Baden & Württemberg

Zwangsfusioniert und zukunftsorientiert

Bäckerinnung Böblingen bekommt Zuwachs von sieben Leonberger Kollegen


Magstadt (pgö). In Form einer außerordentlichen Mitgliederversammlung fanden die Kollegen der Bäckerinnung Böblingen und die Mitglieder der ehemaligen Bäckerinnung Leonberg zu einander und wählten Eberhard Binder zu ihrem gemeinsamen Obermeister. Rainer Zachert, ehemaliger Obermeister der Innung Leonberg, erklärte, wie es zum Anschluss eines Teils der Leonberger Kollegen an die Innung Böblingen kam. Die bisher selbstständige Innung Leonberg tangierte mit ihrem Innungsgebiet mehrere Landkreise und war nicht fusionsbereit. Aus diesem Grund wurde sie Kraft Gesetz aufgelöst. Die im Landkreis Böblingen befindlichen Mitglieder haben sich der Innung Böblingen angeschlossen. Rainer Zachert bedauerte: „Wir sind zwangsfusioniert und als Innung völlig zerrissen worden. Wir waren eine lebendige Innung mit 17 backenden Betrieben“. Doch im Namen der sieben Betriebe, die der Böblinger Innung beigetreten sind, bestätigte er: „Wir freuen uns, jetzt mit Ihnen gemeinsam neu starten zu können“. In einer Vorstellungsrunde lernten sich die neuen Kollegen unter einander kennen. Die Innung hat nun 32 Mitgliedsbetriebe. Eberhard Binder verdeutlichte, welches wirtschaftliche und personelle Potential diese Betriebe darstellen. Die 32 Betriebe betreiben 150 Verkaufsstellen, 78 davon gehören Klein- und Mittelbetrieben, die restlichen einem großen Kollegenbetrieb. Insgesamt beschäftigen die Innungsbetriebe 1530 Mitarbeiter und 131 Azubis, „ein starkes Stück Handwerk!“, lachte der Obermeister.

In den nach der Fusion erforderlichen Wahlen sprachen die Mitglieder Eberhard Binder geschlossen ihr Vertrauen aus und wählten ihn einstimmig zu ihrem Obermeister. Zum stellvertretenden Obermeister wählen die Mitglieder Thomas Keller aus Magstadt (Öffentlichkeitsbeauftragter und Vertreter zur Kreishandwerkerschaft). Den Vorstand bilden die Kollegen Norbert Faig aus Schönaich, Theo Noller aus Nufringen, Peter Schall aus Böblingen, Lehrlingswart Dirk Weinberg aus Herrenberg und Detlef Zander aus Herrenberg. Um die Interessen der Leonberger Kollegen in die Vorstandsarbeit einfließen zu lassen, wurde Rainer Zachert als Berater des Vorstandes gewählt.

In seinem Bericht stellte Obermeister Binder die Frage: „Was hält uns in der Innung?“ Er nannte den Dialog mit motivierten und innovativen Kollegen, aktuelle, hilfreiche Informationen, Verantwortung in der Lehrlingsausbildung und die Pflege des Bäckermythos als wesentliche Punkte. Die aktuelle Situation auf dem Rohstoffmarkt belaste jeden Betrieb, man dürfe vor Preiserhöhungen jedoch nicht zurück schrecken, betonte Binder. Die Problematik bei Mühlenprodukten erklärte Jörg Beck von der Bäko mit dem weltweit steigenden Bedarf an Lebens- und Futtermitteln sowie dem Bedarf an Rohstoffen für Energie. Die Rohstoffknappheit und damit Verteuerung ziehe sich durch alle Bereiche, von Dörrobst über Fruchtkonserven, von Backsaaten bis Sprossen, weitere Preissteigerungen sind absehbar.

Betriebe, die bereits im Juli/August die betriebwirtschaftlich richtige Entscheidung einer Preiserhöhung getroffen haben, haben jetzt ein Problem damit, wenn sich im Dezember oder Januar die Einkaufspreise noch mal erhöhen, bedauerte Obermeister Binder, schließlich könne man seinen Kunden kaum zwei Preiserhöhungen hinter einander „verkaufen“. Der Landesinnungsverband hat Beispielrechnungen erstellt, die zeigen, was eine Preiserhöhung der Backwaren in der Gesamtsumme für einen Betrieb ausmacht. Jörg-Beck warnte aber davor, eine Preiserhöhung ausschließlich an Rohstoffpreisen festzumachen und dem Kunden gegenüber nur damit zu begründen. Eberhard Binder ergänzte: „Wir müssen diejenigen Artikel erhöhen, die auch Umsatz bringen, nicht das Randsortiment“.

In seinem Ressortbericht blickte Lehrlingswart Dirk Weinberg auf die erste Prüfung nach der neuen Ausbildungsordnung zurück. Das Niveau sinke nicht wie befürchtet, da nur noch vier Produkte, nämlich Snackgebäck, Käsekuchen, Roggenmischbrot und Laugengebäcke hergestellt werden müssen. Thomas Keller berichtete aus seiner Tätigkeit im Vorstand der Kreishandwerkerschaft. Diese leide unter Mitgliederschwund durch Betriebsaufgaben und Fusionen. Die Kreishandwerkerschaft Böblingen betreute früher 1300 Betriebe jetzt nur noch 840, das spüre man finanziell deutlich.

Aktuelle Informationen zum Gesundheitswesen lieferte Sportwissenschaftler Frank Klinger von der IKK Böblingen. Er präsentierten den Mitglieder Daten über den Krankenstand in ihren Innungsbetrieben im Jahr 2006. Dieser liegt mit 5,3 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt (3,6 Prozent). Auch die Krankheitsdauer ist in dieser Region überdurchschnittlich lang.


Artikel vom 29.11.2007
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