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Hessen
Besuch bei Bäckereien, die sich bei der Nacht des Backens beteiligten
An der Nacht des Backens haben sich im Bereich des Odenwalds drei Bäckereien beteiligt. In Michelstadt-Stockheim der Betrieb Heilmann, Inh. Ludwig Schmitt, in Breuberg-Sandbach Fritz Erwin Stapp und im Groß-Umstädter Stadtteil Kleestadt Georg Vogel. Die ABZ hat sich in diesen Betrieben umgesehen, mit Besuchern, Inhabern und Mitarbeitern gesprochen und am Tag danach die Einschätzung der Aktion hinterfragt.
In Stockheim waren die Schaufenster zur Straße hin gut erleuchtet. Ein großes Plakat und ein Türstopper wiesen auf die Aktion in der über den Hof zu erreichenden Backstube hin. Tische, romantisch mit Kerzenlicht versehen und Bänke waren im Hof reichlich vorhanden, dazu ein Stand von dem Getränke und besonders die Backwaren verkauft wurden.
Um 20.00 Uhr wurde die Backstube für Besucher geöffnet. Insbesondere Mütter mit Kindern waren die Ersten, die sich vor Ort informieren wollten. Den ganzen Abend bis etwa gegen 10.30 Uhr herrschte dann lebhafter Betrieb. Ludwig Schmitt informierte über die Arbeit in der Backstube und die nötigen Maschinen, Geräte und Hilfsmittel.
Die Bäckerei Stapp hatte die Gunst der Stunde genutzt und einfach die soeben im Ort zu Ende gegangene Kerbe (Kirchweih) verlängert. In der Backstube herrschte zum Teil dichtes Gedränge und das Verkaufshäuschen vor dem Haus war ständig umlagert. Zusätzlich war auf einem Tisch ein runder Laib Brot vorhanden, dessen Gewicht zu schätzen war. Die Teilnahme war mit 50 Cent je ausgefülltem Schein belegt. Der Erlös aus dieser Zusatzaktion kam einem heimischen Kindergarten zu Gute.
Fritz Erwin Stapp nahm sich viel Zeit, den Besuchern sowohl Arbeitsvorgänge als auch Einrichtung zu erklären. Und in Sandbach wurde die Nacht lang, sehr lang. Zwar war ab 24.00 Uhr die Backstube für die Besucher geschlossen, doch vor dem Haus ging bis 2.30 Uhr die Post ab.
In Kleestadt fasste die enge Gasse zur Bäckerei Vogel samt Nebenwegen die Autos kaum, deren Insassen in die Backstube wollten. Eine kleine Darstellung zeigte Backwaren, die in dieser Bäckerei hergestellt werden. Lage und Schnitt von Vogels Backstube erlaubten es, die Besucher bis zu einer mittels Transport-Kisten errichteten Absperrung zu lassen. Von dort aus konnten sie einen großen Teil der Arbeiten beobachten.
Alle drei Bäckereien räumten ein, im Vorfeld die Aktion mit Skepsis betrachtet zu haben. Von Verlauf sowie Zahl der Besucher her und mit dem Ergebnis waren jedoch alle sehr zufrieden. Alle hatten bis 24.00 Uhr solche Backwaren produziert, die schnell gebacken und zum Teil noch warm verkauft werden konnten. Etwa zahlreiche Snacks mit pikanter oder süßer Füllung, Brötchen in etlichen Sorten, Brezeln oder auch Blechkuchen in verschiedenen Varianten. Auch optisch haben sich die Betriebe hinsichtlich Ordnung, Sauberkeit und einheitlicher Berufskleidung positiv dargestellt. Lediglich in einem Fall meinte der Juniorchef auf die Frage nach der fehlenden Kopfbedeckung, die sei ja wohl nicht Pflicht.
Mitarbeiter meinten, das sei doch eine gute Gelegenheit, zu zeigen wie Backwaren von Hand hergestellt werden. Die teilweisen kleinen Beeinträchtigungen während der Arbeit wurden als nicht so gravierend und noch hinnehmbar bezeichnet. Und die (ohnehin bezahlte) Mehrarbeit des Verkaufs-Personal wurde mit „mal was Anderes“ oder „einmal im Jahr kein Thema“ beschrieben.
Von Seiten der Besucher kam sehr oft die Aussage, es sei doch recht gut, den Bäckern über die Schulter schauen zu können. Ein Besucher sagte, nun sei er überzeugt, dass handwerkliche Bäcker wirklich noch aus Mehl und Hefe ihre Waren selber herstellen und nicht aus einer Fabrik holen. Ein anderer meinte: „Die Bäcker sind ganz schön hell in der Nacht.“ Und eine Besucherin brachte es auf den Punkt: „Es ist schon überraschend, was mit einem Stück Teig geschieht, bis es zum Brötchen wird.“
Betriebsinhaber wie Besucher waren einig in der Einschätzung, dass eine solche Aktion dem Bäckerhandwerk nützt und hilft, Vorurteile der Verbraucher abzubauen.
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