Baden & Württemberg

Struktur der Entwicklung anpassen

Verbandstag Württemberg: Reform der Organisationsstruktur angemahnt / LIM Johannes Schultheiß wiedergewählt


Biberach (dk). „Wenn es uns insgesamt nicht gelingt, die Organisationsstrukturen von Bäko, Innungen und Fachverbänden neu zu regeln, werden wir es in der Zukunft sehr schwer haben“ so die übergreifende Aussage von Landesinnungsmeister (LIM) Johannes Schultheiß auf dem Württembergischen Landesverbandstag in Biberach zu den Problemen der berufsständischen Organisationen. Diese Thematik, sowie die Wiederwahl von LIM Schultheiß und fast des kompletten Vorstands, die gute finanzielle Situation des Verbandes und die Ernennung von Albert Eurskens zum Ehrenmitglied standen im Mittelpunkt auf der Mitgliederversammlung, die in der Gigelberghalle in Biberach stattfand.

In seinem Bericht zur Situation des Bäckerhandwerks zeigte LIM Schultheiß auf, dass nach verschiedenen Studien die Akzeptanz von handwerklich hergestellten Backwaren beim Konsumenten immer noch auf hohem Niveau mit einem großen Produktvertrauen angesiedelt ist, aber gleichzeitig die Käuferreichweite vor allem bei Brot mit 78 Prozent im Schwinden sei. Trotz des sehr guten Image werde Brot zunehmend im Discounter gekauft, was sich im Jahr 2004 in einer geringeren Verkaufsmenge von 8000 Tonnen handwerklich hergestelltem Brot niederschlug. Gleichzeitig sänken die Durchschnittspreise, was es für den Bäcker immer schwieriger mache, gegenüber dem Verbraucher den höheren Preis zu rechtfertigen. „Wenn es uns als Bäcker nicht gelingt, gegenüber den Mitanbietern Profil zu zeigen, werden wir es sehr schwer haben“, so der LIM. Der Bäcker müsse mehr Kreativität zeigen und mehr Dienstleistungen mit verkaufen, um hier Paroli zu bieten. Der Landesinnungsverband (LIV) versuche, gemeinsam mit der Württembergischen Bäckerfachschule durch ein entsprechendes Kursangebot dagegen zu steuern.

Zur Struktur der Branchenorganisationen, vor allem der Innungen, meinte Schultheiß fast resignierend, die nächste Stufe (Fusion) werde nur erklommen, wenn der Leidensdruck bei den Betreffenden zu groß würde. Es wäre in diesem Zusammenhang schon viel erreicht worden, „aber wir müssen wohl der einen oder anderen Innung noch Zeit geben“. Zum Jahresende werden vier Innungen ihre Geschäftstelle zum LIV geben, dies sei ein erster Schritt in Richtung Landesinnung. Diese werde vom Verband in absehbarer Zeit nach dem Modell der Bäko mit Ihrem Ziel „Bäko Württemberg“ angestrebt, doch sei man bei der Wirtschaftsorganisation schon weiter. Hier werde es bis zum Jahresende nur noch zwei Genossenschaften geben.

Die gleiche Problematik betreffe auch die Weiterbildungseinrichtungen des Bäckerhandwerks. Es gäbe zu viele Fachschulen und damit zu viele Angebote, die einen wirtschaftlichen Betrieb fast unmöglich machten. Hier werde auf Zentralverbandsebene nach Möglichkeiten gesucht, aber die föderale Struktur der einzelnen Verbände erschwere eine schnelle Lösung.

Auch die dem Berufsstand nahe stehenden Organisationen wie die Bäckersänger, -kegler und -fachvereine hätten mit diesen Problemen und Nachwuchsmangel zu kämpfen, denn die Jugend sei nicht mehr so bereit, diese Vereinigungen mit zu tragen.

