bei größeren Mengen, zum Beispiel für Bäcker, liegen die Preise niedriger.

„Unsere Kunden schätzen die Brot- und Snack-Tüten“, sagt Bäckermeister Bolt. Die Bäckerei Knuust gibt die „Tüüten“ an ihre Kunden zum Einkaufspreis zur Nutzung weiter.

Der Name „Umtüten“ ist dabei wörtlich zu nehmen: „Wegen der Hygienevorschriften füllen unsere Verkäuferinnen Körbe mit der Bestellung und stellen diesen auf den Tresen. Der Kunde befüllt seine Broot-Tüüt dann selbst“, erklärt der Kieler Bäckermeister.

Nachhaltigkeit in

jeder Hinsicht

„Ein nachhaltiger Herstellungsprozess der Tüten ist uns wichtig“, sagt Christina Lehmann. Die „Tüüten“ werden in Behindertenwerkstätten handgefertigt. Die „Broot-Tüüt“ besteht aus Bio-Nessel. In sie passen bis zu 15 Brötchen. Die „Snack-Tüüt“ ist für belegte Brötchen und Süßes gedacht. Sie besteht außen aus Bio-Baumwolle, das Inlay aus abwaschbarem Bio-Kunststoff.

Dranbleiben an einem

sinnvollen Projekt

Eine Internet-Seite und Mund-Propaganda – so wurde das Projekt „Umtüten“ erst einmal im Raum Kiel bekannt. Heute haben die beiden Studentinnen neun Kunden, davon sechs Bäcker mit insgesamt 30 Filialen auch – über die Grenzen Kiels hinaus.

Und wie wird es mit dem „Umtüten“ weitergehen? Aktuell schreiben die beiden jungen Frauen an ihren Masterarbeiten. Thema ist das Projekt „Umtüten“ –und damit soll es auch nach dem Studium weitergehen.

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