Sachsen

Wirtschaftliche Lage wenig motivierend

Bäckerinnung Dresden: 62 Nachwuchskräfte wurden in den Gesellenstand gehoben


Dresden (ps). „Der Bäckernachwuchs feiert“ – unter diesem Motto hatte die Bäckerinnung Dresden 62 Jung-Gesellen und 30 junge Fachverkäuferinnen sowie deren Eltern, Verwandte und Freunde am letzten Juli-Montag in das Jugendhaus „Schieferburg“ zur Lehrabschlussfeier 2005 eingeladen. Doch zahlreiche dieser jungen Leute hatten keinen Grund zum Feiern, weil sie nach ihrem Lehrabschluss noch keinen Arbeitsplatz gefunden haben oder ihre Prüfungsleistungen in Theorie und Praxis mehr als mäßig waren.

Deshalb fand Obermeister Hans-Jürgen Matzker in seiner kurzen Festrede mehr als deutliche Worte für den abermaligen Leistungsabfall der Lehrlinge des dritten Lehrjahres, nachdem das Leistungsniveau bereits in den Vorjahren mehr als durchwachsen war (die ABZ berichtete). „Doch was die angehenden Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen den Berufsschullehrern und Mitgliedern der Prüfungsausschüsse in diesem Jahr an Leistungen angeboten haben, hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht erlebt“, machte der erfahrene Bäckermeister seiner Enttäuschung Luft und suchte nicht nur bei den Auszubildenden selbst nach den Ursachen. Die Angst um den eigenen Ausbildungs- und Arbeitsplatz, die Unsicherheit, was bei einer Erkrankung aus der beruflichen Entwicklung wird, und die allgemeine Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft würden den beruflichen Nachwuchs nicht gerade zu Höchstleistungen in der Berufsausbildung stimulieren. „Dieses unbefriedigende Leistungsniveau ist deshalb auch Ausdruck der allgemeinen wirtschaftlichen Stimmung im Lande und das Ergebnis des Lebens und der Erziehung in einer Unterhaltungs- und Spaßgesellschaft“, stellte er fest. „Deshalb können viele junge Leute mit solchen Begriffen wie Fleiß, Lernbereitschaft, Einsatzbereitschaft und Wissensdurst heutzutage kaum noch etwas anfangen.“ Während einzelne Auszubildende sich für den Beruf engagieren und mit Spitzenleistungen aufwarten würden, sinke zugleich die Leistungsbereitschaft und das Leistungsniveau der „breiten Masse“. „Deshalb kann ich meinen Kollegen nur empfehlen, sich die Bewerber bei der Auswahl ganz genau anzuschauen und keinen Lehrvertrag um jeden Preis abzuschließen, sondern im Fall der Fälle lieber ein Jahr lang ohne Lehrling auszukommen.

Dennoch appellierte Obermeister Matzker an die Jung-Gesellen und Fachverkäuferinnen, niemals mit dem Lernen und der Weiterbildung aufzuhören. „Um im Beruf erfolgreich bestehen und auf die sich immer schneller verändernden Wünsche der Kunden reagieren zu können, benötigen Sie in der Zukunft ein solides fachliches Wissen auf neuestem Stand sowie viele kreative Ideen. Nur wenn der Bäckernachwuchs von heute seine eigene berufliche Entwicklung vorantreibt, können die Verbraucher auch in den kommenden Jahren Brot und Brötchen bei ihrem handwerklichen Bäckermeister um die Ecke einkaufen.“ Denn trotz aller Rückschläge bei der Suche nach einem Arbeitsplatz seien gerade die Arbeitsplätze im Bäckerhandwerk recht krisensicher.

Nur selten seien bei den Arbeitsämtern arbeitslose Bäcker gemeldet, denen auch der Landesinnungsverband freie Arbeitsplätze in den Innungsbetrieben anbietet. „Wir helfen Ihnen wie auch die Sächsische Bäckerfachschule Dresden-Helmsdorf und unsere Partner bei der Weiterbildung im Beruf, denn vor allem in verantwortlichen Positionen werden nach wie vor gute Fachleute gesucht“, ergänzte Wolfgang Hesse, Geschäftsführer der Bäckerinnung Dresden und des Saxonia-Landesinnungsverbandes. In bewährter Kontinuität leisten die Dresdner Bäckereien und Konditoreien ihren Beitrag zur Berufsausbildung für junge Menschen: Hier absolvieren derzeit 105 angehende BäckerInnen sowie 85 FachverkäuferInnen ihre Lehre.

Als beste Jung-Gesellen des Abschlussjahres 2005 wurden Alexander Schellenberger, Norbert Wiederhold (beide Bäckerei Wippler GmbH) und Thomas Lenk (Bäckerei Hans-Jürgen Matzker) ausgezeichnet. Bei den jungen Fachverkäuferinnen warteten Annett Engel (Feinbäckerei Jürgen Werner), Anja Horlitz (Feinbäckerei Jürgen Lehmann) und Susanne Koch (Bäckerei und Café Ronald Morenz) mit den besten Leistungen auf. Diese sechs Nachwuchskräfte erhielten neben Blumensträußen auch Ehrengeschenke der Volksbank Dresden, der IKK Sachsen und der Signal Iduna Versicherung.


Artikel vom 11.08.2005
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