Dienstleistungen ausdehnen

In die gleiche Richtung ging auch die Sorge von Verbandsgeschäftsführer Andreas Kofler zu Beginn seines Geschäftsberichtes. Der Organisationsgrad innerhalb des Verbandsgebietes liege zwar immer noch bei 80 bis 95 Prozent, durch den Rückgang der Betriebszahlen müssten neue Ansätze gefunden werden. Erfreulicherweise sei im vergangenen Jahr die Mitgliederzahl weniger zurück gegangen als erwartet, was sich dann auch positiv auf die Jahresrechnung ausgewirkt habe. Trotzdem rechnet er mit einem weiteren Rückgang von derzeit 988 (Stand 2004) auf 690 Mitglieder im Jahr 2010.

Um den Anforderungen der Mitglieder gerecht zu werden, sollen die Angebote und Dienstleistungen des Verbandes weiter verstärkt werden. Dazu gehört, dass der Erfahrungsaustausch zwischen den Bäckern noch mehr forciert werden soll, genauso wie das Anbieten von Seminaren nur für Unternehmerinnen. Auch sollen Seminare vermehrt vor Ort in den einzelnen Regionen durchgeführt werden, nicht mehr nur in der Schule in Stuttgart.

Trotz der im Verband erwarteten personellen Veränderungen – der technische Betriebsberater Theodor Rolf und der S+M-Back-Berater, Rolf Gehrung, gehen in den Ruhestand, Betriebsberater Hermann Kuisle scheidet aus – soll das Dienstleistungsangebot insgesamt ausgedehnt werden, eventuell auch mit externen Kräften.

Aktionen mit dem SWR

Ein großer Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sei die Partnerschaft mit dem SWR. Momentan laufe noch die Aktion „Kuchen des Monats“ im SWR-Fernsehen. Hierbei würden sich 140 Betriebe aus dem Verbandsgebiet beteiligen. Im Herbst sei wieder eine SWR1-Hitparade geplant, bei der es, wie später Öffentlichkeitsbeauftragter Georg Strohmaier betonte, „es für Bäcker noch nie so einfach und billig war, ins Radio zu kommen“.

Nach der Vorstellung der Jahresrechnung, die der Verband mit einem guten Ergebnis abschloss, berichtete Kassenprüfer Heinz Gaub von der ordnungsgemäßen Kassenführung und empfahl die Genehmigung sowie die Entlastung des Vorstands, was beides auch einstimmig erteilt wurde.

Die anstehenden Wahlen leitete Ehrenlandesinnungsmeister Wolfgang Sautter. Einstimmig wiedergewählt wurde LIM Johannes Schultheiß, was von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen wurde. Wiedergewählt wurden auch der Stv. LIM Martin Reinhardt sowie Gerhard Sailer und Judith Sauter als Mitglieder im geschäftsführenden Vorstand. In den Gesamtvorstand wurde neu Böblingens OM Eberhard Binder für den ausscheidenden Fritz Brückbauer gewählt. Weiter sind dabei: Bernhard Kuhn, Dietmar Link, Karl-Josef Schumacher, Georg Strohmaier und Helmut Wind. Auch die weiteren Beauftragten und Ausschussmitglieder wurden in Ihren Ämtern für die nächsten drei Jahre bestätigt.

Bei der anschließenden Abstimmung über den vorliegenden Haushaltsplan wurde dieser einstimmig, der Sonderbeitrag für die Werbegemeinschaft mit einer Gegenstimme genehmigt.

Die Mitgliederversammlung im nächsten Jahr wird der LIV ausrichten. Da der Verband dann sein 125-jähriges Jubiläum feiert, schlug Kofler eine besondere Vorgehensweise vor. Es werde einen sogenannten Arbeitsteil im Großraum Stuttgart geben und einen festlichen im Raum Bodensee.

Zum Abschluss der Versammlung zog LIM Schultheiß noch eine besondere Überraschung „aus dem Hut“. Er ernannte den Ende diesen Monats ausscheidenden Geschäftsführer der Bäko Süd, Albert Eurskens, in Würdigung seiner Verdienste für das Württembergische Bäckerhandwerk zum Ehrenmitglied.


Artikel vom 16.06.2005
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