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Alles passt – nur die Nachfolge nicht

Rauf aufs Blech: Eugen Hohstein mit Eierwecken. (Quelle: Marconi)+
Rauf aufs Blech: Eugen Hohstein mit Eierwecken. (Quelle: Marconi)

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Zwei Söhne von Raimund Dorn haben Bäcker gelernt, aber keiner von ihnen will den Betrieb übernehmen

Von Carla Marconi

Hessen Kelkheim Es herrscht reger Betrieb in der Bäckerei Dorn in Kelkheim. In der Backstube sind drei Mitarbeiter samt Chef damit beschäftigt Brot, Stückchen und Kuchen zu backen, während vorne in der Filiale zwei Verkäuferinnen den morgendlichen Ansturm an Kunden bedienen.

„Das Geschäft läuft gut, dennoch weiß ich nicht, ob es meine Bäckerei noch langfristig geben wird“, sagt Raimund Dorn, Inhaber des Familienbetriebes im hessischen Taunus. Das Unternehmen wurde 1905 gegründet, der 65-Jährige führt es in dritter Generation.

Kein Interesse am

elterlichen Betrieb

Die vierte Generation, die drei Kinder der Familie Dorn, habe kein Interesse daran, die Bäckerei weiter zu betreiben – obwohl beide Söhne ausgebildete Bäcker sind. „Das ist zwar schade, aber nicht zu ändern“, sagt Dorn.

„Fast jeden Tag schließt

eine Bäckerei in Deutschland“

Er selbst wolle noch so etwa fünf Jahre seinen Beruf weiter ausüben, danach müsse er schauen. Sollte sich kein Bäcker finden, der den Laden sowie eine zweite Filiale Dorns in Kelkheim übernimmt, müsse er diese Geschäfte verkaufen.

Damit liegt Raimund Dorn „im Trend“: „Fast jeden Tag schließt eine Bäckerei in Deutschland“, meint der 65-Jährige, der seit 1996 Obermeister der Innung Main-Taunus ist.

Das habe keine wirtschaftlichen Ursachen, sondern liege oft am fehlenden . „Denn wenn einer gut ist, einen guten Standort hat, gute Qualität bietet und die Nase am Markt hat, dann läuft auch der Laden.“

Für Dorn kam nie etwas anderes als die Selbstständigkeit in Frage. Seit mehr als 30 Jahren führt er die Geschicke des Hauses, und wenn er auf diese Zeit zurückblickt, meint er: „Es hat sich einiges geändert. So ist der Brotkonsum stark zurückgegangen, weil sich das Essensverhalten verändert hat.“

Früher habe Brot den Hauptanteil am Geschäft ausgemacht, heute sei es etwas weniger als die Hälfte. Dennoch stellt er rund 400 Kilogramm Brot am Tag her – insgesamt 13 Sorten Brot und 15 Sorten Brötchen.

Diäten als Grund

für Brotverzicht

Neben den Konditorei-Produkten hätten Stückchen und Hefegebäck stark zugenommen. „Wir bieten belegte Brote, viele Snacks und alle möglichen Kaffeesorten zum Mitnehmen an“, erläutert Dorn, mit welchen Produkten er Geld verdient.

Das Außer-Haus-Essen sei auf dem Vormarsch. Brot hat seiner Meinung auch an Bedeutung verloren, da bestimmte Diäten den Verzicht auf Kohlenhydrate vorschreiben. „Daher haben wir auch Eiweißbrot im Sortiment gehabt. Es war jedoch nur ein Hype, der schnell verflogen ist.“

Die Kunst eines Brots

aus 100 Prozent Roggen

So setzt er auf Traditionelles wie aufs Dornsche Berliner Landbrot, ein Roggen-, Weizenbrot aus Natursauerteig – sein Verkaufsschlager.

Zudem bietet er als einer der wenigen Bäcker überhaupt ein Brot aus 100 Prozent Roggen an. „Wir haben es als Nische für uns entdeckt“, erläutert Dorn. Es sei wichtig, sich mit außergewöhnlichen Produkten von anderen zu unterscheiden, um Alleinstellungsmerkmale zu schaffen.

Die jungen Meister beim Treffen in der Bäckerei Dams in Wesel.
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