Bayern
Tschechien rückt näher
Noch kaufen viele Deutsche ihr Brot im Nachbarland
Regensburg (ke). Die Grenze zwischen Bayern und seinem östlichen Nachbarn wird seit dem EU-Beitritt Tschechiens immer durchlässiger. Das gilt sowohl für die Menschen, als auch für den Warenverkehr. An der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz in Regensburg fand hierzu kürzlich ein Seminar statt, das die Situation der Unternehmen diesseits und jenseits der Grenze beleuchtete. Experten aus Tschechien und Ostbayern informierten über Lage und Möglichkeiten der Nahrungsmittelgewerke.
Während die Versorgung in Tschechien noch vor fünf Jahren über viele kleine Betriebe erfolgte, habe sich die Konzentration im Handel heute deutlich dem westlichen Niveau angenähert. Dies sei auch auf die Änderung der Ernährungs- und Einkaufsgewohnheiten der Konsumenten zurück zu führen, die ihre Lebensmittel zunehmend in Filialen großer Ketten kaufen.
Statistisch gesehen gibt jeder Tscheche monatlich etwa 200 Euro für Lebensmittel aus. Dabei sei der Trend weg vom kleinen Bäcker oder Metzger hin zum Supermarkt ungebrochen.
Immer häufiger stammen die hier gekauften Backwaren aus der Industrie. So hat sich die Lebensmittelindustrie zu einer Schlüsselindustrie des Landes entwickelt.
Und da die Preise für Backwaren immer noch etwa 20 Prozent unter denen für hiesige Produkte liegen, kaufen nach wie vor viele Deutsche ihr Brot jenseits der Grenze ein. Auch die tschechischen Verbraucher lassen sich beim Kauf von Backwaren eher vom Preis als von der Qualität leiten.
Chancen für Handwerksbäcker
Allerdings bemerkt der Konnersreuther Bäckermeister Robert Kutzer langsam einen gegenläufigen Trend. Gut verdienende Tschechen, die Handwerksqualität schätzen, kaufen ihre Backwaren bereits diesseits der Grenze. Weil sich die tschechischen Preise in den nächsten fünf bis zehn Jahren sukzessive an das deutsche Preisniveau anpassen werden, könnten Investitionen im Nachbarland durchaus erfolgreich sein.
Langfristig wären zum Beispiel Erlebnisbäckereien eine Kaufalternative für qualitätsbewusste Tschechen. Da sich zudem immer mehr Verbraucher Gedanken über die Herkunft ihrer Lebensmittel machen, wächst das Interesse an Bio-Produkten.
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