Baden-Württemberg
Wachstumsprognosen angehoben
Baden-Württembergische Handwerkstag: Handwerk erwartet ein Plus zwischen 1 und 1,5 Prozent
Stuttgart (p). Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) hat seine Wachstumsprognose für 2006 angehoben: Das Handwerk erwartet ein Plus zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Dies ist das wichtigste Ergebnis der vierteljährlichen Konjunkturumfrage unter tausend Handwerksbetrieben. Noch zu Beginn des Jahres war der Handwerkstag von einem Umsatzwachstum knapp über null Prozent ausgegangen. Der BWHT-Konjunkturindikator liegt für die ersten beiden Quartale um durchschnittlich 22 Punkte über den Werten des ersten Halbjahres 2005. Zugleich ist die Erwartung der künftigen Geschäftslage deutlich in den positiven Bereich umgeschlagen. Der Frühjahrsaufschwung sei überdurchschnittlich gut verlaufen, teilte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle mit. Mehr als 40 Prozent der Betriebe erzielten im 2.Quartal erneut eine Umsatzsteigerung Hauptträger des Aufwärtstrends ist das Bau- und Ausbauhandwerk. Dies lässt sich auch an den dort besonders aussagekräftigen Auftragsbeständen und der Betriebsauslastung, die im Bauhauptgewerbe nunmehr fast 85 Prozent erreicht hat, ablesen. Ausschlaggebend war dabei die Investitionszunahme der Unternehmen in den Wirtschaftsbau sowie ein Anziehen des privaten Wohnungsbaus. Möhrle: „Auch der Vorzieheffekt im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung und das Förderprogramm zum Energiesparen durch Gebäudesanierung gaben der Branche einen Schub.“ Von der sich belebenden Konsumnachfrage profitierten vor allem auch der Dienstleistungssektors und das Nahrungsmittelhandwerk. Auf bereits zuvor erreichtem relativ hohem Niveau verharrt das Metallhandwerk. Weiter hinter der Entwicklung zurückgeblieben ist lediglich die Gruppe der Handwerker, die für den gehobenen Bedarf produzieren. „Die verbesserte Auslastung und die erhöhten Umsätze haben allerdings noch nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Ertragslage geführt“, erklärte Möhrle. Die Mehrzahl der Betriebe berichte über eine außerordentlich starke Steigerung der Einkaufspreise bei vergleichsweise geringer Möglichkeit, diese in den Verkaufspreisen weiterzugeben. Das Plus bei den Umsätzen habe noch nicht zu einer spürbaren Nachfrage im Handwerk nach neuen Arbeitskräften geführt: „Der im ersten Quartal mit rund minus zwei Prozent deutlich ausgefallene Beschäftigungsabbau ist noch nicht beendet.“ Er gehe aber davon aus, dass im dritten Quartal der Tiefpunkt erreicht sei und sich die Beschäftigtenzahl stabilisiere.“ Ob der derzeit erfreuliche Trend der Handwerkskonjunktur mittelfristig Bestand habe, sagte Möhrle, werde nicht zuletzt durch die aktuell anstehenden bundespolitischen Entscheidungen beeinflusst. Der Mittelstand brauche dringend die notwendige Perspektive für Entlastungen. Möhrle: „Erst dann können die Betriebe Vertrauen in die Zukunft und in die Zuverlässigkeit der Politik entwickeln.“ Das Handwerk in Baden-Württemberg beschäftigt 760.000 Mitarbeiter in 125.000 Betrieben, bildet 56.300 junge Menschen aus und erwirtschaftet einen Umsatz von 63 Milliarden Euro.
Artikel vom 07.07.2006

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