Regional
Wo der Meister auch zum Unternehmer wird
10 Jahre Akademie des Bayerischen Bäckerhandwerks: Prof. Becker wirbt für Zusammenarbeit / Erstmals „Lochhamer Förderpreis“ vergeben

Sie stehen für die Ausbildungskompetenz im bayerischen Bäckerhandwerk (von links): Akademieleiter Arnulf Kleinle und die Fachlehrer Henrik Passmann und Gisela Reisacher mit LIV-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Filter, Prof. Thomas Becker und Landesinnung
Mit einer Festveranstaltung wurde im Mai 2009 das Jubiläum „zehn Jahre Akademie Lochham“ gebührend gewürdigt. Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger, bekräftigte in seiner Festrede den Anspruch, der mit der Bezeichnung Akademie einhergeht: „Es geht darum, die Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks zu dem zu machen, was unser Handwerk dringender denn je benötigt: Eine Zusammenkunft der Besten.“ Dies habe bereits bei der Gründung der Akademie eine wichtige Rolle gespielt. Denn nur in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer für München und Oberbayern sei es möglich gewesen, den Absolventen der Meisterprüfung in Lochham eine 5-wöchtige betriebswirtschaftliche Ausbildung an der HWK in München anzubieten, die sie mit dem „Betriebswirt des Handwerks“ abschließen können. Anlass für diese Neuausrichtung war die Erkenntnis, dass im Zuge des Strukturwandels die Entwicklung des unternehmerischen Könnens vielfach nicht mit dem betrieblichen Wachstum Schritt halten konnte.
Mit der Einführung der Kombikurse erfolgte die Namensänderung der Berufsfachschule zur Akademie, an der externe Fachleute aus Wirtschaft und öffentlichem Dienst die Lochhamer Lehrerschaft unterstützen. Bis heute absolvierten seit Gründung der Akademie 471 Teilnehmer die 20 Kombikurse. 414 nutzten die Doppelqualifikation und erhielten die Grundlagen für die erfolgreiche Führung eines Bäckereiunternehmens. „Bäcker wissen, wie sie gutes Brot backen“, bestätigte Prof. Thomas Becker in seinem Fachreferat. Becker, der vor wenigen Wochen vom Institut für Getreidetechnologie der Universität Hohenheim zur Brau- und Getränketechnologie an die TU München wechselte, hat im Freisinger Stadtteil Weihenstephan den neu geschaffenen Lehrstuhl am Institut für Brau- und Getränketechnologie inne. Er will hier seine Forschungsarbeit im Bereich der Getreidetechnologie fortsetzen. In Weihenstephan stehen hierfür ein gut ausgestattetes Forschungsinstitut für Lebensmitteltechnologie, Prozesstechnik, Prozessanalyse und Getreideverarbeitung zur Verfügung. Im Herbst 2009 erhält der Fachbereich für rund 27 Mio. Euro zudem einen Neubau. Becker warb für eine Zusammenarbeit mit dem Bäckerhandwerk. Um stärker für kleine und mittelständische Betriebe tätig werden zu können, sollte sich diese zu Projekten zusammenschließen. Denn während Handwerker aus Erfahrung wissen, wie sie zu guten Ergebnissen kommen, wolle die Wissenschaft erkunden, warum dies so ist und so Getreide, Backprozesse oder Produkte optimieren. Gemeinsam könne das Umfeld Münchens – von Gräfelfing im Süden bis Freising im Norden – zum Kompetenzzentrum fürs Brotbacken werden.
Aus Anlass des runden Jubiläums wurde erstmals ein spezieller (mit 1500 Euro dotierter) „Lochhamer Förderpreis“ ins Leben gerufen. Die Übergabe der Urkunde an den ersten Preisträger, Georg Schneider (Augsburg) bildete den Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumsfeier.
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