Baden & Württemberg
Traditionsbewusst die Zukunft meistern
Jubiläumsverbandstag zum 125-jährigen Bestehen des Bäckerinnungsverbands Baden: Festredner CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Mappus

Traditionsbewusster Aufmarsch der Fahnenträger der Innungen und der Sängerrunde der Bäckerinnung Freiburg-Breisgau-Hochschwarzwald beim Festakt des 125-jährigen Verbandsjubiläums.
Schließlich habe man es gemeinsam geschafft jung zu bleiben und dafür zu sorgen, dass der Verband für die Zukunft gerüstet ist, wie Landesinnungsmeister Walter Augenstein auf der Delegiertenversammlung betonte. Dazu gehöre, dass das Bäckerhandwerk jungen Leuten eine Zukunft und Perspektiven biete. „Aus- und Weiterbildung muss höchste Priorität haben, wenn wir am Markt erfolgreich sein wollen“, hob er die Bedeutung der Nachwuchsförderung und der stetigen Fortbildung für die Zukunft des Bäckerhandwerks hervor. Hier sei man mit der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks auf einem guten Weg. Erfreulich sei auch die aktuell stabile Umsatzentwicklung im Bäckerhandwerk. „Die Talsohle ist durchschritten“, verkündete der Landesinnungsmeister im Jubiläumsjahr.
Stabile Umsatzentwicklung
Das konnte Verbandsgeschäftsführerin Ute Sagebiel-Hannich nur bestätigen: „Die Umsatzentwicklung für das Bäckerhandwerk hat sich mit 11,8 Milliarden Euro für Gesamtdeutschland und mit 1,3 Milliarden Euro für Baden-Württemberg im Jahr 2006 weiter stabilisiert.“ Positiv sei auch die steigende Zahl der Auszubildenden zu werten. Die Mitgliedsbetriebe würden in diesem Punkt ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung mehr als gerecht. Kritisch sei zu sehen, dass einige Großbäckereien verstärkt reguläre Arbeitsplätze durch Ausbildungslätze ersetzen. „Diese Entwicklung stimmt bedenklich, dies vor dem Hintergrund, dass wir alle wissen, dass in den nächsten Jahren aus demographischen Gründen die Zahl der Auszubildenden stark zurückgehen wird“, so die Verbandsgeschäftsführerin.
Aktuelle und künftige Themen
Themen, die die Branchen künftig verstärkt beschäftigen werden, seien die Lebensmittelhygiene und die gesetzlichen Vorgaben bezüglich Inhalts- und Zusatzstoffen. So werde der Verband seine Schulungen entsprechend weiterführen. Auch die Problematik von Cumarin in Zimt habe an Aktualität nichts eingebüßt. Hier laufe eine Anfrage an das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg, um eine verbindliche Aussage bezüglich des Grenzwertes zu bekommen.
Mit Blick auf die steigenden Rohstoff- und Energiepreise empfahl Ute Sagebiel-Hannich, auf moderate Preisanpassungen zu setzen. Außerdem sei es nicht immer ratsam bei sinkendem Ertrag auf Leasinggeschäfte zu setzen. Häufig sei die fremdfinanzierte Anschaffung günstiger, gab sie zu bedenken. Wie ein Blick auf die Verbandschronik zeige, seien die politischen Themen immer die gleichen. Nur die Veränderungen hätten an Geschwindigkeit zugenommen. Vor dem Hintergrund der Liberalisierung und der Globalisierung würden gesellschaftliche Strukturen in Frage gestellt. Deshalb gebe es in der Gesellschaft „einen dringenden Wunsch nach mehr Konstanz, Verlässlichkeit und Struktur“, Werte, die das Bäckerhandwerk mit seinem Leitbild „Heimat, Handwerk, Herzlichkeit“ bedienen könne. „Konstanz, Verlässlichkeit und Struktur“ das seien aber auch die Stärken der Innungs- und Verbandsarbeit. Hier gelte es, auch jungen Leuten ein Engagement in der Berufsorganisation schmackhaft zu machen und die Unternehmerfrauen stärker in das Geschehen mit einzubinden. Schließlich gilt seit 125 Jahren: „Was wir alleine nicht schaffen – das schaffen wir zusammen!“, zitierte Ute Sagebiel-Hannich abschließend eine Textzeile aus einem Lied von Xavier Naidoo.
Leistungen effektiv bündeln
„Wie kann ich Leistung so bündeln, dass die Betriebe die Leistung bekommen, die sie brauchen, um die Zukunft zu meistern?“ ZV-Präsident Peter Becker nutzte sein Grußwort, um eine noch effektivere Zusammenarbeit der unter dem Dach der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks versammelten Fachschulen zu reklamieren. „Wir brauchen, um richtig gut zu sein mehr Exzellenzen“, forderte Becker mit Blick auf die angedachten Kompetenzzentren des Bäckerhandwerks.
Er gratulierte beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Bäckerinnungsverbands Baden und betonte dass der Verband ein wichtiges Element beim Zentralverband ist. „Nicht nur die Organisation, sondern auch die Personen, die immer engagiert sind und waren.“ Dabei hob der ZV-Präsident bei der Gelegenheit hervor, dass das Bäckerhandwerk traditionell für ein erhebliches Maß an Lebensqualität und Kultur sorge. Dass das auch in Zukunft so ist, gelte es, die Solidarität weiter zu pflegen und zu stärken. „Nur gemeinsam sind wir stark“, betonte Peter Becker mit Blick auf die Berufsorganisation und die teils schwächelnden Vereine der Branche.
Abzocke – unnötig wie ein Kropf
Einen Seitenhieb auf die Politik konnte Becker sich nicht verkneifen: Die Verpackungsnovelle sei als pure Abzocke zu bewerten, das Verbraucherinformationsgesetz sorge für zusätzliche Belastung und das sogenannte Antidiskriminierungsgesetz sei unnötig wie ein Kropf. Und gerade bei der Unternehmenssteuerreform sei die versprochene Gleichbehandlung von Personen- und Körperschaftsgesellschaft immer noch nicht gegeben.
Das Rückgrat der Wirtschaft
„Die mittelständischen und handwerklichen Betriebe sind das Rückgrat der Wirtschaft“. In diesem Sinne komme der Berufsorganisation nicht nur für die Branche stabilisierende und strukturierende Bedeutung zu. Festredner Stefan Mappus (MdL), Fraktionsvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg, betonte, dass das Bäckerhandwerk ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit identitäts-, kultur- und genussstiftender Funktion sei.
Und im Wettbewerb um die Kunden sei die Tradition und die solide Ausbildung als Grundlage für die Qualität entscheidend. Er lobte die Ausbildungsleistung der Bäcker und betonte: „Diese Gesellschaft braucht engagierte Handwerksmeister. Sie haben dafür die volle Unterstützung der Landesregierung“, versicherte Mappus, der das „Ländle“ bezüglich Wachstum, Innovation, Bildungs- und Mittelstandspolitik ganz vorne sieht – noch vor Bayern, wie er betonte. „Wo wir Sie unterstützen können, werden wir das tun“, versprach Mappus. So sei man dran, die Ausbildungsreife der Jugendlichen gezielt zu verbessern. Auch in Sachen Entbürokratisierung und Erbschaftssteuerreform wolle man im Sinne des Mittelstands agieren und gab den Bäckern mit auf den Weg: „Ich bin sicher, dass Sie die kommenden Herausforderungen meistern werden!“
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