Sachsen
Trotz Durststrecken auf Erfolgskurs
Familie Plötz macht mit ihrer Bäckerei das Dreivierteljahrhundert voll

Die Bäckerei Plötz beging in Leipzig am 2. Januar 2007 ihr 75-jähriges Bestehen. Im Bild: Bäckermeister Heiko Plötz (Mitte) mit seinen Eltern Helmut und Barbara Plötz. Foto: Dreilich
Die Wurzeln der Bäckerei Plötz reichen bis in das Jahr 1932 zurück, als Bäckermeister Wolfgang Plötz – der Großvater des heutigen Inhabers – sich in Schlesien mit der „Bunzlauer Dampfbäckerei“ selbstständig machte. Die Vertreibung aus Schlesien stellte den Durchhaltewillen der Bäckerfamilie auf eine harte Probe. Eine neue Heimat fand Wolfgang Plötz in der Region Leipzig. Zunächst wurde in der Kleinstadt Gaschwitz gebacken, dann wurde eine Bäckerei in der Nähe des Leipziger Stadtzentrums übernommen.
„Anfangs waren wir 12 Bäcker im Viertel, rundherum gab es nur Kriegstrümmer, aber die Kunden kamen zu uns“, sagt Helmut Plötz, der Vater des heutigen Firmeninhabers. Doch auch im so genannten Seeburg-Viertel konnte der Betrieb nicht auf Dauer existieren. „Rundherum wurden die Häuser leergewohnt, das ganze Gebiet verfiel“, erinnert sich der 66-jährige Altmeister. „Als unser alter Backofen allmählich den Geist aufgab und ein neuer nicht zu bekommen war, mussten wir wieder umziehen.“
Mit Hilfe der Genossenschaft fand Helmut Plötz in einem Wohngebiet in Leipzig-Schönefeld eine leer stehende Bäckerei, der er 1975 neues Leben einhauchte. Gebacken wurde fortan so viel der Ofen hergab, dennoch standen vor allem sonnabends die für DDR-Verhältnisse typischen langen Schlangen vor dem Laden, um frisches Brot und frische Brötchen zu ergattern.
Nach der politischen Wende in der DDR stand Helmut Plötz, der über Jahrzehnte um jede Maschine, jedes Ersatzteil und die zum Backen benötigten Rohstoffe kämpfen musste, plötzlich vor der Qual der Wahl. „Alle möglichen Anbieter kamen und wollten mir Maschinen verkaufen“, sagt Helmut Plötz. Doch er hielt sich zurück, verzichtete auf Kredite und modernisierte sein Geschäft nach und nach mit eigenem Geld. Heute ist Plötz überzeugt, dass diese Entscheidung richtig war. Ohne Verbindlichkeiten habe er vor fünf Jahren auch eine Durststrecke überstehen können, als im Einzugsgebiet der Bäckerei der Wohnungsleerstand förmlich explodierte und die Kunden ausblieben.
Auf traditionelles
Handwerk gesetzt
Inzwischen ist das Geschichte. Die Wohnhäuser im Umfeld sind saniert, die Zahl der Kunden im Einzugsbereich der Bäckerei steigt wieder an. Heiko Plötz, der 41-jährige Inhaber der Bäckerei, hat Grund zur Zufriedenheit. „Ich habe den Betrieb 2003 übernommen. Längere Zeit hatte die Übernahme auf der Kippe gestanden, weil es Probleme mit dem Mietvertrag gab. Doch nachdem das ausgestanden war, konnte ich die Familientradition fortsetzen.“
Dabei kann der junge Meister auf die Unterstützung seiner Eltern zählen, denn beide sind im Betrieb tätig. In der Backstube stehen Heiko Plötz zudem ein Geselle und ein Umschüler zur Seite, im Verkauf arbeiten zwei Verkäuferinnen.
Genau wie sein Großvater in Bunzlau setzt auch Heiko Plötz auf traditionelles Handwerk, Sauerteig und alte Rezepturen. Aus diesem Grund hängt der gerahmte Meisterbrief des Firmengründers Wolfgang Plötz auch an einem Ehrenplatz im Verkaufsraum der Bäckerei. „Die traditionelle Backweise hat uns zu vielen Stammkunden verholfen, die uns sogar dann die Treue halten, wenn sie nicht mehr in der Gegend wohnen“, freut sich Heiko Plötz. In seinem Betrieb erhalten die Kunden auch die unter Verzicht auf Backhilfsmittel hergestellten, DDR-typischen „kleinen“ Brötchen.
Eine rauschende Feier gab es bei Familie Plötz aus Anlass des 75-jährigen Bestehens ihrer Bäckerei übrigens nicht. „Irgendwie hatten wir das Jubiläum vergessen“, gibt Heiko Plötz schmunzelnd zu. „Natürlich kennen wir das Alter unseres Betriebes, aber ein konkretes Datum hatten wir im Kalender nicht vermerkt.“ Umso größer war die Überraschung, als die Familie den Hinweis auf das Jubiläum im Mitteilungsblatt der Kreishandwerkerschaft Leipzig entdeckte.
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